Bakterium als mögliche Ursache von Fehlgeburten bei Schweinen identifiziert

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Ein Forschungsteam der Veterinärmedizinischen Universität Wien liefert in einer aktuellen Studie weitere Hinweise darauf, dass Trueperella abortisuis an Fortpflanzungsstörungen und Aborten bei Schweinen beteiligt sein kann.

So zeigen ein Fallbericht zu einem infizierten trächtigen Mutterschwein wie auch die Analyse von Routinedaten, dass das bislang wenig erforschte Bakterium bei Fortpflanzungsstörungen von Schweinen stärker berücksichtigt werden sollte. Die Forschenden empfehlen aufgrund der Studienergebnisse, das Bakterium künftig in die Differentialdiagnostik von Aborten bei Sauen aufzunehmen, wie die Vetmeduni mitteilt.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht eine Sau, die am 100. Trächtigkeitstag elf Föten abortierte. Bei den meisten Föten wurde Trueperella abortisuis in hohen Mengen aus Mageninhalt, Nabelschnurblut und Fruchtwasser isoliert. Sieben Föten wiesen eine schwere eitrige Bronchopneumonie auf. In vier Plazenten wurde eine nekrotisierend-eitrige Entzündung der Plazenta mit grampositiven Bakterien in diesen Veränderungen festgestellt. Häufige virale und bakterielle Aborterreger wurden mittels PCR ausgeschlossen.

Hinweise auf fetale Infektion und Plazentitis

„Das Zusammenspiel aus fetaler Infektion, charakteristischen Veränderungen an Lunge und Plazenta und dem Nachweis hoher Mengen von T. abortisuis ist ein wichtiger Hinweis auf eine mögliche ursächliche Beteiligung dieses Erregers am Abort“, betont Studien-Erstautor Lukas Schwarz vom Klinischen Zentrum für Populationsmedizin bei Fisch, Schwein und Geflügel. Diese Ergebnisse stellen jedoch keinen abschließenden Beweis für eine alleinige Kausalität dar, bekräftigen aber, was bereits andere Forschungsgruppen gleichermaßen beobachteten.

Routinedaten bestätigen diagnostische Hinweise aus dem Einzelfall

Zur besseren Einordnung dieses Einzelfalls analysierten die Wissenschafter zusätzlich routinemäßig an der Vetmeduni erhobene, österreichische Diagnosedaten aus den Jahren 2019 bis 2025. Dabei wurde T. abortisuis in 31 Proben aus 14 Betrieben nachgewiesen. Die Proben stammten überwiegend aus dem Genitaltrakt sowie aus Abortmaterial. Auffällig war vor allem, dass sich im gepoolten Mageninhalt der Föten durchgehend hohe Bakterienkonzentrationen fanden. Gängige virale und bakterielle Aborterreger wurden mittels PCR ausgeschlossen. „Unsere retrospektiven Daten zeigen, dass T. abortisuis nicht nur in einem Einzelfall vorkommt. Der wiederholte Nachweis im Zusammenhang mit Abortmaterial und Proben aus dem Genitaltrakt macht den Erreger für die Differentialdiagnostik relevant“, erklärt Lukas Schwarz.

Neue Nachweise machen laufende Überwachung und weitere Forschung erforderlich

Die Ergebnisse sind wichtige neue Belege für das abortauslösende Potenzial von T. abortisuis. Lukas Schwarz und seine Kollegen empfehlen deshalb, „T. abortisuis bei der Abklärung von Fortpflanzungsstörungen und Aborten bei Sauen künftig mitzudenken. Gleichzeitig braucht es weitere Untersuchungen, um die Pathogenität des Bakteriums und sein Zusammenspiel mit anderen Mikroorganismen des Fortpflanzungstraktes besser zu verstehen.“

Die Forschenden unterstreichen in diesem Zusammenhang die Bedeutung einer kontinuierlichen Überwachung von Zuchtbeständen. Weitere Studien sollen klären, unter welchen Bedingungen T. abortisuis Erkrankungen verursacht, welche Wechselwirkungen mit der bakteriellen Flora des Genitaltraktes bestehen und welche Bedeutung der Erreger für die Reproduktionsgesundheit von Schweinebeständen hat.