Aztreonam-Avibactam bei multiresistenten Infektionen

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Aztreonam-Avibactam ist die erste in der Europäischen Union zugelassene, fixe β-Lactam/β-Lactamase-Inhibitor-Kombination zur Behandlung erwachsener Patienten mit schweren Infektionen durch Metallo-β-Lactamase-produzierende multiresistente Bakterien.

Die Europäische Kommission hat Aztreonam-Avibactam (Emblaveo®) die Zulassung für die Behandlung von erwachsenen Patienten mit komplizierten intraabdominellen Infektionen (complicated intra-abdominal infections; cIAI), nosokomial erworbenen Pneumonien (hospital acquired pneumonia; HAP) – einschließlich beatmungsassoziierten Pneumonien (ventilator-associated pneumonia; VAP) – sowie komplizierten Harnwegsinfektionen (complicated urinary tract infections; cUTI), einschließlich Pyelonephritis, erteilt.

Darüber hinaus ist die neue Fixkombination der beiden Wirkstoffe, die intravenös verabreicht wird, zugelassen bei Erwachsenen mit Infektionen aufgrund aerober gramnegativer Erreger, für die es nur begrenzte Behandlungsmöglichkeiten gibt. Aztreonam-Avibactam soll nach der Markteinführung insbesondere bei schweren bakteriellen Infektionen durch Metallo-ß-Lactamase (MBL)-bildende multiresistente Erreger zum Einsatz kommen.

Antimikrobielle Resistenzen (antimicrobial resistance; AMR) stellen inzwischen eine der größten Bedrohungen für die globale Gesundheit dar. Man spricht von AMR, wenn Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten sich so verändern, dass Antiinfektiva keine Wirkung mehr zeigen. Diese resistent gewordenen Krankheitserreger können folglich auch unter einer antimikrobiellen Therapie überleben und vermehren sich weiter.

Insbesondere Infektionen durch multiresistente gramnegative Erreger geben aufgrund hoher Morbiditäts- und Mortalitätsraten Anlass zur Sorge. Diese sind oft in der Lage, ß-Lactamasen auszubilden; eine Gruppe von Enzymen, die zahlreiche antibiotische Wirkstoffe inaktivieren können. Produzieren Bakterien MBL, eine Untergruppe der ß-Lactamasen, so ist fast keines der gängigen Antibiotika mehr wirksam und die Therapiesituation demnach besonders kritisch. Die Zahl MBL-produzierender gramnegativer Bakterien nimmt seit Jahren zu. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu aufgerufen, die Entwicklung neuer Antibiotika zur Behandlung von Infektionen, die auf multiresistente gramnegative Bakterien zurückzuführen sind, zu priorisieren.

„Antibiotikaresistenzen breiten sich global immer weiter aus und stellen bereits heute eine reelle Bedrohung dar. Für die Behandlung von Infektionen, verursacht durch multiresistente gramnegative – insbesondere sogenannte Metallo-ß-Lactamase-bildende – Bakterien, stehen nur noch sehr wenige wirksame Therapieoptionen zur Verfügung. Dies bedeutet ein hohes Risiko für betroffene Patienten, an der Infektion zu versterben oder bleibende Schäden davonzutragen“ sagt Dr. Christian Petrik, Hospital Medical Lead bei Pfizer in Deutschland. „Die Zulassung von Aztreonam-Avibactam bietet daher insbesondere lebensbedrohlich erkrankten Patienten mit Infektionen durch multiresistente gramnegative Erreger eine neue und dringend benötigte Therapieoption.“

Die Zulassung von Aztreonam-Avibactam in der Europäischen Union (EU) basiert auf den Ergebnissen der prospektiven, randomisierten, multizentrischen, open-label Parallelgruppen-Vergleichsstudien der Phase 3 REVISIT und ASSEMBLE. In den Studien wird die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit der Fixkombination bei der Behandlung schwerer bakterieller Infektionen durch gramnegative Erreger, einschließlich MBL-produzierender Enterobakterien, untersucht. Sowohl in der REVISIT- als auch in der ASSEMBLE-Studie erwies sich Aztreonam-Avibactam als wirksam und gut verträglich bei einem mit einer Aztreonam-Monotherapie vergleichbaren Sicherheitsprofil.

Aufgrund seiner Wirksamkeit gegenüber klinisch relevanten multiresistenten gramnegativen Erregern hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Aztreonam-Avibactam am 10. April 2024 den Status eines Reserveantibiotikums zuerkannt. Mit dem Status eines Reserveantibiotikums gilt der medizinische Zusatznutzen der Wirkstoffkombination bereits als belegt. „Der Status als Reserveantibiotikum in Deutschland und die beschleunigte Prüfung des Zulassungsantrags durch die Europäische Kommission verdeutlichen den dringenden Bedarf an neuen Therapieoptionen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen“, so Petrik.

Die Zulassung der Europäischen Kommission gilt in den 27 Mitgliedsstaaten der EU sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen. Die Einreichung weiterer Zulassungsanträge ist geplant.

Quelle: Pfizer, 25.4.2024