Ausbrüche hochgradig übertragbarer MenC-Stämme: Breit angelegte Impfung ist Mittel der Wahl

TRIENT (Biermann) – Bei Ausbrüchen von hochgradig übertragbaren MenC-Stämmen ist eine breit angelegte Impfkampagne das Mittel der Wahl, um die weitere Ausbreitung der Erreger einzudämmen. Das zeigt eine italienische Studie, die einen solchen Ausbruch in der Toskana,Italien, und die Gegenmaßnahmen retrospektiv bewertet hat.Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind die Erreger der invasiven Meningokokken-Erkrankung (IMD), einer der Hauptursachen für Meningitis und Sepsis. In den Jahren 2015-2016 kam es durch Meningokokken der Serogruppe C (MenC), die zum hyperinvasiven Stamm ST-11(cc-11) gehörten, in der Region Toskana zu 62 IMD-Fällen in der. Eine Studie italienischer Wissenschaftler, die die wichtigsten Parameter des Ausbruchs und die Effekte der bei zu Bekämpfung des Ausbruchsbekämpfung eingesetzten Maßnahmen bewerteten, zeigt nun, dass es bei Ausbrüchen von hochgradig übertragbaren MenC-Stämmen keine wirksamen Alternativen zu einer breit angelegten Reaktivimpfung gibt.

Für ihre Untersuchung entwickelten Giorgio Guzzetta von der Bruno Kessler Foundation in Trient, Italien, und Kollegen ein Simulationsmodell der MenC-Übertragung, das die Ansteckung in Haushalten, Schulen, Diskotheken/Clubs und der allgemeinen Bevölkerung berücksichtigte und auf detaillierten Daten zum Ausbruch 2015/16 (aus epidemiologischen Untersuchungen) und den durchgeführten Kontrollmaßnahmen beruhte.

Daraus ergab sich eine Reproduktionszahl (R) des Ausbruchs von 1,35 (95%-Vorhersageintervall 1,13-1,47) und eine IMD-Wahrscheinlichkeit von 4,6/1000 neue MenC-Übertragungsepisoden (95 %-Konfidenzintervall 1,8-12,2). Die während des Ausbruchs ergriffenen Maßnahmen wie Chemoprophylaxe, Impfung von engen Kontaktpersonen der IMD-Fälle sowie altersgerechte Impfungen erwiesen sich als wirksam, um die Reproduktionszahl zu reduzieren und den Ausbruch zu beenden. Dagegen hätten fallbezogene Maßnahmen (einschließlich der Ringimpfung) allein nicht ausgereicht, um den Ausbruch unter Kontrolle zu bringen, so das Modell der Wissenschaftler. Die Festlegung der Altersgruppen, die vorrangig geimpft werden sollten, hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Wirksamkeit und Effizienz der Kontrollmaßnahmen.

„Die Kombination aus Antibiotikabehandlung und Immunisierung von engen Kontaktpersonen sowie die Impfung der Allgemeinbevölkerung, vorrangig im Alter von elf bis 20 Jahren, war eine geeignete Strategie zur Eindämmung und Kontrolle des Ausbruchs. Eine Ausweitung der Hauptzielgruppe für die Impfung auf 25 Jahre hätte jedoch zu einer besseren Kontrolle des Ausbruchs und einem schnelleren Rückgang der Zahl der Fälle geführt“, resümieren die Autoren. Die gewonnen Erkenntnisse könnten nun dazu beitragen, wirksame Leitlinien für die Kontrolle künftiger Meningokokkenausbrüche, die durch hypervirulente Stämme verursacht werden, zu definieren. (ej)

Autoren: Guzzetta G et al.
Korrespondenz: Stefano Merler; [email protected]
Studie: Evaluating the effect of targeted strategies as control tools for hypervirulent meningococcal C outbreaks: a case study from Tuscany, Italy, 2015 to 2016
Quelle: Euro Surveill 2023 May;28(19).
Web: https://doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2023.28.19.2200650