Auszeichnung für Forschung zum Nierenschutz von Hochrisikopatienten bei großen Operationen

Übergabe des Heinrich-Dräger-Preises 2026 auf dem Jahreskongress der DGAI: Ralf Michael Muellenbach (DGAI), Christian Riep (Dräger), Thilo von Groote, Gernot Marx (DGAI). Foto: DGAI

Seine Forschung schützt Hochrisikopatienten vor akuter Nierenschädigung (Acute Kidney Injury, AKI) nach großen chirurgischen Eingriffen: Dafür hat PD Dr. Thilo von Groote (Münster) den Heinrich-Dräger-Preis für Intensivmedizin erhalten.

Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) überreichte dem Assistenzarzt an der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des Universitätsklinikums Münster die Auszeichnung am ersten Kongresstag des diesjährigen DGAI-Jahreskongresses vom 16.–18. September in Kassel. Damit würdigte die Fachgesellschaft seine richtungsweisende Arbeit an der im Fachjournal „The Lancet“ veröffentlichten Studie „A preventive care strategy to reduce moderate or severe acute kidney injury after major surgery (BigpAK-2): a multinational, randomised clinical trial “1. Mit dieser Arbeit habe van Groote einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der perioperativen Intensivmedizin geleistet, begründet die DGAI die Wahl des Preisträgers.

Biomarker identifizieren Risikopatienten frühzeitig

Die AKI zählt zu den häufigen und prognostisch relevanten Komplikationen nach größeren Operationen. Für ihre Prävention fehlten bislang effektive und breit implementierbare Strategien. Die BigpAK-2-Studie untersuchte ein innovatives präzisionsmedizinisches Konzept, das eine Biomarker-basierte Risikostratifizierung mit einer leitlinienbasierten klinischen Behandlungsstrategie kombinierte.

An 34 europäischen Zentren wurden insgesamt 1180 erwachsene Patienten auf chirurgischen Intensivstationen postoperativ untersucht. Die Identifikation von Hochrisikofällen erfolgte durch die Kombination prädefinierter klinischer Risikofaktoren mit tubulären Stress-Biomarkern im Urin. Die Hochrisikopatienten wurden per Zufall einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt: Die Intervention bestand in der standardisierten Umsetzung leitlinienbasierter nephroprotektiver Maßnahmen, darunter die Optimierung der Hämodynamik, eine individualisierte Volumentherapie und die Vermeidung nephrotoxischer Substanzen, sowie einer konsequenten Blutzuckerkontrolle. Die Kontrollgruppe erhielt die übliche Standardversorgung.

Deutlich weniger Nierenschädigungen

In der Gruppe mit den gezielten Vorbeugemaßnahmen erlitten 14,4 % der Behandelten eine mittlere oder schwere Nierenschädigung. In der Standardgruppe waren es deutlich mehr: 22,3 %. Die Studie belegte damit erstmals in einem großen randomisierten Design, dass die frühe Integration von Biomarkern zusammen mit einem präventiven Behandlungskonzept zu einer signifikanten Reduktion klinisch relevanter AKI-Fälle führen kann.

Der Heinrich-Dräger-Preis ist nach Unternehmensgründer Johann Heinrich Dräger benannt und fördert seit 2004 herausragende wissenschaftliche Leistungen in der Intensivmedizin. Die DGAI vergibt die mit 2500 Euro dotierte Auszeichnung jährlich an innovative Forschungsarbeiten, die wichtige Impulse für die Patientenversorgung setzen.

(ms/BIERMANN)

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