Aufklärung per virtueller Realität reduziert Angst vor Lithotripsie

Virtuelle Realität kann Patienten helfen, medizinische Prozeduren besser zu verstehen. Symbolbild: mast3r – stock.adobe.com

Eine neue Studie legt nahe, dass der Einsatz virtueller Realität (VR) zur Erklärung des Ablaufs einer Stoßwellenlithotripsie Patienten helfen könnte, ihre Behandlung besser zu verstehen. Doch mit der Technik lässt sich nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Angst reduzieren.

Die Studie, die am 13.03.2026 beim 41. Kongress der European Association of Urology (EAU) in London vorgestellt wurde, prüfte den Einsatz von VR im Rahmen des Einwilligungsprozesses für eine Behandlung von Nierensteinen. Die Patienten befanden sich dabei in einem virtuellen Operationssaal und sahen eine 3D-Demonstration des Eingriffs. Die Darstellung zoomte auf die Nieren, um die Stoßwellen und ihre Wirkung auf die Nierensteine ​​zu veranschaulichen. Die Patienten konnten sich im virtuellen Raum bewegen und ihre Anatomie sowie die chirurgischen Instrumente aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten. Die Animation hob die wichtigsten Risiken und Vorteile hervor.

Üblicherweise erhalten Patienten eine Informationsbroschüre mit wichtigen Informationen, bevor sie in eine Behandlung einwilligen. Diese enthält zwar ebenfalls Informationen zum Ablauf, zu Risiken und Nutzen, jedoch sind diese für viele Menschen schwer verständlich. Rund sechs von zehn Erwachsenen in England, wo die Studie durchgeführt wurde, haben Schwierigkeiten, komplexe medizinische Informationen zu verstehen. Dies beeinträchtigt ihre Fähigkeit, eine fundierte Entscheidung über einen Eingriff zu treffen. Hier sollte die VR eine Brücke bauen.

Besseres Verständnis – Weniger Angst

Um das Befinden der Patienten zu beurteilen, ließen die Forscher die Teilnehmer vor und nach der VR-Erfahrung Fragebögen beantworten. Nach der VR-Erfahrung gaben die Patienten an, besser zu verstehen, was sie bei der Stoßwellenlithotripsie erwartet. Sie fühlten sich auch weniger ängstlich vor dem Eingriff. Dieser Effekt war besonders ausgeprägt bei der ältesten Patientengruppe (65 Jahre und älter). Es gab keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmern.

Insgesamt 150 Personen im Alter von 22 bis 80 Jahren nahmen im Universitätsklinikum Southampton an der Studie teil. Studienleiter waren die Urologen Bhaskar Somani und Amelia Pietropaolo. Phoebe Reynolds, Direktorin des britischen Medizintechnikunternehmens Surgassists, hatte die Technologie entwickelt. Da Zusammenhänge zwischen Angst, Verständnis und Schmerztoleranz bekannt sind, untersuchen die Forscher als Nächstes, ob die Einwilligung mithilfe von VR auch zur Schmerzlinderung beitragen kann.

Solomon Bracey, Medizinstudent an der Universität Southampton, präsentierte die Forschungsergebnisse auf dem EAU-Kongress. Er sagte: „Aktuell besteht eine Diskrepanz zwischen der Komplexität der Patienteninformationen und dem Verständnisniveau der meisten Menschen. Dies birgt die Gefahr, dass Patienten Eingriffen zustimmen, die sie nicht vollständig verstehen. VR verbessert nachweislich das Lernen und die Wissensspeicherung, und unsere Studie legt nahe, dass sie dazu beitragen könnte, dass Menschen fundiertere Entscheidungen über ihre Gesundheit treffen. Auch die Ergebnisse der Schmerzfragebögen waren ermutigend und geben uns eine wichtige Frage für zukünftige Forschung.“

Virtuelle Realität als Basis für das Arztgespräch

„Der Einsatz von VR ist eine spannende Idee, welche die Patientenerfahrung während des Aufklärungsprozesses verbessern könnte“, kommentierte Matthew Bultitude, Mitglied des Wissenschaftlichen Kongressbüros der EAU und Urologe am Guy’s and St Thomas’ NHS Foundation Trust. Er betonte aber auch: „Technologie sollte niemals das Gespräch mit einem Arzt ersetzen, in dem Patienten die Möglichkeit haben, detaillierte Fragen zu stellen. Sie könnte aber dazu beitragen, die Voraussetzungen für eine bessere Gesundheitskompetenz zu schaffen, sodass alle mit dem gleichen Informationsstand in das Gespräch gehen.“

(ms/BIERMANN)