Ausdauersport verlangsamt das Fortschreiten der Parkinson-Erkrankung17. Januar 2022 Foto: ©Stefan Schurr – stock.adobe.com Ausdauersport verbessert die Plastizität der für Planung, Ausführung und Kontrolle von Bewegungen zuständigen Hirnregionen und wirkt so dem Abbau motorischer und kognitiver Funktionen bei Morbus Parkinson entgegen. Dies berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie mit Verweis auf eine aktuelle Studie.1 Ende 2019 zeigte die „Park-in-Shape“-Studie, eine randomisierte Studie aus den Niederlanden: Regelmäßiges aerobes Training, das auf dem Ergometer zu Hause praktiziert wird, kann die Verschlechterung motorischer Defizite bei Menschen mit Parkinson-Erkrankung im Frühstadium deutlich verlangsamen.2 Zwischenzeitlich haben auch andere Studien den positiven Effekt des regelmäßigen Ausdauertrainings auf die motorischen Parkinsonsymptome bestätigt. „Wir können von einer hohen klinischen Evidenz ausgehen und raten Betroffenen, die mit der Diagnose Parkinson konfrontiert werden, daher immer zu regelmäßigem Ausdauersport“, erklärt Prof. Lars Timmermann, Marburg, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und Direktor der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Marburg (UKGM), wo er auch das Parkinson-Zentrum leitet. Warum sich das Ausdauertraining aber positiv auf die Erkrankung im Frühstadium auswirkt, die motorischen Symptome lindern und in ihrer Progression verlangsamen kann, blieb bislang ungeklärt. Die niederländische Arbeitsgruppe ging dieser Frage nach und hat nun erste Ergebnisse publiziert.1 Sie untersuchte, welche funktionellen und strukturellen Veränderungen das regelmäßige Ausdauertraining im kortiko-striatalen sensomotorischen Netzwerk, das im Zusammenhang mit den motorischen Parkinsonsymptomen wie Tremor oder Muskelsteifigkeit steht, herbeiführt. Außerdem untersuchten die Wissenschaftler, inwieweit sich das Training auf die Gewebsintegrität der Substantia nigra auswirkt und ob der Ausdauersport die kognitive Kontrolle von Bewegungen verbessern kann. Dazu wurden aus den 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der „Park-in-Shape“-Studie 56 zufällig ausgewählt und genauer untersucht (25 aus der Ausdauersport-Gruppe, 31 aus der Kontroll-Gruppe). Zum Studieneinschluss und nach sechs Monaten wurden bei jeder/jedem der 51 Personen eine funktionelle Magnetresonanztomographie durchgeführt und die Befunde mittels Voxel-basierter Morphometrie (VBM) ausgewertet, der Grad der Hirnatrophie sowie freies Wasser im hinteren Teil der der Substantia nigra erfasst. Unmittelbar nach dem MRT-Scan mussten die Teilnehmenden eine validierte Aufgabe zur Überprüfung des okulomotorischen und kognitiven Zusammenspiels durchführen: Sie wurden gebeten, einen farbigen Punkt zu fixieren und je nach dessen Farbe einen Sakkade (=rückartige Augenbewegung) zu oder weg von einem Zeichen im Hintergrund durchzuführen. Außerdem wurden verschiedene klinische Tests zur Bewertung der kognitiven Funktion (MOCA-Test), der motorischen Symptome und der Aufmerksamkeitsleistung durchgeführt. Im Ergebnis zeigte sich, dass Ausdauertraining zu einer stärkeren funktionellen Vernetzung zwischen vorderem und hinterem Putamen und dem sensomotorischen Kortex führt. Die Fehlerrate im oben beschriebenen okulomotorischen Test war in der Ausdauersportgruppe signifikant geringer, die Fähigkeit zur kognitiven Kontrolle von (ungewollten) Bewegungen also höher. Darüber hinaus beschrieb das Forscherteam bei den Teilnehmern der Ausdauersport-Gruppe eine stärkere funktionelle Vernetzung im rechten frontoparietalen Netzwerk, die mit der Verbesserung des Fitnessgrads korrelierte, und einen geringeren Grad der Hirnatrophie. „Ausdauersport hat also eine messbare Wirkung auf das Gehirn. Indem er die funktionelle und strukturelle Plastizität der für die Planung, Ausführung und Kontrolle von Bewegungen zuständigen Hirnregionen verbessert, kann er dem Abbau motorischer und kognitiver Funktionen bei Morbus Parkinson entgegenwirken“, erklärt Timmermann. „Ausdauersport erweist sich als wichtige symptomatische Behandlungsmaßnahme bei Morbus Parkinson und muss Teil der medizinischen Versorgung der Betroffenen sein. Die Patientinnen und Patienten sollten von den behandelnden Ärzten oder den Parkinson-Nurses konsequent zum Training motiviert und angeleitet werden“, ergänzt Prof. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN.
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