Ausgezeichnete Versorgungsforschung7. Oktober 2025 v.l.n.r.: Wolfgang Hoffmann, Jörg Lorenz, Christian Schlett, Horst Christian Vollmar, Margit Lorenz, Martin Härter, Jona Frasch, Hauke Wiegand (Bild: Jan Kulke/ DNVF) Auf dem 24. Deutschen Kongress für Versorgungsforschung, der vom 22. bis 24. September am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) stattfand, wurde der Wilfried-Lorenz-Versorgungsforschungspreis 2025 verliehen. „Mit dem Wilfried-Lorenz-Preis zeichnen wir Arbeiten aus, die nicht nur methodisch überzeugen, sondern auch einen echten Unterschied für die Versorgungspraxis machen“, erklärte Prof. Wolfgang Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Versorgungsforschung (DNVF). „Die diesjährigen Studien zeigen eindrucksvoll, dass Versorgungsforschung mitten im Leben ankommt – sei es beim Umgang mit den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels oder bei der Digitalisierung der Hausarztpraxis. Besonders freut mich, dass junge Forschende so innovative Ansätze zum Nutzen von Patientinnen und Patienten entwickeln.“ Die diesjährigen Preisträger sind die Forscherteams um Jona J. Frasch (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) und Dr. Christian Schlett (Universitätsklinikum Freiburg). Beide nahmen die Auszeichnung stellvertretend für ihre Teams entgegen. Eine unabhängige Jury hatte beide Projekte als gleichermaßen hochwertig und relevant bewertet. Hitze belastet Menschen in der Notfallversorgung Das Team aus Hamburg wurde für die Studie „Effects of Extreme Temperature on the Morbidity, Mortality and Case Severity in German Emergency Care“ ausgezeichnet. „Mit unserer Studie beleuchten wir die Auswirkungen extremer Umgebungstemperaturen auf einen versorgungsrelevanten und leistungsintensiven Bereich des deutschen Gesundheitswesens: die stationäre Notfallversorgung. Wir zeigen, dass insbesondere Hitze die Krankheitslast in diesem Sektor deutlich erhöht.“ führte Frasch aus. „Es ist davon auszugehen, dass uns diese Thematik als Gesellschaft zukünftig zunehmend beschäftigen wird, da der Klimawandel auf eine alternde Bevölkerung trifft und unser Gesundheitssystem unter wachsendem Kostendruck steht.“ Fundierte Informatinen reduzieren Rückenschmerz Das Freiburger Team erhielt die Auszeichnung für die Evaluation eines hausärztlich eingebetteten Webportals zu Rückenschmerzen. Das Portal bietet evidenzbasierte, unabhängige und verständliche Informationen und wurde in einer multizentrischen, clusterrandomisierten Studie mit 316 Patientinnen und Patienten getestet. Die Ergebnisse zeigen: Wird das Portal aktiv im Arztgespräch verwendet, steigert das die Informiertheit der Betroffenen, und ihre Partizipation in der Kommunikation – und trägt zur Schmerzreduktion bei. Wird es lediglich zur Verfügung gestellt, sinkt hingegen die Zufriedenheit. Die Preisträger betonen: „Unsere Studie zeigt, dass die Einbeziehung eines qualitätsgesicherten Webportals zu Rückenschmerz einen wichtigen Beitrag zu einer effektiven und partizipativen Primärversorgung leisten kann. Wir würden annehmen – und haben hierfür auch erste Evidenz – dass die Erkenntnisse unserer Studie auch auf andere Indikationen wie beispielsweise Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen übertragbar sind.“ Hintergrund: Der mit 2500 Euro dotierte Preis würdigt jährlich herausragende Publikationen von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler und erinnert an Prof. Wilfried Lorenz (1939–2014), einen Wegbereiter der Versorgungsforschung in Deutschland, so das DNVF. Mit der Preisverleihung wolle man die Bedeutung innovativer Forschung unterstreichen, die wissenschaftliche Exzellenz mit konkretem Nutzen für die Patientenversorgung verbindet.
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