Gefährliche Fehlinformationen: Auf TikTok werden psychische Erkrankungen oft falsch dargestellt

Der Großteil der Informationen zu psychischen Erkrankungen auf TikTok ist laut einer neuen Studie nicht korrekt. (Symbolbild: © tashatuvango/stock.adobe.com)

Auf TikTok werden psychische Erkrankungen in vielen Fällen teilweise oder ganz falsch dargestellt, das zeigt eine neue Studie. Von „Symptome einer Angststörung: zu viel essen“ bis zu „Narzissten lieben niemanden“ – solche Aussagen sind in deutschsprachigen TikTok-Videos weit verbreitet. Doch nur knapp jeder fünfte Videoinhalt ist korrekt.

Zu dieser Erkenntnis kamen Forschende der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der LVR-Universitätsklinik Essen und der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen nach Untersuchung von 177 Videos mit rund 94 Millionen Aufrufen. Die Ergebnisse haben sie kürzlich in „Clinical Psychology in Europe“ veröffentlicht.

Mehr als die Hälfte der Inhalte ist falsch oder übertrieben

Von den analysierten Videos wurden nur 19,2 Prozent als korrekt eingestuft. 33,3 Prozent waren falsch, 18,1 Prozent übergeneralisiert und 29,4 Prozent handelten lediglich von persönlichen Erfahrungen und gaben keine wissenschaftlichen oder medizinischen Hintergrundinformationen wieder.

Die Studie zeigt: Videos von Fachleuten wie Ärzten, Psychologen oder Psychotherapeuten sind deutlich zuverlässiger. Sie erreichen bessere Bewertungen in Bezug auf Richtigkeit, Klarheit und wissenschaftliche Qualität. Im Gegensatz dazu sind Inhalte von Laien oder sogenannten „Coaches“ oft unzureichend recherchiert und ungenau oder sogar irreführend.

Wenn sich Menschen auf TikTok zu ihren eigenen Symptomen informieren wollen und dabei vor allem auf Fehlinformationen zu psychischen Erkrankungen stoßen, könnte dies zu falschen Selbstdiagnosen oder einem verzögerten Therapiebeginn führen. Dies könnte vor allem für die zahlreichen jungen Nutzer auf TikTok relevant sein.

Was können Betroffene und Fachkräfte tun?

Aaron Mroß, der die Studie zusammen mit Dr. Benedikt Langenbach aus der AG Psychopathologische Forschung unter Leitung von Prof. Katja Kölkebeck entwickelt und durchgeführt hat, wünscht sich, dass Gesundheitsinstitutionen und Behandler sich stärker als bisher in die sozialen Medien einbringen: „Wenn Fachleute auf Social Media klare, verständliche und ansprechende Inhalte erstellen, könnten sie den Fehlinformationen entgegenwirken.“ „Social Media kann zwar ein wertvolles Forum für den Austausch sein, es ist aber kein Ersatz für medizinische bzw. psychotherapeutische Beratung und Diagnostik“, ergänzt Dr. Langenbach, Letztautor der Studie. „Umso wichtiger ist es, dass medizinische Expertinnen und Experten sowie Berufsverbände dort qualitativ hochwertige Informationen anbieten, damit Patientinnen und Patienten möglichst schnell eine für sie passende Behandlung finden können.“