Ausgezeichnete Multiple-Sklerose-Forschung5. Januar 2024 v.l.n.r: Prof. Martin Kerschensteiner, Prof. Thomas Korn, Prof. em. Adriano Fontana, Dr. Max Kaufmann (Foto: © AMSEL e.V. / Frank Eppler) Sobek Stiftung vergibt 115.000 Euro für klinische und experimentelle Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose (MS). Mitte Dezember wurden mit den Sobek-Forschungspreisen 2023 herausragende und richtungsweisende Leistungen von Wissenschaftlern im Bereich der Multiple-Sklerose-Forschung und der dazugehörenden Grundlagenforschung gewürdigt. Der mit 100.000 Euro europaweit höchstdotierte Preis in der MS-Forschung ging in diesem Jahr zu gleichen Teilen an Prof. Martin Kerschensteiner, Leiter des Instituts für Klinische Neuroimmunologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU), München, und an Prof. Thomas Korn, stellvertretender Direktor der Neurologischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) und Leiter des Instituts für Experimentelle Neuroimmunologie der TUM. Beide Preisträger eint, dass sie sich der Erforschung der T-Zell-Regulation und der akuten wie chronischen Gewebeschädigung im Zusammenhang mit der MS verschrieben haben. Kerschensteiner studierte Humanmedizin in Aachen und München, promovierte 1999 zum Thema „Protektive Mechanismen humaner T-Zellimmunität“ am Max-Planck-Institut, Martinsried. Seit 2013 leitet er das Institut für Klinische Neuroimmunologie an der LMU München. 2001 erhielt er den ersten Sobek-Nachwuchspreis. Kerschensteiner identifizierte unter anderem 18 Regulatoren, die bereits zu Beginn einer MS (mit-)verantwortlich für die Entstehung von Entzündungsherden sind. Außerdem gelang es dem 52-Jährigen, neuronale Bahnsysteme selektiv zu markieren und axonale Schädigungen erstmals durch In-vivo-Mikroskopie sichtbar zu machen. Von großer Bedeutung ist auch seine Entdeckung eines vorübergehenden, potenziell reversiblen Stadiums der entzündlichen Axonschädigung. Hier liegen wichtige Ansatzpunkte für zukünftige neuroprotektive und neuroregenerative Therapiestrategien. Korn studierte Medizin in Würzburg und London und durchlief die Weiterbildung zum Facharzt in Würzburg, gefolgt von vielen Jahren wissenschaftlicher Arbeit an der Harvard Medical School. Seit 2017 ist er stellvertretender Direktor der Neurologischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) und seit 2019 Leiter des Instituts für Experimentelle Neuroimmunologie der TUM. Der 51-jährige Wissenschaftler beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wo die auto-aggressiven T‑Zellen überhaupt herkommen. So entscheide der Ort ihrer Aktivierung darüber, wo im zentralen Nervensystem sie sich ansiedeln und welche regulatorischen und schädigenden Wirkungen sie haben. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit sind die T-Helferzell-Regulation, die Determinanten bei der Entstehung von T-Helferzell-Antworten und die von Th17-Zellen gesteuerten Schädigungsmechanismen. Seine Studienergebnisse haben eine hohe translationale Relevanz für die MS als Autoimmunerkrankung. Für eine bessere Zukunft mit MS Dr. Hans J. Reiter, Amtschef des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, bezeichnete die Forschungsleistung der beiden Preisträger in seiner Laudatio als zukunftsweisend. „Mit ihren bisherigen Forschungsarbeiten schaffen die beiden Forschungspreisträger die Basis für ein besseres Verständnis der Multiplen Sklerose und für die Entwicklung noch zielgerichteter Therapien gegen diese nach wie vor unheilbare Erkrankung. Damit schenken sie vielen MS-Erkrankten eine wertvolle Perspektive“, so der Ministerialdirektor. Die Verleihung des Sobek Forschungspreises unterstreiche die Bedeutung der wissenschaftlichen Arbeit von Kerschensteiner und Korn. „Der Preis soll auch Ansporn sein für Ihre künftige wichtige Forschungsarbeit.“ Sobek-Nachwuchspreis 2023 Den mit 15.000 Euro dotierten Nachwuchspreis 2023 erhielt Dr. Max Kaufmann, Assistenzarzt in der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und Wissenschaftler am Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose des UKE. Kaufmann führte die Entwicklung und Anwendung innovativer bioinformatischer Analysestrategien im Hinblick auf die Pathogenese der MS durch und entschlüsselte frühe neurodegenerative Prozesse. Dies ist ein entscheidendes Verdienst, für das er den Sobek Nachwuchspreis 2023 erhielt. Sein Ansatz der Integration von Molekularbiologie und Data Science eröffne vielfältige Möglichkeiten, um neue Therapiestrategien für die Behandlung insbesondere der progredienten Multiplen Sklerose identifizieren zu können, betonte Prof. Klaus V. Toyka, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Sobek Stiftung, in seiner Laudatio auf den medizinisch-experimentell tätigen Neuroimmunologen am Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose des UKE. Sobek Ehrenpreis Erstmals in der Geschichte der Preisverleihung, die seit dem Jahr 2000 jährlich stattfindet, wurde die Lebensleistung eines Forschers für jahrzehntelanges Engagement in der Erforschung der MS honoriert. Den Sobek Ehrenpreis erhielt Prof. em. Adriano Fontana. Er war Klinikdirektor der Klinik für Immunologie am Universitätsspital Zürich und Professor an der Medizinischen Fakultät und Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich. Seit 2011 ist er emeritiert, wohnt in Bad Ragaz, Schweiz. Fontana gilt als einer der Pioniere der modernen Neuroimmunologie. „Seine Entdeckungen haben unser heutiges Verständnis der MS entscheidend geprägt, in konzeptioneller wie auch klinischer Hinsicht“, bekräftigte Laudator Prof. Hartmut Wekerle, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Sobek Stiftung und ebenfalls MS-Immunologe. Einige der wirksamsten Therapien von entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) wie der MS würden auf den Forschungsergebnissen des Preisträgers zu grundlegenden immunologischen Vorgängen im ZNS basieren. Damit habe er wesentlich zur Krankheitsbewältigung und Lebensqualität von MS-Betroffenen beigetragen.
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