Aromatasehemmer: Risiko für Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Mortalität erhöht

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Wie wirken sich Aromatasehemmer gegen Brustkrebs auf die kardiovaskulären Outcomes aus? Randomisierte kontrollierte Studien und Beobachtungsstudien kommen zu durchaus unterschiedlichen Ergebnissen. Daher gingen Farzin Khosrow-Khavar vom Jewish General Hospital in Montréal, Kanada, und seine Kollegen dieser Frage in einer populationsbasierten Studie nach.

Ihr Fazit, das jetzt in „Circulation“ erschienen ist: Im Vergleich zu Tamoxifen gingen Aromatasehemmer mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Mortalität einher. Es gab auch Trends zu erhöhten, wenngleich nicht signifikanten Risiken für MI und ischämischen Schlaganfall. Die Autoren empfehlen, das erhöhte Risiko gegen ihre im Vergleich zu Tamoxifen günstigen klinischen Vorteile abzuwägen.

Für ihre populationsbasierte Kohortenstudie hatten die Wissenschaftler den Beobachtungs- und Interventionsforschungsdienst UK Clinical Practice Research Datalink verwendet, der mit den Datenbanken Hospital Episode Statistics und Office for National Statistics verknüpft ist.

Die Studienpopulation bestand aus 23.525 Frauen, bei denen zwischen dem 01.04.1998 und dem 29.02.2016 Brustkrebs neu diagnostiziert worden war und von denen 17.922 die Therapie mit Aromatasehemmern (n=8139) oder Tamoxifen (n=9783) begonnen hatten. Mittels Cox-Modellen (Proportional Hazards) mit „inverse probability of treatment and censoring weighting“ wurden die HRs mit 95%-KI abgeschätzt. Dabei verglichen die Autoren Neu-Anwenderinnen von Aromatasehemmern mit Neu-Anwenderinnen von Tamoxifen für jedes der Studienoutcomes: MI, ischämischer Schlaganfall, Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Mortalität.

Die Berechnungen ergaben, dass Aromatasehemmer vs. Tamoxifen mit einem signifikant erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz (Inzidenzrate 5,4 vs. 1,8/1000 Personenjahre; HR 1,86 [95%-KI 1,14–3,03]) und kardiovaskuläre Mortalität (Inzidenzrate 9,5 vs. 4,7/1000 Personenjahre; HR 1,50; 95%-KI 1,11–2,04) verbunden waren. Bezüglich MI (Inzidenzrate 3,9 vs. 1,8/1000 Personenjahre; HR 1,37; 95%-KI 0,88–2,13) und ischämischen Schlaganfall (Inzidenz-Rate 5,6 vs. 3,2/1000 Personenjahre; HR 1,19; 95%-KI 0,82–1,72) war die Anwendung von Aromatasehemmern mit erhöhten HRs assoziiert, jedoch mit KI, die den Nullwert einschlossen.

Fazit
In der populationsbasierten Studie wurden Aromatasehemmer im Vergleich zu Tamoxifen mit einem erhöhten Risiko für Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Mortalität in Verbindung gebracht. (sf)

Autoren: Khosrow-Khavar F et al.
Korrespondenz: Laurent Azoulay; [email protected]
Studie: Aromatase Inhibitors and the Risk of Cardiovascular Outcomes in Women With Breast Cancer: A Population-Based Cohort Study
Quelle: Circulation 2020;141(7):549–559.
Web: https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.119.044750