Azithromycin scheint das Behandlungsversagen bei schweren akuten COPD-Exazerbationen zu reduzieren

Das Antibiotikum Azithromycin kann das Therapieversagen bei Patienten reduzieren, die wegen einer akuten COPD-Exazerbation stationär behandelt werden. (Foto: © ATS)

Die Zahl der Fälle mit Therapieversagen unter Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), die aufgrund einer akuten Exazerbation in ein Krankenhaus eingeliefert werden, lässt sich offenbar durch die zusätzliche Gabe des Antibiotikums Azithromycin senken. Das geht aus einer randomisierten, kontrollierten Studie hervor, die kürzlich im „American Journal of Respiratory and Critical Care“ veröffentlicht worden ist.

Darin berichten belgische Forscher, dass sie die diesen Patienten im Krankenhaus verordneten Medikamente durch eine niedrige Dosis Azithromycin ergänzten und sie nach der Entlassung noch für weitere drei Monate mit einer niedrigen Dosis weitertherapierten. Dadurch, so die Forscher, sei das Auftreten eines Therapieversagens im Vergleich zu einer alleinigen Standardtherapie reduziert worden. Ein Therapieversagen war dabei definiert als die Notwendigkeit einer intensivierten Behandlung mit systemischen Corticosteroiden und/oder Antibiotika, die Verlegung des Patienten auf die Intensivstation zu verlegen oder nach der Entlassung erneut stationär zu behandeln und Tod aufgrund jedweder Ursache.

Ältere Studien haben gezeigt, dass Azithromycin akute COPD-Exazerbationen verhindert. Ob das Antibiotikum jedoch die Notwendigkeit verringern könnte, die Behandlung von Patienten, die wegen einer Exazerbation im Krankenhaus behandelt werden, zu intensivieren oder deren Chancen zu verbessern, nach dem Verlassen des Krankenhauses keine weitere Exazerbation zu erleiden, war sei nicht klar gewesen, erklären die Studienautoren. Laut Dr. Wim Jannssens, Pneumologe an der Universitätsklinik Leuven und Leiter der Studie, war es das Ziel der Studie, zu testen, ob Patienten mit dem höchsten Risiko davon profitieren, wenn sie für einen begrenzten Zeitraum Azithromycin erhalten, anstatt es weithin als chronische vorbeugende Maßnahme gegen COPD-Exazerbationen einzusetzen.

„Wir wollten eine neue Behandlungsmöglichkeit für akute Exazerbationen mit Krankenhausaufenthalten schaffen, da die derzeitigen Behandlungen eindeutig unzureichend sind“, fügt er hinzu. „Ebenso wichtig: Wir wollten wissen, ob die Fortsetzung der Azithromycinbehandlung für einen relativ kurzen Zeitraum nach Verlassen des Krankenhauses den Teufelskreis von Rückfällen durchbrechen kann, sogar nach dem Absetzen der Therapie.“

An der Studie nahmen 301 Patienten aus 20 belgischen Krankenhäusern teil. Die Hälfte der Patienten erhielt Azithromycin, die andere Hälfte ein Placebo. Zusätzlich zu den Medikamenten, die der Arzt normalerweise bei einer Exazerbation verschreiben würde. Patienten im Azithromycin-Arm der Studie erhielten während eines Krankenhausaufenthaltes drei Tage lang 500 mg/Tag und nach Entlassung drei Monate lang 250 mg zweimal wöchentlich.

Die Studie ergab für die Azithromycin-Gruppe eine Therapieversagensrate von 49 Prozent betrug, verglichen mit 60 Prozent im Placebo-Arm. Da die Forscher ihr Ziel von 500 Teilnehmern nicht erreichten, besitzt die Studie nicht genügend Aussagekraft, um die statistische Signifikanz des primären Endpunktes aufzuzeigen: die Zeit bis zum Versagen der Behandlung.

Diejenigen, die das Antibiotikum erhielten, verbrachten 24 Prozent weniger Tage im Krankenhaus und 74 Prozent weniger Tage auf der Intensivstation als diejenigen, die das Placebo bekamen. Die Mortalität war in der Placebo-Gruppe (4%) doppelt so hoch wie in der Azithromycin-Gruppe (2%). Diese Vorteile durch Azithromycin waren bei Nichtrauchern ausgeprägter. Aktuelle Raucher hatten wenig oder keinen Nutzen von niedrig dosiertem Azithromycin.

Die Forscher untersuchten auch die Auswirkungen des Absetzens von Azithromycin nach drei Monaten und fanden heraus, dass sechs Monate darauf der klinische Nutzen des Antibiotikums verloren gegangen war.

Obwohl die Studie keine statistische Signifikanz bezüglich ihres primären Endpunktes nachweisen konnte, „lautet die positive Nachricht der Studie, dass unsere Strategie die Dauer des Krankenhausaufenthaltes und des Aufenthaltes auf der Intensivstation sowie die Anzahl wiederkehrender Exazerbationen in der Patientengruppe mit schwerwiegendster COPD verkürzte“, ergänzt Janssens. Eine umfassende Phase-IV-Studie mit erneuten Krankenhauseinweisungen als primärem Endpunkt wäre erforderlich, bevor die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung breite Anwendung finden, schließt der Pneumologe.