ASH 2023: Daratumumab-Zusatz zu Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason in der Erstlinie beim Multiplen Myelom sinnvoll

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Patienten mit neu diagnostiziertem Multiplem Myelom (MM), die Daratumumab zusammen mit der Standardbehandlung aus Bortezomib, Lenalidomid und Dexamethason (VRd) erhielten, zeigten in einer aktuellen Phase-III-Studie gegenüber jenen, die allein die Standardversorgung erhielten, deutlich höhere Raten des progressionsfreien Überlebens (PFS).

Das belegen Ergebnisse, die am 12. Dezember als Late Breaking abstract (LBA) 1 während der 65. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in San Diego, USA, vorgestellt wurden.

Bei einer medianen Nachbeobachtung von 47,5 Monaten war die geschätzte PFS-Rate – der primäre Endpunkt der Studie – mit D-VRd im Vergleich zu VRd signifikant verbessert. Patienten, die Daratumumab plus VRd (D-VRd) erhielten, hatten eine geschätzte 4-Jahres-PFS-Rate von 84,3 Prozent versus 67,7 Prozent bei Patienten, die nur VRd erhielten – was einem Unterschied von etwa 17 Prozent entspricht.

„Wir waren nicht überrascht, den Unterschied bei der Zugabe von Daratumumab zu sehen, aber über das Ausmaß des Unterschieds zwischen den beiden Armen waren wir sehr überrascht“, erklärte Erstautor Pieter Sonneveld, Professor für Hämatologie am Erasmus MC Cancer Institute in Rotterdam, Niederlande. „Dieser Unterschied ist für den Patienten im Hinblick auf Wohlbefinden und Krankheitsfreiheit von großer klinischer Bedeutung.“

Daratumumab ist ein monoklonaler Antikörper, der auf ein Protein abzielt, das in MM-Zellen überexprimiert wird. Es wurde zuvor für die Anwendung bei Patienten zugelassen, die für eine Stammzelltransplantation nicht in Frage kommen, oder bei Krebserkrankungen, die rezidivieren oder auf Standard-Erstlinientherapien nicht ansprechen. Die neue Phase-III-Studie ist die erste, die ihren Einsatz als Teil der Erstlinientherapie beim neu diagnostizierten MM im direkten Vergleich mit dem aktuellen Behandlungsstandard testet.

Für die Studie rekrutierten die Forscher aus mehreren europäischen Ländern 709 Patienten, bei denen ein MM neu diagnostiziert worden war und die für eine autologe Stammzelltransplantation in Frage kamen. Die Patienten erhielten in 28-Tage-Zyklen bis zu sechs Zyklen einer VRd-Induktionstherapie, unterzogen sich nach Möglichkeit einer Stammzelltransplantation und setzten anschließend die Einnahme von Lenalidomid als Erhaltungstherapie fort. Patienten, die randomisiert D-VRd erhielten, erhielten Daratumumab sowohl in der Induktions- als auch in der Erhaltungsphase über subkutane Injektionen.

Die Wissenschaftler merkten an, dass Elemente des Studiendesigns, einschließlich der Verwendung subkutaner Injektionen anstelle von Daratumumab-Infusionen und der Verabreichung der Behandlung in 28-Tage-Zyklen anstelle von 21-Tage-Zyklen, darauf abzielten, die Behandlung für die Patienten schonender zu gestalten und die Wahrscheinlichkeit nachteiliger Auswirkungen zu verringern.

Zum Datenschnitt hatten 613 Teilnehmer die Einführungs-/Konsolidierungsphase der Behandlung abgeschlossen und die Patienten waren durchschnittlich knapp vier Jahre lang nachbeobachtet worden. Das PFS war im D-VRd-Arm signifikant höher und Subgruppenanalysen zeigten, dass dies in allen Gruppen konsistent war, einschließlich derjenigen mit fortgeschritteneren und risikoreicheren MM-Formen.

Von den Patienten, die das D-VRd-Regime erhielten, zeigten 87,9 Prozent eine Komplettremission oder besser, verglichen mit 70,1 Prozent der Patienten, die die Standardbehandlung erhielten. Patienten im D-VRd-Arm wiesen außerdem eine signifikant höhere Rate an Negativität bzgl. der Minimalen Resterkrankung (MRD) auf, was bei 75,2 Prozent der Patienten, die D-VRd erhielten, und 47,5 Prozent der Patienten mit VRd allein erreicht wurde. Die Nachbeobachtungszeit reicht noch nicht aus, um Trends bei den Gesamtüberlebensraten zu vergleichen.

Die Rate schwerwiegender Nebenwirkungen war im D-VRd-Arm höher: 57 Prozent der Patienten, die Daratumumab erhielten, erlitten solche Ereignisse, verglichen mit 49,3 Prozent bei den Patienten, die nur VRd erhielten. Die Forscher stellten jedoch fest, dass unerwünschte Ereignisse im D-VRd-Arm deutlich seltener zum Abbruch der Behandlung führten und die meisten unerwünschten Ereignisse kurzfristiger und vorübergehender Natur waren. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse ab Grad drei waren niedrige Leukozytenzahlen, niedrige Thrombozytenzahlen, Durchfall, Lungenentzündung und Fieber.

„Zusammengenommen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass D-VRd VRd allein bei der primären MM-Behandlung mit einem beherrschbaren Sicherheitsprofil übertrifft”, sagte Sonneveld.„Bei diesen Ergebnissen gehe ich davon aus, dass dieses Behandlungsregime der künftige Standard für diese Patienten sein wird.“

In einer Folgeanalyse werden die längerfristigen Ergebnisse des Absetzens von Daratumumab nach zwei Jahren Erhaltungstherapie bei Patienten untersucht, die eine MRD-Negativität erreichen.

Die Studie wurde vom European Myeloma Network mit Unterstützung von Janssen Pharmaceuticals finanziert.