AWMF: Medizinische Versorgungsstrukturen verlässlich vorhalten8. September 2021 Foto: ©MQ-Illustrations – stock.adobe.com Die AWMF fordert, die Lehren aus Corona ernst zu nehmen sowie einen intensivierten Dialog zwischen Politik und wissenschaftlicher Medizin. Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie schnell das Gesundheitssystem an seine Grenzen kommt. Künftig müssen Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen besser geplant und vorgehalten werden, um im Krisenfall verlässlich agieren und viele Menschen zur gleichen Zeit behandeln zu können. Das fordert die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) e.V. mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl. In einem Forderungspapier, in dem die AWMF ihre Positionen zur Gesundheitspolitik für die neue Legislaturperiode benennt, betont sie auch, dass sich die gesamte Gesundheitspolitik mehr als bisher an der evidenzbasierten Medizin orientieren muss. So sollen wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften mit ihrem Wissen und den von ihnen erarbeiteten Leitlinien-Empfehlungen noch stärker als bisher in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden. „Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, unser Gesundheitssystem mit ausreichend Ressourcen auszustatten – vor allem personell, aber auch strukturell und finanziell“, sagt Prof. Fred Zepp, Präsidiumsmitglied der AWMF. Bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie waren alle Bereiche im Gesundheitswesen gefordert, angefangen bei der Forschung über die Gesundheitsämter bis zu den Kliniken, die eine besonders große Last zu bewältigen hatten. „Es kommt jetzt darauf an, Lehren aus dieser Pandemie zu ziehen. Dazu gehört auch, dass die Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen ausreichend ausgestattet und vorgehalten werden. Das muss sich ein Gesundheitssystem, das sich zu den besten zählt, leisten können. Nicht alles darf auf Kante geplant werden“, so Zepp. Es brauche einen größeren Puffer für die medizinische Versorgung von Menschen in Notsituationen, wie beispielsweise einer Pandemie oder anderen Katastrophen, wie die gerade stattgefundene Flutkatastrophe. „Es kann beispielsweise nicht sein, dass die Versorgung chronisch kranker Patientinnen und Patienten in solchen Phasen leidet oder notwendige Operationen um Monate verschoben werden müssen“, sagt Prof. Henning Schliephake, stellvertretender Präsident der AWMF. Entscheidend für eine Gesundheitspolitik, die eine Verbesserung der Qualität in der medizinischen Versorgung zum Ziel hat, ist aus Sicht der AWMF die kontinuierliche und ernsthafte Kommunikation der Politik mit Expertinnen und Experten, Medizinerinnen und Medizinern sowie Forschenden. Die AWMF repräsentiert das gesamte Spektrum der modernen Lebenswissenschaften. Sie vereint aktuell 180 wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaften unter ihrem Dach und damit über 280 000 Ärztinnen und Ärzten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Angehörige anderer Heilberufe. „Dieser gut organisierte Expertenpool sollte in Zukunft verstärkt von der Politik wahrgenommen und konstruktiv in die Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Über den gezielten Austausch mit den Fachgesellschaften unter dem Dach der AWMF können eine größere Transparenz, eine fundierte problemorientierte wissenschaftliche Basis, ein breiterer Konsens und letztendlich bessere politische Entscheidungen erzielt werden, als beispielsweise durch Beratungen mit einer begrenzten Zahl ausgewählter Expertinnen und Experten“, sagt Prof. Rolf-Detlef Treede, stellvertretender Präsident der AWMF. Hierfür gibt es aus der Corona-Pandemie ein Positivbeispiel: Zu Beginn des Lockdowns 2020 hat die AWMF eine Task-Force gegründet, die Leitlinien rund um SARS-CoV-2 und dessen klinischem Erkrankungsbild gesammelt und einem strukturierten Konsensprozess zugeführt hat. „Hier haben wir als AWMF gut mit der Gesundheitspolitik zusammengearbeitet. Dies sollte in Zukunft auch in anderen Handlungsfeldern erfolgen. Denn gesetzgeberisch getroffene Maßnahmen müssen auf wissenschaftlich überprüfbaren Fakten basieren. Nur so kann Gesundheitspolitik im Sinne der Patientinnen und Patienten verantwortungsvoll gestaltet werden“, so Zepp.
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