Arbeitskultur in der Urologie: Ärzte ohne gesunde Grenzen?27. September 2019 BvDU-Präsident Dr. Axel Schroeder beim 71. DGU-Kongress in Hamburg. Foto: Schmitz Ob in Klinik oder Praxis, die ärztliche Arbeit ist im Wandel: Bürokratie, Digitalisierung und wirtschaftlicher Druck fordern auch die urologische Ärzteschaft täglich heraus – so weit, dass Ärzte selbst krank werden. Darauf wies der Berufsverband der Deutschen Urologen (BvDU) im Rahmen eines berufspolitischen Forums beim 71. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) am 19.09.2019 in Hamburg hin. Ärzte führen demnach häufig ein Leben, von dem sie ihren Patienten dringend abraten: ständig unter Druck, Warnsignale missachtend, Grenzen überschreitend. Das Patientenwohl stehe im Selbstverständnis an allererster Stelle. Die eigene Gesundheit werde dabei häufig vernachlässigt. Aber auch Ärzte dürften krank werden, betont der Berufsverband. Sie scheuten sich jedoch, Schwäche zu zeigen. „Wir als Berufsverband möchten unsere Kolleginnen und Kollegen dazu ermutigen, offener über ihre körperlichen Grenzen zu sprechen, das Thema salonfähig machen und uns kritisch mit unserem ärztlichen Selbstbild vom stets belastbaren, sich unermüdlich kümmernden und eigene Bedürfnisse verleugnenden Helfer auseinandersetzen“, erklärte Dr. Axel Schroeder, Präsident BvDU. Ärzte sind suchtgefährdet Typische Krankheitsbilder überlasteter Mediziner sind Depressionen sowie Herz-Kreislauf- und Suchterkrankungen. Ärzte greifen aufgrund ihrer herausfordernden Tätigkeit gegenüber anderen Berufsgruppen häufiger zu Alkohol, Zigaretten, Tabletten und anderen Mitteln. Auch täuschen sich Betroffene oft länger als andere über die Abhängigkeit hinweg. Hilfe, wie etwa Interventionsprogramme für Suchtkranke der Landesärztekammern, nehmen sie eher selten und meist zu spät in Anspruch. Gesündere Arbeitsbedingungen notwendig Weniger Einfluss haben Ärzte natürlich auf ihre Arbeitsbedingungen und den daraus resultierenden krankmachenden Faktoren. Eine Umfrage unter knapp 500 urologischen Assistenzärzten zeigt, dass über 80 Prozent unter hoher Arbeitsverdichtung mit Zeitdruck leiden. Auch Überstunden stehen an der Tagesordnung, nur einem Drittel aller Befragten werden diese vergütet. „Hieran sehen wir, wie eng die Ärztegesundheit mit den aktuellen berufspolitischen und standespolitischen Debatten verbunden ist“, so BvDU-Präsident Schroeder. „Denn es stellt sich die Frage, wie wir unsere Selbstbestimmung und Selbstverwaltung in einem Gesundheitssystem bewahren können, das zunehmend kommerzialisiert, bürokratisiert und digitalisiert wird.“ Schon beim vergangenen Deutschen Ärztetag in Münster wurde von den Arbeitgebern gefordert, für gesundheitsförderliche ärztliche Arbeitsbedingungen zu sorgen, um Erschöpfung, Depressionen, Burnout oder Sucht vorzubeugen. Angeregt wurden außerdem Resilienzprogramme als Teil von Studium und Fortbildung. 70 Prozent der Ärzte erwägen, vorzeitig aufzuhören Dr. Holger Uhthoff, Vizepräsident des BvDU und praktizierender Urologe in Speyer, ergänzte bei der Pressekonferenz zum DGU-Kongress, dass aufgrund der zunehmend schlechteren Arbeitsbedingungen 70 Prozent der Ärzte bereits überlägen, ihre kassenärztliche Tätigkeit vorzeitig aufzugeben. Uhthoff betonte, dass nur ein gesunder Arzt seine Arbeit richtig ausüben kann und erinnerte an das “Genfer Gelöbnis”, in dem es heißt: “Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können” (Genfer Deklaration des Weltärztebundes, Oktober 2017). (BvDU/ms)
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