ASCO 2024: Studie unter Mainzer Federführung zeigt bessere Therapieoption für inoperable Lebertumore auf

Mainzer Leberspezialist Prof. Peter Galle stellt Studienergebnisse beim weltweit größten Kongress für klinische Onkologie, dem Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO), in Chicago vor. Foto: UM / privat

Vielversprechende Ergebnisse einer Phase-III-Studie hat der Leberspezialist Prof. Peter Galle kürzlich beim ASCO Annual Meeting in Chicago vorgestellt: Die Daten zeigen, dass eine Kombination zweier Wirkstoffe aus der Gruppe der Checkpoint-Inhibitoren das Potenzial hat, künftig zur ersten Behandlungsoption bei fortgeschrittenem Leberkrebs zu werden.

Trotz der Verfügbarkeit neuerer medikamentöser Behandlungsoptionen ist die Prognose für Patienten mit fortgeschrittenem Hepatozellulären Karzinom (HCC) nach wie vor schlecht, und es werden Behandlungen benötigt, die das Überleben verbessern und die Progression verzögern. Deshalb wird weltweit im Rahmen großer Studien nach neuen Wirkstoffen bzw. Wirkstoffkombinationen mit langfristigem Nutzen gesucht.

Die Wirkstoffe Nivolumab und Ipilimumab gehören zu den Checkpoint-Inhibitoren: „Im Rahmen der Phase III-Studie CheckMate 9DW haben wir die Gabe einer Kombination dieser beiden Präparate im Vergleich zu einer der bisherigen Standardtherapien mit den Medikamenten Lenvatinib oder Sorafenib getestet“, berichtet Galle, Leberspezialist und Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz.

Als führender Autor hat er die Studie maßgeblich begleitet und die Ergebnisse nun in Chicago auf dem Jahrestreffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) mit rund 48.000 Teilnehmenden vorgestellt. Hier werden in jedem Jahr neueste Daten aktueller Studien und Innovationen in der Krebsforschung veröffentlicht und diskutiert. „Es ist eine große Auszeichnung, dass wir in diesem Rahmen auch unsere Ergebnisse präsentieren konnten“, so Galle.

Die Kombination macht’s: Chance auf neue Erstlinientherapie

Konkret haben 668 Patienten an der durch die Pharmafirma Bristol Myers Squibb unterstützten Studie teilgenommen, eine Hälfte bekam die Kombination der Checkpoint-Inhibitoren, die andere Hälfte eines der aktuellen Standardmedikamente Lenvatinib oder Sorafenib. Alle Patienten litten an einem zuvor unbehandelten, fortgeschrittenen Leberkrebs, der nicht mehr operabel war.

„Unsere Daten bestätigen die Wirksamkeit der Kombination von Nivolumab und Ipilimumab und die Fähigkeit, das Überleben bei Leberkrebs zu verlängern, was sehr ermutigend ist“, freut sich Galle. „Zudem sprachen die Patientinnen und Patienten deutlich öfter und auch länger auf die Behandlung an, und das bei überschaubaren und vertretbaren Nebenwirkungen. Die Ergebnisse unterstützen damit die Zulassung dieser Kombination als potenzielle neue Erstlinientherapie für ein unbehandeltes HCC.“

Bereits in einer Vorgängerstudie hatte die Wirkstoff-Kombination eine klinisch bedeutsame Wirksamkeit gezeigt, was bereits zu einer beschleunigten Zulassung als Zweitlinientherapie in den Vereinigten Staaten führte.

Standort Mainz als nationaler Schwerpunkt für Patienten mit Leberkrebs

Dass Galle die neue Studie federführend betreut, kommt nicht von ungefähr: Die Universitätsmedizin Mainz ist für die klinische Forschung bei Leberkrebs besonders prädestiniert, da sie exzellente Strukturen zur Behandlung von Leberkrebs im Rahmen des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen (UCT Mainz) etabliert hat. „Das Viszeralonkologische Tumorzentrum des UCT Mainz bietet Patientinnen und Patienten alle etablierten therapeutischen Verfahren nach modernsten Standards sowie innovative Studien zur Behandlung von Leberkrebs an“, resümiert Galle. „Mit mehr als 1800 behandelten Leberkrebspatientinnen und -patienten in den letzten zehn Jahren hat sich die Universitätsmedizin Mainz zu einem nationalen Schwerpunkt in diesem Bereich entwickelt und auch international eine hohe Sichtbarkeit erlangt.”