Asklepios Paulinen Klinik als Beratungsstelle für Interstitielle Cystitis zertifiziert13. Januar 2021 Ralf Thiel ist Urologie-Chefarzt an der Asklepios Paulinen Klinik Wiesbaden. Foto: Asklepios Die Abteilung für Urologie an der Asklepios Paulinen Klinik (APK) in Wiesbaden ist von der ICA (Interstitielle Cystitis Association) als Beratungsstelle für Interstitielle Cystitis (IC) zertifiziert worden. Dr. Ralf Thiel, Chefarzt der Urologie an der APK, ist laut einer aktuellen Meldung der Klinik ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Diagnose und Therapie der IC. Er befasse sich seit mehr als 25 Jahren mit der Behandlung der betroffenen Patienten. Anforderungen an die Zentren Das IC-Zentrum an der APK ist eines von deutschlandweit insgesamt sechs Beratungszentren der ICA. Grundlage für die Zertifizierung ist eine nachgewiesene Expertise im Bereich der Diagnostik und Therapie dieser seltenen Erkrankung und Vorhaltung der entsprechenden Spezialmethoden wie zum Beispiel Urodynamik, Physiotherapie, EMDA (Electromotive drug administration), Botulinumtoxin-Injektionen, Harnableitungen und andere, ähnlich wie in dem an der Klinik vorhandenen Inkontinenz- und Beckenbodenzentrum. Eine interdisziplinäre ganzheitliche Betreuung der Patienten ist essenziell. Diesbezüglich liegt an der Klinik ein entsprechendes Zertifikat als Beratungsstelle der Deutschen Kontinenz Gesellschaft vor. Auch ein enger Kontakt zu Selbsthilfegruppen und zur ICA Deutschland e.V. (www.ica-ev.de) sowie Kooperationen mit Reha-Spezialkliniken wie der Parkklinik in Bad Nauheim sind von Bedeutung. Chronische schmerzhafte Blasenentzündung ohne Erreger Die Interstitielle Zystitis (IC) ist eine Erkrankung, unter der etwa zwei von 100.000 Einwohnern leiden. Sie ist schwer zu diagnostizieren und wird oft erst nach Jahren erkannt. Dann haben viele Patienten häufig bereits eine wahre Ärzte-Odyssee hinter sich. Mit der jetzt eingerichteten Beratungsstelle an der APK hat Wiesbaden einen zertifizierten Anlaufpunkt für Patienten, an dem kompetente Hilfe zur Verfügung steht. „Die IC ist eine chronisch-schmerzhafte Harnblasenerkrankung, die im Englischen auch ‘bladder pain syndrome’ genannt wird. Charakteristisch sind Symptome wie Blasenschmerzen und extrem häufiger Harndrang tags und nachts bei kleiner Blasenkapazität. Die Erkrankung wird im Gegensatz zur ‚normalen‘ Blasenentzündung jedoch nach heutigem Kenntnisstand nicht durch Bakterien oder andere Erreger verursacht. Deshalb verläuft eine Antibiotikatherapie ohne Erfolg. Der chronische Zustand geht mit einem erheblichen Leidensdruck einher und ist weder psychosomatisch noch stressbedingt. In bis zu 90 Prozent sind Frauen mittleren Alters betroffen“, so Thiel. Bis zu 50 Toilettengänge in 24 Stunden Die Ursache der Erkrankung ist bisher noch nicht komplett erforscht. Man geht von einem Defekt der Blasenschleimhaut aus. Die wunde und sehr fragile Schleimhaut führt zu Reizungen auch der tiefen Blasenwandschichten und zu sehr häufigem Harndrang. So kann im Extremfall alle 30 Minuten ein Toilettengang notwendig werden und das rund um die Uhr. Damit können bis zu 50 Toilettengänge in 24 Stunden zusammenkommen. Die Lebensqualität ist so maximal reduziert. Auch andere Körperregionen wie Darm, Genitale, Gelenke und Haut können betroffen sein, sodass manche Experten auch von einer Autoimmunerkrankung ausgehen. Auch den Begriff „Rheuma der Blase“ fällt gelegentlich. Diagnostik und Therapie sind komplex Die Diagnose einer IC ist schwierig und muss ganzheitlich und sorgfältig erfolgen. Zunächst müssen alle entzündlichen Erkrankungen, auch sexuell übertragbare, sowie Fehlbildungen, Strahlenfolgen und Tumore ausgeschlossen werden. Bei der Blasenspiegelung mit erhöhtem Wasserdruck zeigen sich dann oft charakteristische Veränderungen mit kleinen Blutungen der Schleimhaut. Wie die Diagnostik ist auch die Therapie nicht leicht und bedarf spezieller Erfahrung und Ausrüstung. Sie reicht von Tabletten, die die Blasenschleimhaut regenerieren oder den Harndrang unterdrücken sollen, über Medikamentencocktails, die direkt in die Blase eingefüllt werden (z.T. gefördert durch Anlage eine Stromfeldes, sog. Iontophorese), bis hin zu Botulinumtoxin-Injektionen in die Blase. In seltenen Fällen ist sogar eine Entfernung der Blase und Schaffung einer künstlichen Neoblase aus körpereigenem Dünndarm als ultima ratio erforderlich. (Asklepios/ms)
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