Aussicht auf eine neue Therapieoption beim Schlaganfall26. April 2022 Perfusions-CT mit Penumbra Randbereich der Infarktzone im Gehirn.(Bild: UM/Dr. Stephan Boor, Klinik und Poliklinik für Neuroradiologie) Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Klinikern der Universitätsmedizin Mainz, der Universität zu Köln und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hat einen neuen Ansatz zur Behandlung des Schlaganfalls entdeckt: Sie konnte nachweisen, dass ein spezifischer Signalweg der Lysophosphatsäure (LPA) die Erregbarkeit von Nervenzellen nach einem Schlaganfall reguliert und so die Schwere der Beeinträchtigung bei den Betroffenen beeinflusst. Gegenwärtig zielt die Behandlung des ischämischen Schlaganfalls darauf ab, funktionell beeinträchtigtes, aber noch lebensfähiges Gewebe zu retten. Dies geschieht, indem die Durchblutungsstörung so früh wie möglich medikamentös oder durch eine Katheterbehandlung behoben wird. Therapeutische Ansätze, die in die Signalübertragung des Gehirns eingreifen, um nach einem Schlaganfall das Hirngewebe soweit möglich am Leben zu erhalten, sind bislang nicht möglich. Eine Gruppe um Prof. Johannes Vogt (Medizinische Fakultät der Universität zu Köln), Prof. Frauke Zipp (Universitätsmedizin Mainz) und Prof. Robert Nitsch (Medizinische Fakultät der Universität Münster) hat jetzt gezeigt, dass die Steuerung der Erregbarkeit von Nervenzellen durch die Lysophosphatsäure (LPA) eine wesentliche Bedeutung für den Verlauf des Schlaganfalls hat: Erhöhte synaptische Lipidsignale verstärken die durch Glutamat ausgelöste Reizüberflutung. Hierbei spielt das Molekül Autotaxin (ATX) eine zentrale Rolle. Nach einem experimentellen Schlaganfall konnte ein langanhaltender Anstieg der ATX-Konzentrationen und der die Erregung stimulierenden LPA im Gehirn nachgewiesen werden. „Wir haben über Genmutation und pharmakologische Hemmung von ATX auch noch Stunden nach einem experimentellen Schlaganfall zeigen können, dass sich die über LPA gesteuerte Erregbarkeit des Gewebes hemmen lässt und sich so der Verlauf des Schlaganfalls deutlich verbessert”, erklärte Vogt. Die Mainzer Neurologin Zipp verbindet mit den Befunden eine wichtige klinische Perspektive: „Da bei den Betroffenen nach dem Schlaganfall sowohl die ATX- als auch die LPA-Konzentration im Liquor, also in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit, erhöht ist, ergeben sich neue Therapiemöglichkeiten, die auch noch nach dem eigentlichen Schlaganfall greifen könnten.“ Nitsch sieht einen wichtigen translationalen Schritt für eine neue Medikamentenentwicklung: „Tatsächlich zeigen die Daten, dass Patienten mit einem gestörten synaptischen LPA-Signalweg von einem Schlaganfall stärker betroffen sind. Das ist ein starker Hinweis auf einen möglichen Therapieerfolg durch ATX-Hemmer, die wir derzeit gemeinsam mit dem Hans-Knöll-Institut in Jena entwickeln.“ Die neuen Erkenntnisse zur Übererregbarkeit neuronaler Netzwerke und einer neuen Möglichkeit ihrer therapeutischen Korrektur könnten zukünftig nicht nur für den Schlaganfall, sondern auch für andere neurologische und psychiatrische Erkrankungen relevant sein, glauben die Forscher.
Mehr erfahren zu: "Potenzial statt Defizit: die synergetische Verbindung von ADHS und Kreativität" Potenzial statt Defizit: die synergetische Verbindung von ADHS und Kreativität Wie kann ADHS gleichzeitig eine tägliche Herausforderung für Millionen von Menschen und ein gemeinsames Merkmal erfolgreicher Künstler und Innovatoren wie Justin Timberlake oder Simone Biles sein? Die gemeinsamen neurologischen Mechanismen […]
Mehr erfahren zu: "Wie sich das zentrale Nervennetzwerk im Hippocampus entwickelt" Wie sich das zentrale Nervennetzwerk im Hippocampus entwickelt Die neueste Studie der Gruppe rund um Prof. Peter Jonas am Institute of Science and Technology Austria (ISTA) zeigt, wie sich das zentrale Nervennetzwerk im Hippocampus nach der Geburt entwickelt.
Mehr erfahren zu: "Krankheit durch Übergewicht: Neues Modell sagt Risiko besser vorher als BMI" Krankheit durch Übergewicht: Neues Modell sagt Risiko besser vorher als BMI Ein internationales Forschungsteam hat ein Modell entwickelt, das auf der Basis von 20 Gesundheitswerten das Risiko für 18 verschiedene Komplikationen von Übergewicht und Adipositas vorhersagen kann – und zwar besser […]