Basalzellkarzinom: Geringer Risikoanstieg unter Antihypertensiva5. Januar 2026 © contrastwerkstatt – stock.adobe.com (Symbolbild) Einige blutdrucksenkende Medikamente können die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenbrand machen. Eine Registerstudie aus Schweden zeigt ein mögliches erhöhtes Risiko für Basalzellkarzinome unter bestimmten Antihypertensiva. „Die Blutdruckbehandlung sollte keinesfalls abgesetzt werden. Es ist jedoch sinnvoll, wenn Ärzte ihre Patienten darauf hinweisen, dass ein erhöhter Sonnenschutz erforderlich sein kann“, sagt Dr. Johan Kappelin. Kappelin hat kürzlich an der Universität Lund (Schweden) promoviert und ist als Oberarzt an der dermatologischen Klinik in Landskrona tätig. In einer der in seiner Dissertation enthaltenen Studien untersuchte er Zusammenhänge zwischen häufig verordneten Antihypertensiva und der Inzidenz von Basalzellkarzinomen. In Schweden werden jährlich etwa 70.000 neue Fälle diagnostiziert. Sie treten überwiegend an Hautarealen auf, die intensiver Sonnenexposition ausgesetzt sind. „Das Basalzellkarzinom ist eine eher milde Form von Hautkrebs mit geringer Metastasierungsneigung und niedriger Mortalität. Die Behandlung erfolgt in der Regel chirurgisch, doch oft können Tumoren auch durch Kryo- oder Kürettage-Therapie entfernt werden“, erläutert Kappelin. Daten aus mehreren schwedischen Registern Frühere Studien, sowohl schwedische als auch internationale, haben ebenfalls auf ein erhöhtes Risiko verschiedener Hautkrebsformen im Zusammenhang mit Antihypertensiva hingewiesen. Kappelin konzentrierte sich in seiner Untersuchung gezielt auf das Basalzellkarzinom und nutzte mehrere große schwedische Register, um potenzielle statistische Zusammenhänge zwischen dieser Erkrankung und der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente zu identifizieren. Untersucht wurden folgende Wirkstoffgruppen: Thiazide (Diuretika) ACE-Hemmer (Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer) Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARBs) Calciumkanalblocker Betablocker Erhöhter Sonnenschutz erforderlich Bei der Anwendung von Thiaziden, ARBs und Calciumkanalblockern zeigte sich ein Anstieg des Basalzellkarzinomrisikos um neun Prozent. Für Thiazide galt dies jedoch nur bei Präparaten mit mehreren Wirkstoffen (Kombinationstherapien). Bei Betablockern ergab sich ein Risikoanstieg von sieben Prozent. Für ACE-Hemmer konnte dagegen keine Risikozunahme festgestellt werden, die Ergebnisse deuten sogar auf ein leicht vermindertes Risiko hin. Kappelin zeigt sich etwas überrascht, dass ähnliche Risikoerhöhungen bei mehreren Wirkstoffgruppen beobachtet wurden. „Überraschend ist auch, dass Präparate mit ausschließlich Thiazid als Wirkstoff kein erhöhtes Risiko aufwiesen, während Kombinationstherapien einen Anstieg zeigten. Liegt das Risiko möglicherweise an der Kombination oder am anderen Wirkstoffanteil?“, so Kappelin. Weitere Forschungsfragen betreffen mögliche Einflüsse individueller Faktoren wie Hauttyp oder Lebensstil auf das Risiko eines Basalzellkarzinoms unter Antihypertensiva. „Der Anstieg des Basalzellkarzinomrisikos ist in unserer Studie insgesamt gering. Derzeit sehen wir keinen Anlass, bestehende Empfehlungen zur Anwendung dieser Medikamente zu ändern. Allerdings ist während der Blutdruckbehandlung besondere Vorsicht beim Sonnenschutz ratsam“, empfiehlt Kappelin. Durchführung der Registerstudie Zur Bestimmung möglicher statistischer Zusammenhänge wurden Personen mit Basalzellkarzinom mit Personen ohne entsprechende Diagnose verglichen. Die rund 130.000 Patientendaten stammen aus dem nationalen Basalzellkarzinom-Register. Die Kontrollgruppe bestand aus etwa doppelt so vielen Personen aus dem schwedischen Bevölkerungsregister. Informationen zu verordneten Antihypertensiva wurden aus dem Verschreibungsregister entnommen. Zusätzlich wurden Daten zu weiteren laufenden Therapien und Begleiterkrankungen der Studienteilnehmer erfasst. Nicht berücksichtigt wurden Faktoren wie Hauttyp oder Lebensgewohnheiten. Daher, so betonen die Autoren, lässt sich auf Grundlage dieser Daten nicht abschließend belegen, dass die Blutdruckmedikation ursächlich für das erhöhte Risiko des Basalzellkarzinoms ist. (ins)
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