Auswirkung von Ess-Störungen auf Föten4. November 2021 Foto: ©adrian_ilie825 – stock.adobe.com Ess-Störungen bei werdenden Müttern können sich ungünstig auf die Hirnentwicklung der Kinder auswirken. Das konnte die Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Uniklinikums Tübingen im Rahmen einer Pilotstudie zeigen. Zum Einsatz kam dabei ein fetaler Magnetoenzephalograph (fMEG), mit dem die Hirnströme von Föten ohne Belastung von Mutter und ungeborenem Kind gemessen werden können. Leiden Frauen während der Schwangerschaft unter Anorexia nervosa, kann sich die dadurch bedingte Fehlernährung auf die Entwicklung der Kinder auswirken. Denn: die grundlegenden Gehirnsysteme werden bereits im Mutterleib aufgebaut. Wie stark diese kindlichen Beeinträchtigungen ausgeprägt sein können, liegt an der Schwere der Ess-Störung, wie eine Pilotstudie des Universitätsklinikums Tübingen zeigt. Das Studienteam um Prof. Katrin Giel, Leiterin des Arbeitsbereichs Psychobiologie des Essverhaltens, Prof. Hubert Preissl, Arbeitsgruppenleiter Metabolic Neuroimaging, und Prof. Stephan Zipfel, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, untersuchte Schwangere mit und ohne Ess-Störung während der 27. und 37. Schwangerschaftswoche. Um die Auswirkung von Ess-Störungen auf die Kindesentwicklung zu erforschen, ermittelten sie mithilfe eines für Mutter und Kind schonenden Gerätes, eines fetalen Magnetoenzephalographen (fMEG), die Aktivität und den Entwicklungstand des fetalen Gehirns. Zur Erfassung der Hirnaktivität wurden auditorische Reize geboten. Das fMEG registrierte mithilfe der Tonsignale, ob und wie schnell das ungeborene Kind diese Reize erfasste und auf sie reagierte. Die Daten der Pilotstudie zeigten, dass mit zunehmender Schwere der Ess-Störung die Reaktionszeit der Föten auf das Tonsignal verlängert war. Während eine kurze Latenzzeit auf eine reifere Hirnfunktionalität hinweist, kann eine verlängerte Reaktion auf Entwicklungsstörungen hindeuten. Inwiefern diese Reaktionszeiten Aufschluss auf die spätere kognitive und verhaltensbezogene Kindesentwicklung gibt, muss nun in Folgestudien untersucht werden. Originalpublikation:Dörsam AF et al. Maternal eating disorder severity is associated with increased latency of foetal auditory event-related brain responses. Eur Eat Disord Rev, 28. Oktober 2021
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