ASH 2023: Haploidentische Knochenmarktransplantation mit intensitätsreduzierter Konditionierung als neue Option bei Sichelzellanämie

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Die nationale, multizentrische klinische Studie BMT CTN 1507 zeigt, dass eine haploidentische Knochenmarktransplantation nach Konditionierung mit reduzierter Intensität für Erwachsene mit schwerwiegenden Sichelzellanämie-bedingten Komplikationen sicher und kurativ ist.

Die Ergebnisse der klinischen Phase-II-Studie wurden am 12. Dezember als High-Impact-Studie (Abstract #LBA4) auf der Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) vorgestellt.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass passende Spender – die nur einer Minderheit der Patienten mit Sichelzellanämie zur Verfügung stehen – für die Heilung der Krankheit durch allogene Transplantation nicht mehr erforderlich sind“, betont Dr. Robert Brodsky, Direktor für Hämatologie an der Johns Hopkins University School of Medicine und Co-Studienleiter. „Die haploidentische Knochenmarktransplantation mit reduzierter Intensität ist eine sichere, kurative Therapie, die für Erwachsene mit Sichelzellanämie geeignet ist, die zudem an krankheitsbedingten Komplikationen wie Organschäden, Schlaganfall oder pulmonaler Hypertonie leiden. Dies macht sie zu einer Behandlungsoption für viel mehr Patienten.“

An der klinischen Studie nahmen 42 Personen mit Sichelzellanämie teil. Die meisten Teilnehmenden waren Afroamerikaner (92,6%), und das mediane Alter lag bei 22 Jahren. Von den 42 Teilnehmenden lebten 95% zwei Jahre nach der Transplantation noch, bei 88% trat die Sichelzellanämie nicht wieder auf und sie gelten als geheilt.

„Diese Daten bestätigen die Ergebnisse von Johns Hopkins und Vanderbilt, denen zufolge eine längere Nachbeobachtung zeigt, dass praktisch alle Patienten, die mehr als zwei Jahre nach der Transplantation ohne Erkrankung sind, geheilt sind“, sagt Brodsky.

Patienten in der klinischen Studie – die vom National, Heart, Lung, and Blood Institute und dem National Cancer Institute gesponsert wurde – wurden in 19 Krankenhäusern in den USA mit einer haploidentischen Knochenmarktransplantation nach Konditionierung mit reduzierter Intensität behandelt. Bei diesem Typ der Knochenmarktransplantation stammt das gespendete Knochenmark von einem haploidentischen Spender, beispielsweise den Eltern, Geschwistern oder Kindern des Patienten. Auch andere Verwandte, darunter ein Neffe, eine Nichte, eine Tante oder ein Onkel, kommen oft als Spender in Frage.

Die Patienten wurden mit einer niedrigdosierten Therapie behandelt, um sie auf die Transplantation vorzubereiten, und erhielten nach der Transplantation Cyclophosphamid, von dem frühere Untersuchungen gezeigt haben, dass es die Graft-vs-Host-Disease abwehrt.

Die haploidentische Knochenmarktransplantation mit Cyclophosphamid nach der Transplantation wurde in mehr als einem halben Jahrhundert translationaler Teamforschung am Johns Hopkins Kimmel Cancer Center entwickelt. Diese Studie umfasste geringfügige Änderungen, die vom Vanderbilt-Forschungsteam vorgenommen wurden.

Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass ein hochdosiertes Regime, die myeloablative Konditionierung, mit einer vollständig gematchten Knochenmarktransplantation die Sichelzellanämie heilt. Aufgrund der Besorgnis über Nebenwirkungen sei der Einsatz jedoch begrenzt – insbesondere bei älteren Patienten mit durch Sichelzellenanämie verursachten Organschäden, erläutert Brodsky. Solche Patienten seien zudem oft von Studien zur myeloablativen Gentherapie und -bearbeitung ausgeschlossen, fügt er hinzu.

In der Studie zur haploidentischen Transplantation mit reduzierter Intensität traten schwerwiegende Nebenwirkungen selten auf. Dazu gehörten ein Transplantatversagen, mittelschwere bis schwere Graft-vs.-Host-Disease (26,2%) und zwei Todesfälle im ersten Jahr nach der Transplantation.

Von der Sichelzellenanämie sind etwa 100.000 Amerikaner, vor allem Afroamerikaner, und 20 Mio. Menschen weltweit betroffen.

Weitere Co-Leiter der Studie waren neben Brodsky Dr. Michael DeBaun, Direktor des Vanderbilt-Meharry Center for Excellence in Sickle Cell Disease, und Dr. Adetola Kassim, Direktorin des Adult Sickle Cell Disease Program am Vanderbilt-Ingram Cancer Center, und Dr. Mark Walters, Abteilungsleiter für Hämatologie an den UCSF Benioff Children’s Hospitals.

Die Forschung wurde vom National Heart, Lung, and Blood Institute (U10HL069294) und dem National Cancer Institute (U24HL138660) finanziert.