ASH 2023: Kombinierte Immuntherapie führt zu hoher Ansprechrate beim Follikulären Hochrisiko-Lymphom

Dr. Juan Pablo Alderuccio. Bild: Photo by Clutch Content Partners

Laut Forschern, die eine klinische Phase-II-Studie am Sylvester Comprehensive Cancer Center in Miami, USA, durchführen, hat eine neue Kombination von Antikörper-Therapien bei Patienten mit Follikulärem Hochrisiko-Lymphom zu einer „überraschend hohen“ Ansprechrate geführt.

Diese ersten Erkenntnissen wurden in einer mündlichen Präsentation auf der 65. Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) vorgestellt, die vom 9.-12. Dezember in San Diego, USA stattfand. „Es handelt sich um eine Hochrisikopopulation, und wir versuchen, die Ergebnisse für diese Patienten zu verbessern“, erläuterte Erstautor Dr. Juan Pablo Alderuccio vom Sylvester Comprehensive Cancer Center der University of Miami, USA, Präsentator des von der ASH als klinisch relevant eingestuften Abstracts.

Die erste Analyse der klinischen Studie zu Loncastuximab plus Rituximab ergab, dass 96 Prozent der Hochrisikopatienten teilweise und 85 Prozent vollständig auf die Behandlung ansprachen. Bisher wurden am Sylvester Comprehensive Cancer Center 33/39 Patienten mit Follikulärem Lymphom in die Studie aufgenommen – die ASH-Präsentation basiert auf der Analyse von 27 dieser Patienten. Aber angesichts der unerwartet hohen Ansprechrate planen die Forscher, die Studie auf die Aufnahme auf insgesamt 100 Patienten an ihrer Einrichtung und ab anderen Krebszentren auszuweiten.

Etwas mehr als die Hälfte der Patienten in der Studie hatten einen POD24, was bedeutet, dass ihre Krankheit innerhalb der ersten 24 Monate nach der Erstbehandlung fortschritt. Beim Follikulären Lymphom ist dieses frühe Fortschreiten oft ein schlechtes Zeichen und mit einem höheren Risiko verbunden, an der Krankheit zu sterben. Bei den übrigen Patienten handelte es sich um Patienten, die aufgrund anderer klinischer Kriterien als Hochrisikopatienten oder Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung eingestuft wurden.

Alderuccio und Seniorautor Dr. Craig H. Moskowitz, Chefarzt für Onkologie am Sylvester Comprehensive Cancer Center sagten, das Team sei mit den überraschend hohen Ansprechraten zufrieden. Sie gestalteten ihre Studie in Phasen, wobei sie in der ersten, kleineren Phase eine bestimmte Anzahl von Komplettremissionen benötigten, bevor sie mit der zweiten fortfahren konnten. Sie rekrutierten 19 Patienten für diese erste Phase mit dem Ziel, sieben mit Komplettremission zu sehen – diese sieben Komplettremissionen ergaben sich jedoch schon, nachdem die ersten 10 Patienten behandelt worden waren.

Diese Prozentsätze hielten sich, als sie in die zweite Phase der Studie übergingen. Nun sucht das Team nach anderen Zentren, die an der größeren, multizentrischen Studie teilnehmen können, in der die beiden Antikörper an insgesamt 100 Patienten getestet werden.

„Wenn wir in dieser größeren Gruppe die gleichen guten Ergebnisse beobachten können, wird diese Behandlung hoffentlich künftig für jeden Patienten verfügbar sein“, sagte Alderuccio.

Während Rituximab seit Jahrzehnten eine der Standardbehandlungen bei Follikulären Lymphomen darstellt, handelt es sich bei Loncastuximab um ein neuartiges Antikörper-Wirkstoff-Konjugat, das auf ein Protein abzielt, das ubiquitär in Follikulären Lymphomen exprimiert wird. Als die Forscher mit der Studie begannen, hofften sie, dass Loncastuximab durch eine synergistische Wechselwirkung mit Rituximab zu dauerhaften Remissionen beitragen würde.

Die aktuelle klinische Studie erfolgte im Anschluss an eine an anderer Stelle durchgeführte Phase-I-Studie, in der Loncastuximab allein bei Patienten mit B-Zell-Lymphomen, einschließlich Follikulärem Lymphom, getestet worden war. Diese Studie hatte vielversprechende, wenn auch weniger dramatische Ergebnisse gezeigt – eine Rate an Komplettremissionen von etwa 64 Prozent. Loncastuximab allein hat sich in Studien auch bei anderen Lymphomen, einschließlich diffuser großzelliger B-Zell-Lymphome, als wirksam erwiesen.

Eine vollständige Liste der Autoren und Offenlegungen ist in der Zusammenfassung enthalten.