Augenerkrankungen: Kardiovaskulärer Risikowert könnte Früherkennung verbessern8. Januar 2026 US-amerikanische Forscher haben gezeigt, dass ein erhöhtes kardiovaskuläres Gefährdungspotenzial eng mit einer gesteigerten Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Augenerkrankungen verbunden ist.Symbolbild.©Dilok-stock.adobe.com Eine neue US-amerikanische Studie zeigt, dass ein Routine-Screening-Tool für die Herzgesundheit Personen mit erhöhtem Risiko für schwere Augenerkrankungen identifizieren kann. Forscher der University of California Los Angeles (UCLA) Health, USA, fanden heraus, dass Menschen mit höheren kardiovaskulären Risikowerten ein deutlich höheres Risiko haben, Erkrankungen wie altersbedingte Makuladegeneration (AMD), diabetische Retinopathie (DR), Glaukom, Netzhautvenenverschluss und hypertensive Retinopathie zu entwickeln. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Ophthalmology“ veröffentlicht. Routineuntersuchungen könnten Prävention für Augenerkrankungen verbessern Augenerkrankungen werden häufig erst diagnostiziert, wenn bereits gravierende Beeinträchtigungen vorliegen. Eine frühzeitige Erkennung gefährdeter Personen könnte hingegen den rechtzeitigen Einsatz von Vorsorgeuntersuchungen und vorbeugenden Maßnahmen ermöglichen. Die Studie verdeutlicht, dass Daten aus ärztlichen Routineuntersuchungen genutzt werden könnten, um Risikopatienten zu identifizieren. Auf diese Weise ließe sich potenziell das Risiko einer Erblindung bei besonders gefährdeten Personen reduzieren. Die Ergebnisse würden somit einen praxisnahen Ansatz zur Verbesserung der Prävention von Augenerkrankungen eröffnen. Was wurde in der Studie untersucht? Die Forscher analysierten elektronische Gesundheitsakten von 35.909 Erwachsenen im Alter von 40 bis 79 Jahren. Diese Personen hatten zwischen den Jahren 2009 und 2015 am All of Us Research Program teilgenommen. Sie berechneten den kardiovaskulären Risikowert jeder Person anhand der Pooled Cohort Equations (PCE) unter Verwendung von Standard-Gesundheitsinformationen wie Cholesterinspiegel, Blutdruck, Raucherstatus und Diabetes. Die Teilnehmer wurden in vier Risikogruppen eingeteilt: niedrig (weniger als 5 %), grenzwertig (5–7,4 %), mittel (7,5–19,9 %) und hoch (20 % oder mehr). Das Forschungsteam verfolgte anschließend, wer in den folgenden Jahren Augenerkrankungen entwickelte. Die Wissenschaftler berücksichtigten dabei auch Faktoren, die nicht im kardiovaskulären Score enthalten waren. Dazu gehörten zum Beispiel ethnische Zugehörigkeit, Body-Mass-Index, Nierenerkrankungen und Bildungsniveau. Hohes kardiovaskuläres Risiko ist mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für Augenerkrankungen verbunden Die Auswertungen der Forscher zeigten, dass ein erhöhtes kardiovaskuläres Gefährdungspotenzial eng mit einer gesteigerten Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Augenerkrankungen zusammenhing. Erwachsene mit hohem Risiko wiesen gegenüber der Niedrigrisikogruppe ein 6,2-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko für AMD, ein 5,9-fach erhöhtes für DR sowie ein 4,5-fach erhöhtes für hypertensive Retinopathie auf. Zudem war in der Hochrisikogruppe die Wahrscheinlichkeit für eine Netzhautvenenverschlusserkrankung um das 3,4-Fache und für ein Glaukom um das 2,3-Fache erhöht. Dabei war der kardiovaskuläre Score bei der Vorhersage von DR, hypertensiver Retinopathie und AMD den Forscher zufolge besonders aussagekräftig. Diese Zusammenhänge blieben über verschiedene Nachbeobachtungszeiträume von fünf bis sieben Jahren hinweg konsistent. Risikostratifizierung sinnvoll in Primärversorgung implementieren Die Ergebnisse legen nahe, dass Hausärzte kardiovaskuläre Risikoscores verwenden könnten, um Patienten zu identifizieren, die von einer Überweisung an Augenärzte profitieren würden. Den Autoren der Studie zufolge sind jedoch weiterführende Untersuchungen notwendig, um den optimalen Zeitpunkt sowie die angemessene Frequenz augenärztlicher Untersuchungen für unterschiedliche Risikogruppen festzulegen. Darüber hinaus bedarf es einer genaueren Prüfung, ob eine auf dem kardiovaskulären Risiko basierende Früherkennung und gezielte Interventionen tatsächlich dazu beitragen können, einen Sehverlust zu verhindern. Nach Ansicht der Forscher könnten Implementierungsstudien zudem klären, wie sich dieser Ansatz der Risikostratifizierung sinnvoll in die routinemäßigen Abläufe der Primärversorgung sowie in elektronische Gesundheitsakten integrieren lässt. „Wir haben festgestellt, dass ein einfacher Score, der bereits bei Millionen von Arztbesuchen pro Jahr berechnet wird, aussagekräftig vorhersagen kann, wer ernsthafte Augenerkrankungen entwickeln wird“, betonte Dr. Anne L. Coleman, leitende Autorin der Studie und Vorsitzende der Abteilung für Augenheilkunde bei UCLA Health. „Dies gibt uns die Möglichkeit, Hochrisikopatienten frühzeitig zu identifizieren, wenn vorbeugende Maßnahmen noch ihr Sehvermögen schützen können. Das Schöne an diesem Ansatz ist, dass keine zusätzlichen Tests erforderlich sind; die Informationen sind bereits in der Krankenakte vorhanden.“
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