Atopische Dermatitis: Erhöhtes Lymphomrisiko bei schwerem Krankheitsgrad18. September 2023 © Graphicroyalty – stock.adobe.com (Symbolbild) Die Atopische Dermatitis (AD) wird mit einer immunologischen Dysfunktion in Verbindung gebracht, welche die Krebsentwicklung beeinflussen kann. Bisherige Studien zu AD und Krebs zeigen widersprüchliche Ergebnisse, und nur wenige dieser Studien untersuchten Kinder oder den Schweregrad der AD sowie ihre Behandlung. Um diese Wissenslücke zu füllen, versuchten Dermatologen der John-Hopkins-Universität, Baltimore, USA, das Malignitätsrisiko bei Kindern und Erwachsenen mit AD zu bestimmen. Dazu führten sie eine Kohortenstudie durch, bei der die Gesundheitsdaten von Kindern und Erwachsenen mit AD hinsichtlich Alter, Praxis und Indexdatum mit Patienten ohne AD verglichen wurden. Der primäre Endpunkt war jede neu aufgetretene bösartige Erkrankung. Zu den sekundären Ergebnissen gehörten spezifische bösartige Erkrankungen: Leukämie, Lymphom, Melanom, nichtmelanozytärer Hautkrebs (NMSC) und häufige Krebserkrankungen der festen Organe. Bei 409.431 Kindern mit AD (93,2% leicht, 5,5% mittelschwer, 1,3% schwer) und 1.809.029 Kindern ohne AD lag die Inzidenzrate für bösartige Erkrankungen bei mittlerer Nachbeobachtungszeit von 5–7 Jahren bei 1,9–3,4 bzw. 2,0 pro 10.000 Personenjahre (PY). Das bereinigte Gesamtrisiko für Malignität unterschied sich nicht in Bezug auf AD (HR 1,02; 95%-KI 0,92–1,12). Schwere AD war mit einem erhöhten Lymphomrisiko verbunden (HR 3,18; 95%-KI 1,41–7,16) und leichte AD war mit einem erhöhten NMSC-Risiko verbunden (HR 1,55; 95%-KI 1,06–2,27). Unter 625.083 Erwachsenen mit AD (65,7% leicht, 31,4% mittelschwer, 2,9% schwer) und 2.678.888 Erwachsenen ohne AD betrugen bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 5 Jahren die Inzidenzraten für bösartige Erkrankungen 97,4–125,3 pro 10.000 Jahre bzw. 103,7 pro 10.000 Jahre. Das bereinigte Risiko für eine bösartige Erkrankung unterschied sich nicht in Bezug auf die AD (HR 1,00; 95%-KI 0,99–1,02). Die AD war auch mit einem etwas höheren Hautkrebsrisiko (HR 1,06; 95%-KI 1,04–1,08) und einem etwas niedrigeren Risiko für solide Krebsarten (HR 0,97; 95%-KI 0,96–0,98) assoziiert, wobei die Ergebnisse je nach Krebsart und Schweregrad der AD variierten. Fazit Die Autoren schlussfolgern, dass die Evidenz nicht für ein Malignomrisiko bei AD spricht, das Lymphomrisiko hingegen bei schwerer AD erhöht sein kann. (am) Autoren: Wan J et al. Korrespondenz: Joel Gelfand; [email protected] Studie: Malignancy risk in patients with atopic dermatitis Quelle: Br J Dermatol 2023 Jul 7;189(1):53–61. Web: https://doi.org/10.1093/bjd/ljad072