Aspirin zur Thrombose-Vorbeugung bei Hüft- und Knie-OPs20. Februar 2026 Bild: tashatuvango stock.adobe.com Die neue S3-Leitlinie „Prophylaxe der venösen Thromboembolie“ gibt erstmals die evidenzbasierte Empfehlung zur Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) als Prophylaxe von Thromboembolien. Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik begrüßt dies als eine wirksame und kostengünstige Vorbeugung, die Patienten selbstständig umsetzen könnten. Nach größeren Operationen wie der Implantation von Hüft- und Knieprothesen besteht ein erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien (VTE), Blutgerinnsel in den tiefen Venen des Beckens oder der Beine. Die gefährlichste Folge ist die Lungenembolie. „Dabei löst sich ein Teil des Gerinnsels und verlegt ein Blutgefäß in der Lunge“, so Prof. Rüdiger von Eisenhart-Rothe, Präsident der AE und Direktor der Klinik für Orthopädie und Sportorthopädie am Klinikum rechts der Isar. Um dies zu verhindern, erhalten Patientinnen und Patienten rund um den Eingriff eine medikamentöse Thromboseprophylaxe. Bislang kamen dafür vor allem Heparinspritzen oder direkte orale Antikoagulanzien (NOAKs) zum Einsatz. „Letztere sind jedoch insbesondere bei Begleiterkrankungen oder bei ungeplanten Folgeoperationen schwieriger zu steuern“, so von Eisenhart-Rothe. Aspirin: Praktisch, bewährt und kosteneffizient Mit der Aufnahme von ASS erweitert die Leitlinie das verfügbare Spektrum um eine einfach handhabbare, in anderen Ländern seit Jahrzehnten etablierte und oral verfügbare Option. Neben der praktischen Handhabung sieht die AE auch ökonomische Vorteile. „Die ASS-Prophylaxe ist deutlich kostengünstiger als die bisherige Standardtherapie – ohne Einbußen bei Wirksamkeit oder Sicherheit, sofern die genannten Voraussetzungen erfüllt sind“, betont Prof. Georgi Wassilew, Generalsekretär der AE und Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin an der Universitätsmedizin Greifswald. Keine Einheitslösung: Thromboseprophylaxe nach individueller Risikobewertung Die Leitlinie empfiehlt die ASS-Prophylaxe nur für Patientinnen und Patienten ohne erhöhtes Thromboserisiko. „Menschen mit schweren Begleiterkrankungen wie aktiven Krebserkrankungen oder bekanntem Thrombose- und Blutungsrisiko gehören nicht dazu“, sagt Wassilew. Für sie bleibe eine intensivere, individuell angepasste Thrombosevorbeugung notwendig. ASS sei daher keine pauschale Lösung, sondern Teil einer differenzierten, interdisziplinär abgestimmten Behandlungsstrategie. Mehr Eigenverantwortung der Patienten bei der Frühmobilisation Die neue Leitlinienempfehlung stärkt aus Sicht der Fachgesellschaft auch die Rolle der Patientinnen und Patienten. „Mit der frühen Mobilisation und der vergleichsweise einfachen Einnahme von ASS-Tabletten übernehmen sie mehr Verantwortung für ihre Genesung und werden aktiver in den Behandlungsprozess eingebunden“, so Prof. Christian Merle, AE-Vizepräsident und Chefarzt des Endoprothetikzentrums III am Diakonie-Klinikum Stuttgart. Voraussetzung sei allerdings die aktive Mitarbeit: frühes Aufstehen noch am Tag der Operation, regelmäßige Teilnahme an der Physiotherapie sowie eine einfache und zuverlässige Einnahme der Medikamente. Frühe Mobilisation als Schlüssel der Thromboseprophylaxe – Nachholbedarf im Klinikalltag Die AE spricht sich für eine qualitätsgesicherte Einführung der ASS-Prophylaxe aus, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus den USA, aus Skandinavien sowie unter Berücksichtigung europäischer Empfehlungen. Gleichzeitig bestehe weiterer Forschungsbedarf – etwa zur Therapiedauer und zum Einfluss der Frühmobilisation auf das Thromboserisiko. Merle hält dies für zentral: „Die frühe Mobilisation ist wahrscheinlich der relevanteste Aspekt der Thromboseprophylaxe.“ Die meisten Studien zu Thromboseraten und Prophylaxe Maßnahmen basierten auf inzwischen überholten Nachbehandlungskonzepten. Früher sei es üblich gewesen, Patientinnen und Patienten nach der Operation länger im Bett „ausruhen“ zu lassen. Dies ist heute nicht mehr zeitgemäß. „Umso wichtiger ist es, das in der aktuellen Leitlinie eindeutig empfohlene Fast-Track-Prinzip flächendeckend in Deutschland zu etablieren.“ Leitlinienarbeit interdisziplinär abgestimmt Die Leitlinie entstand unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) unter Beteiligung zahlreicher weiterer Fachgesellschaften. Die orthopädisch-unfallchirurgische Perspektive wurde maßgeblich durch die Leitlinienkommission der DGOU eingebracht. Deren Leiter, Prof. Andreas Halder, Ärztlicher Direktor der Sana Kliniken Sommerfeld, betont die hohe Evidenzbasis der neuen Empfehlung, die auf randomisierten Studien, Registerdaten sowie internationalen Leitlinien beruht. Zur Leitlinie: S3-Leitlinie Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE)
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