Babys mit niedrigem Geburtsgewicht haben viermal häufiger eine Fettlebererkrankung im späteren Leben16. Oktober 2023 Foto: © hedgehog94/stock.adobe.com Eine neue Studie, die gerade auf der UEG-Week in Kopenhagen (Dänemark) vorgestellt wurde, hat einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Geburtsgewicht und dem Auftreten einer MASLD (Metabolic Dysfunction-associated Steatotic Liver Disease) bei jungen Menschen hergestellt. Bis zum Beschluss einer präziseren und stärker patientenzentrierten Nomenklatur für Fettlebererkrankungen im Sommer dieses Jahres anlässlich des Kongresses der European Association for the Study of the Liver (EASL) war die MASLD als Nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) bezeichnet worden. Mit der neuen Terminologie will man eine Stigmatisierung der betroffenen Patienten vermeiden. Außerdem sollen die neuen Fachbegriffe laut Prof. Peter R. Galle, Direktor der 1. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, exaktere Diagnosen ermöglichen. In der Untersuchung, deren Ergebnisse nun auf der UEG-Week präsentiert worden, stellten die Forschenden fest, dass Babys mit niedrigem Geburtsgewicht ein viermal höheres Risiko dafür besitzen, in der Kindheit, Jugend oder im jungen Erwachsenenalter an einer MASLD zu erkranken. Die Wissenschaftler führten eine bevölkerungsbasierte Fall-Kontroll-Studie durch, in der alle Personen im Alter von 25 Jahren und jünger erfasst wurden, bei denen zwischen Januar 1992 und April 2017 eine MASLD diagnostiziert worden war (insgesamt 165 Fälle). Jede Person mit MASLD wurde mit bis zu fünf Kontrollpersonen aus der Allgemeinbevölkerung auf der Grundlage von Alter, Geschlecht, Kalenderjahr und Wohnbezirk verglichen. Bei Personen, die mit einem geringen Geburtsgewicht (<2500 g) geboren wurden, war die Wahrscheinlichkeit, an einer MASLD zu erkranken, demnach viermal höher als bei Personen mit normalem Geburtsgewicht. Bei denjenigen, die als mit einem für ihr Gestationsalter zu geringen Körpergewicht (small for gestational age [SGA)) geboren eingestuft wurden (d. h. unter dem 10. Perzentil), war die Wahrscheinlichkeit, frühen im Leben an einer MASLD zu erkranken, mehr als dreimal so hoch wie bei denjenigen mit einem für ihre Gestationsalter adäquaten Geburtsgewicht (10.-90. Perzentil). Darüber hinaus stellten die Forschenden fest, dass Personen mit niedrigem Geburtsgewicht oder solche, die bei Geburt als SGA eingestuft wurden, ein bis zu etwa sechsfach höheres relatives Risiko besaßen, schwerere Stadien von MASLD in Form von Leberfibrose oder -zirrhose zu entwickeln. Dr. Fahim Ebrahimi, Hauptautor der Studie, kommentiert die Forschungsergebnisse so: „Zwar wurde in frühere Studien ein Zusammenhang zwischen Geburtsgewicht und schweren Erkrankungen nachgewiesen, doch blieb der Zusammenhang mit der MASLD unklar. Unsere Untersuchung liefert nun überzeugende Evidenz dafür, dass fetale Entwicklungsfaktoren eine wichtige Rolle bei der Entstehung von MASLD und progredienter Lebererkrankung spielen.” Angesichts weltweit zunehmender Adipositas ist MASLD weltweit zur häufigsten Ursache für chronische Lebererkrankungen geworden. Allein in Europa sind schätzungsweise mehr als 25 Prozent der Erwachsenen davon betroffen, und die Prävalenz nimmt zu. „Es ist sehr besorgniserregend, dass Menschen, die mit einem niedrigen Geburtsgewicht geboren wurden, ein erhöhtes relatives Risiko dafür besitzen, in jungen Jahren an dieser Krankheit zu erkranken, da eine früh einsetzende MASLD oft bis ins Erwachsenenalter andauert und mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Leberzirrhose und einer Lebererkrankung im Endstadium verbunden ist”, erklärte Ebrahimi weiter. „Es ist wichtig, dass wir proaktive und wirksame Strategien entwickeln, um Risikopersonen zu identifizieren und die Belastung durch diese Krankheit zu verringern.” Ebrahimi F et al. Perinatal characteristics of nonalcoholic fatty liver disease in children, adolescents and young adults – a nationwide population-based case-control study. UEG Week 2023.
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