ASH 2021: Studien beleuchten neue Ansätze für das Screening auf Bluterkrankungen und ihre Behandlung6. Januar 2022 Quelle: ©ASH Eine Studie, die während der 63. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) vorgestellt wurde, zeigt einen potenziellen Zusammenhang zwischen einer Blutanomalie und der Alzheimer-Krankheit. So könnten zufällige Veränderungen in bestimmten Genen, die dazu führen, dass sich blutbildende Stammzellen unkontrolliert ansammeln und die nachweislich das Risiko, an Blutkrebs zu erkranken, verzehnfachen, mit einem verringerten Alzheimer-Risiko assoziiert sein. „Wir haben das Gegenteil von dem gefunden, was wir erwartet hatten“, sagte Dr. Siddhartha Jaiswal von der Stanford University, USA. „Unsere Hypothese war, dass diese Mutationen mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden sind, aber wir fanden insgesamt ein um 35 bis 40 Prozent reduziertes Alzheimer-Risiko, wenngleich es sich um einen Zusammenhang handelt und nicht die Kausalität adressiert.“ Die Mutationen, die zusammenfassend als klonale Hämatopoese mit unbestimmtem Potenzial (CHIP) bezeichnet werden, treten mit zunehmendem Alter immer häufiger auf und werden eher erworben als vererbt. Eine CHIP wird bei mindestens zehn bis 20 Prozent der Menschen über 70 Jahren gefunden. Frühere Studien haben gezeigt, dass Menschen mit CHIP eine Wahrscheinlichkeit von etwa einem Prozent pro Jahr haben, an Leukämie oder einem anderen Blutkrebs zu erkranken und ein fast doppelt so hohes durchschnittliches Risiko für eine Herzerkrankung aufweisen. Die CHIP selbst hat keine Anzeichen oder Symptome und wird in der Regel nur erkannt, wenn eine Person auf eine andere Erkrankung hin genetisch getestet wird (z. B. auf einen soliden Tumor oder unerklärlich niedrige Blutzellzahlen). Die meisten Menschen, die eine Alzheimer-Demenz entwickeln, haben die spät einsetzende Form, bei der sich die Symptome ab Mitte 60 bemerkbar machen. Obwohl kein spezifisches Gen als Ursache der spät einsetzenden Alzheimer-Krankheit identifiziert wurde, beeinflusst das Tragen einer Variante eines Gens, das als APOE bekannt ist, das Risiko einer Person, die Krankheit zu entwickeln. „APOE hat verschiedene Formen“, sagte Jaiswal. „Die für Alzheimer am relevantesten sind die Variante e2, die das Risiko senkt, e3, die sich risikoneutral auswirkt, und e4, die das Risiko deutlich erhöht. In unserer Studie schien eine CHIP keine Wirkung zu haben, wenn die Menschen die schützende e2-Form des Gens hatten. Aber für Träger von e3 und e4 war die mit CHIP verbundene Risikoreduktion vergleichbar oder höher als die von APOE e2.“ Jaiswal und seine Kollegen analysierten anonymisierte Daten von 5730 Menschen, die Blutproben zu einer von zwei großen, laufenden Präzisionsmedizinstudien beitrugen: zu Trans-Omics for Precision Medicine (TOPMed), gesponsert vom National Heart, Lung, and Blood Institute, und dem Alzheimer’s Disease Sequencing Project, gesponsert vom National Human Genome Research Institute und dem National Institute on Aging. Sie ordneten Daten passend danach zu, ob Personen eine CHIP- und eine APOE-Mutation trugen oder nicht. Die beiden Kohorten waren zu etwa 60 Prozent weiblich, mit einem Durchschnittsalter von 60 bis 80 Jahren und überwiegend weiß. Sie fanden einen Zusammenhang zwischen CHIP-Mutationen und einer geringeren Wahrscheinlichkeit, eine Alzheimer-Krankheit oder Veränderungen im Gehirn zu entwickeln, die typischerweise bei Menschen mit Alzheimer-Krankheit beobachtet werden. Die Forscher untersuchten auch Gehirngewebeproben von Autopsien, die bei acht Spendern mit CHIP durchgeführt wurden, von denen sechs zum Zeitpunkt ihres Todes kognitiv normal waren. Sie identifizierten eine CHIP-Mutation in Mikroglia, welche „die Immunzellen des Gehirns“ darstellten, sagte Jaiswal. „Frühere Studien haben gezeigt, dass die Alzheimer-Krankheit größtenteils eine Krankheit der Mikroglia ist“, sagte er. „Andere Studien – von unserer Gruppe und anderen – haben gezeigt, dass die Mutationen, die eine CHIP verursachen, die Immunantwort des Körpers fehlregulieren, was zu einer Entzündung führt, die unserer Meinung nach die zugrunde liegende Ursache für das erhöhte Risiko für Herzerkrankungen bei CHIP-Trägern ist.“ Zudem bestehe seit langem der Verdacht, dass Entzündungen bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit eine Rolle spielen, fügte Jaiswal hinzu. „Wir denken jetzt, dass die Aufgabe der Mikroglia darin bestehen könnte, giftige Proteinklumpen, die sich im Gehirn von Menschen mit Alzheimer ansammeln, zu entfernen. Wenn wir älter werden, können normale Mikroglia dies weniger gut tun, aber etwas an der CHIP-Mutation kann es den mutierten Mikroglia ermöglichen, diese Aufgabe weiterhin effektiv zu erfüllen. Dies zu beweisen – und herauszufinden, was an der CHIP-Mutation diese Schutzwirkung ausübt – könnte letztendlich zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden für die Alzheimer-Krankheit führen“, erklärte er. Jaiswal warnte, dass die aktuellen Ergebnisse zwar einen Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein der CHIP-Mutation und einem verringerten Risiko für die Alzheimer-Krankheit aufzeigen, er und sein Team jedoch nicht bewiesen hätten, dass die Mutation direkt das Potenzial für ein verringertes Risiko erklärt.
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