Atem-Asynchronien sagen Weaning-Versagen nach Wirbelsäulentrauma voraus

Symbolfoto: ©sudok1/stock.adobe.com

Bei maschinell beatmeten Patienten nach Wirbelsäulentrauma können Atem-Asynchronien und Veränderungen der Atemmuskulatur auf ein frühes Weaning-Versagen hinweisen. Der Status einer Rückenmarksverletzung war dagegen nicht mit dem Weaning-Erfolg assoziiert. Das zeigen die Ergebnisse der prospektiven ACCESSIT-Studie.

Ein Wirbelsäulentrauma, insbesondere in Verbindung mit einer Rückenmarksverletzung (SCI), kann die Funktion der Atemmuskulatur beeinträchtigen und die frühzeitige Entwöhnung von der mechanischen Beatmung erschweren. Forschende des St. Michael’s Hospital in Toronto (Kanada) untersuchten nun bei 30 Patienten mit Wirbelsäulentrauma und notwendiger mechanischer Beatmung prospektiv die Koordination, Struktur und Aktivität der nicht invasiv zugänglichen Atemmuskulatur zu untersuchten und deren Zusammenhang mit dem Weaning-Verlauf zu erfassen.

Konkret wurden in die Studie 30 Patienten mit Wirbelsäulentrauma eingeschlossen, die auf einer Intensivstation für Trauma- und Neurochirurgie behandelt und invasiv beatmet wurden. Die Synchronität von Brustkorb und Abdomen wurde mittels respiratorischer induktiver Plethysmografie beurteilt. Die Dicke und Aktivität der Atemmuskulatur erfassten die Wissenschaftler per Ultraschall beziehungsweise Oberflächen-Elektromyografie. Ihre Studienergebnisse publizierte die Forschungsgruppe im Journal „Annals of the American Thoracic Society“.

Die Patienten waren im Median 48 Jahre alt, 67% waren Männer. Bei der Hälfte lag eine bestätigte SCI vor. Vier Patienten (13,3%) verstarben auf der Intensivstation. Bei 18 Patienten (60%) war das Weaning im ersten Versuch erfolgreich. Dabei zeigte sich kein Unterschied zwischen Patienten mit und ohne SCI.

Paradoxe Atmung mit Weaning-Versagen assoziiert

Konno-Mead-Diagramme deuteten auf einen starken Zusammenhang zwischen paradoxer Atmung und einem frühen Weaning-Versagen hin. Patienten, bei denen die Entwöhnung von der Beatmung scheiterte, wiesen eine größere Fläche der Atemschleife insgesamt und für Inspiration auf (normalisiert auf das Atemzugvolumen; Fläche unter der Kurve 0,95; 95%-KI 0,80–1,00), unabhängig vom SCI-Status.

Eine paradoxe Einwärtsbewegung des Brustkorbs wurde bei 70 Prozent der Patienten mit gescheitertem Weanng-Versuch beobachtet. Demgegenüber standen 27 Prozent bei erfolgreicher Entwöhnung von der Beatmung (p=0,05).

Patienten mit fehlgeschlagenem Weaning zeigten eine fortschreitende Abnahme der Dicke des Musculus obliquus internus (4,0±0,7 vs. 5,2±1,3 mm; p=0,03) sowie eine Zunahme der Dicke der Musculi intercostales parasternales (3,2±1,2 vs. 2,3±0,6 mm; p=0,07). Beide Parameter beschreiben die Studienautoren als mit der Wahrscheinlichkeit für ein frühes Weaning-Versagen assoziiert (Odds Ratio 0,88 bzw. 1,16).

Die Ergebnisse sprechen damit dafür, dass die Koordination der Atembewegungen und Veränderungen der Atemmuskulatur bei beatmeten Patienten nach Wirbelsäulentrauma wichtige Hinweise auf einen drohenden Weaning-Misserfolg liefern können – unabhängig davon, ob eine Rückenmarksverletzung vorliegt.

(ac/BIERMANN)