Atopische Dermatitis: Patienten in Deutschland teilweise unterversorgt1. Mai 2022 © 9nong – stock.adobe.com (Symbolbild) Informationen zur Prävalenz der Atopischen Dermatitis (AD) gestalten sich in der Literatur sehr unterschiedlich. Bisher gibt es nur wenige Studien, die die Gesundheitsversorgung von Patienten mit AD in Deutschland beschreiben. Ziel einer in „Clinical Epidemiology“ publizierten Studie war es, die Prävalenz und Medikation von Menschen mit AD in Deutschland zu beschreiben. Zu diesem Zweck wurden Krankenkassendaten für das Jahr 2019 untersucht. Analysiert wurden Prävalenzraten, der Schweregrad der Erkrankung, Komorbiditäten und die Arzneimittelversorgung. Es wurden solche Krankenversicherte mit AD identifiziert, die mindestens einen ambulanten oder stationären Status gemäß dem International Classification Code of Diseases (L20) aufwiesen. Im Jahr 2019 waren 4,21% (95%-Konfidenzintervall [KI] 4,21–4,22) der Versicherten an AD erkrankt (n=3,6 Mio.). Frauen waren etwas häufiger (4,74%; 95%-KI 4,73–4,74) betroffen als Männer (3,64%; 95%-KI 3,64–3,65). Jugendliche und Kinder <15 Jahren wiesen im Vergleich zu anderen Altersgruppen die höchste Prävalenz für AD auf (9,44%; 95%-KI 9,42–9,46). Die Mehrheit der Versicherten mit AD war von einer leichten bis mittelschweren Form der Krankheit betroffen. Die häufigste Komorbidität waren Infektionen der Haut (Risikoquotient 5,00; 95%-KI 4,97–5,02). Die Patienten wurden teils von Dermatologen behandelt, andere von Allgemeinmedizinern (39,10% bzw. 36,74%). Von den entzündungshemmenden Arzneimitteln wurden systemische Glukokortikoide am häufigsten eingesetzt und am häufigsten vom Allgemeinmediziner verschrieben. Mit insgesamt 42.841 Verordnungen (1,53%) wurde Methotrexat (dritte Behandlungsoption) häufiger verschrieben als Ciclosporin mit 19.628 Verordnungen (0,70%) oder Azathioprin mit 25.696 Verordnungen (0,92%). Cyclosporin A (Erstlinienbehandlung) wurde wesentlich häufiger von Dermatologen verschrieben (44,00% gegenüber 14,32% von Allgemeinmedizinern). Das Biologikum Dupilumab wurde 30.801-mal (1,10%) verschrieben und dies ebenfalls hauptsächlich von Hautärzten (66,67%). Fazit Die Studienergebnisse zeigen, dass etwa ein Drittel der Patienten mit AD von einem Facharzt behandelt wird und dass in einigen Fällen immer noch eine Unterversorgung mit geeigneten Arzneimitteln besteht. (am) Autoren: Hagenström K et al. Korrespondenz: Kristia Hagenström; [email protected] Studie: Prevalence and Medications of Atopic Dermatitis in Germany: Claims Data Analysis Quelle: Clin Epidemiol 2021 Jul 22;13:593–602. Web: https://doi.org/10.2147/CLEP.S315888