Atemwegsallergien: Kinder und Erwachsene zeigen unterschiedliche Sensibilisierungsmuster2. Oktober 2026 Zur Allergiediagnostik wird auch bei Kindern meist auf den Prick-Test zurückgegriffen. (Foto: © Microgen – stock.adobe.com) Kinder und Erwachsene mit Atemwegsallergien reagieren auf unterschiedliche Allergene: Bei Kindern finden sich deutlich häufiger Sensibilisierungen gegen Hausstaubmilben, bei Erwachsenen dagegen häufiger gegen Pollenallergene im Freien. Gleichzeitig tritt Asthma bei Kindern häufiger auf als bei Erwachsenen. Zu diesen Ergebnissen kommt eine internationale Studie, die in „eBioMedicine“ veröffentlicht wurde. Bei einer allergischen Sensibilisierung bildet das Immunsystem bestimmte Antikörper vom Typ Immunglobulin E (IgE) gegen ein Allergen. Welche einzelnen Allergenmoleküle dabei erkannt werden, kann mit der molekularen Allergiediagnostik sehr genau bestimmt werden. Für die aktuelle Studie analysierten die Forschenden daher in zwei unterschiedlichen Kohorten die IgE-Reaktionen auf 105 verschiedene Allergenmoleküle in Abhängigkeit vom Alter. Dazu wurden zunächst 539 allergische Kinder und Erwachsene aus der Region Algier (Algerien) untersucht. Anschließend überprüfte das Forschungsteam die Ergebnisse an weiteren 272 Patienten aus Istanbul und Samsun in der Türkei. Deutlicher Unterschied zwischen Innen- und Außenallergenen In beiden untersuchten Populationen zeigte sich ein vergleichbares Bild: Kinder mit Atemwegsallergien waren häufiger gegen Hauptallergene der Hausstaubmilbe sensibilisiert. Erwachsene reagierten dagegen häufiger auf typische Pollenallergene ihrer jeweiligen Region. In Algerien betraf das unter anderem Oliven- und Gräserpollen, in der Türkei Oliven- und Ambrosienpollen. „Dass wir dieses Muster in zwei unabhängigen Populationen auf unterschiedlichen Kontinenten beobachten konnten, ist besonders interessant. Kinder und Erwachsene unterscheiden sich offenbar deutlich darin, gegen welche Allergene ihr Immunsystem sensibilisiert ist“, erklärt Studienautor Rudolf Valenta vom Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien (Österreich). Warum sich die Sensibilisierungsmuster zwischen den Altersgruppen unterscheiden, lässt sich aus der Studie nicht unmittelbar ableiten. Die Autoren diskutieren unter anderem veränderte Lebensgewohnheiten, mehr Zeit in Innenräumen sowie Veränderungen von Klima, Vegetation und Luftverschmutzung als mögliche Einflussfaktoren. Diese Erklärungen müssen jedoch in weiteren Studien geprüft werden. Mögliche Bedeutung für Asthma und Allergiebehandlung In beiden Studienpopulationen war Asthma bei Kindern mit Atemwegsallergien häufiger als bei Erwachsenen. Gleichzeitig zeigten Kinder häufiger Sensibilisierungen gegen wichtige Hausstaubmilbenallergene. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Milbensensibilisierung und Asthma lässt sich aus der Querschnittsstudie allerdings nicht ableiten. Dafür sind weitere, langfristig angelegte Untersuchungen erforderlich. „Die Ergebnisse zeigen auch, warum eine möglichst genaue Kenntnis der relevanten Allergene wichtig ist. Molekulare Analysen können dazu beitragen, Allergiediagnostik, allergenspezifische Therapie und künftig auch Präventionsmaßnahmen gezielter an unterschiedliche Bevölkerungsgruppen anzupassen“, so Valenta.
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