Bakterienbesiedelung der Netzhaut kann Hinweis auf Alzheimer geben11. Februar 2026 In der Netzhaut von Menschen mit Alzheimer fanden die Forscher höhere Konzentrationen von Chlamydia pneumoniae als bei Gesunden. Illustration: © sokolova_sv – stock.adobe.com Chlamydia pneumoniae – ein häufiges Bakterium, das Lungenentzündungen und Nebenhöhlenentzündungen verursacht – kann jahrelang im Auge und Gehirn verweilen und die Alzheimer-Krankheit verschlimmern. Dies zeigt eine aktuelle Studie des Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles (USA). Die Publikation in „Nature Communications“ legt nahe, dass dieses Bakterium die Alzheimer-Krankheit verstärken kann und mögliche Interventionen wie entzündungshemmende Therapien und frühe Antibiotikabehandlungen angezeigt sein könnten.Die Studie hat den Forschern zufolge zum ersten Mal dargelegt, dass Chlamydia pneumoniae die Netzhaut erreichen kann. Dort löse das Bakterium Immunantworten im Zusammenhang mit Entzündungen, das Absterben von Nervenzellen und kognitiven Verfall aus. Bakterielle Infektion beeinflusst Neurodegeneration „Da wir Chlamydia-Pneumonien konsistent über menschliche Gewebe, Zellkulturen und Tiermodelle hinweg sehen, konnten wir einen bisher nicht erkannten Zusammenhang zwischen bakteriellen Infektionen, Entzündungen und Neurodegeneration identifizieren“, sagt die leitende Autorin der Studie, Maya Koronyo-Hamaoui, Professorin für Neurochirurgie, Neurologie und Biomedizinische Wissenschaften an der Cedars-Sinai Health Sciences University. Das Auge sei hier ein ,Ersatz‘ für das Gehirn. Diese Studie zeige, dass retinale bakterielle Infektion und chronische Entzündungen die Gehirnpathologie widerspiegeln und den Krankheitsstatus vorhersagen könnten. Die Netzhautbildgebung als nicht invasive Möglichkeit könne so dabei unterstützen, Menschen mit einem Risiko für Alzheimer zu identifizieren. Netzhautgewebe von 104 Personen untersucht Um die Studie durchzuführen, verwendeten die Forscher moderne Bildgebung, genetische Tests und Proteinanalysen, um Netzhautgewebe von 104 Personen zu untersuchen. Einige der untersuchten Personen zeigten eine normale Kognition, einige leichte kognitive Beeinträchtigungen und einige litten bereits an der Alzheimer-Krankheit. Sie fanden signifikant höhere Konzentrationen von Chlamydia pneumoniae in der Netzhaut und Gehirn von Menschen mit Alzheimer-Krankheit als bei Menschen mit normaler Kognition. Je höher die festgestellten Bakterienspiegel sind, desto schwerer sind die Veränderungen des Gehirns und der kognitive Verfall.Höhere Bakterienkonzentrationen waren häufiger bei Menschen zu finden, die die APOE4-Genvariante trugen – ein bekannter Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit. Bakterium beschleunigt die Krankheitsprozesse Die Forscher untersuchten im Labor auch menschliche Neuronen und Labormäuse mit Alzheimer-Krankheit. Bei beiden verstärkte die Infektion mit Chlamydia-pneumoniae-Entzündungen, das Absterben von Nervenzellen und den kognitiven Verfall – ein Hinweis darauf, dass das Bakterium die Krankheitsprozesse beschleunigen kann. Die Infektion löste auch die Produktion von Amyloid-Beta aus. Dieses Protein sammelt sich im Gehirn von Menschen mit Alzheimer. Infektions-Entzündungs-Achse bekämpfen „Diese Entdeckung schafft die Möglichkeit, die Infektions-Entzündungs-Achse zur Behandlung von Alzheimer zu bekämpfen”, sagte Prof. Timothy Crother, Co-korrespondierender Autor der Studie.Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bekämpfung einer chronischen bakteriellen Infektion – und der Entzündung, die sie auslöst – eine neue Behandlungsstrategie darstellen könnte. Die Forschung unterstützt auch die potenzielle Verwendung der Netzhautdiagnostik als nicht invasive Möglichkeit, die Alzheimer-Erkrankung zu detektieren und zu monitoren.
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