Bayer übernimmt Noria und PSMA Therapeutics

Das Bayer-Kreuz in Leverkusen bei Nacht. Foto: Bayer AG

Durch die Übernahme zweier spezialisierter Firmen will der Arzneimittelhersteller Bayer sein Portfolio für radionuklidbasierte Prostatakrebstherapien erweitern.

Bayer hat am 03.06.2021 die Vereinbarung zur Übernahme von Noria Therapeutics Inc. (Noria) und PSMA Therapeutics Inc. bekannt gegeben. Durch die Akquisition erhält Bayer die exklusiven Rechte an einer differenzierten Alpha-Radionuklid-Therapie basierend auf Actinium-225 und einem niedermolekularen Molekül, das zielgerichtet an das prostataspezifische Membranantigen (PSMA) bindet.

Die Akquisition erweitert das Onkologieportfolio von Bayer an zielgerichteten Alpha-Therapien (Targeted Alpha Therapies), das derzeit Radium-223-dichlorid (Xofigo®) und die in der Entwicklung befindliche, unternehmenseigene Plattform der zielgerichteten Thorium-Konjugate umfasst.

Das akquirierte präklinische Programm konzentriert sich auf die Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs, den am zweithäufigsten diagnostizierten Krebs bei Männern. Aufgrund ihres besonderen Designs könnte diese Therapie ein differenziertes Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil bieten, glaubt Bayer, und habe das Potenzial, den hohen medizinischen Bedarf bei Männern mit Prostatakrebs zu adressieren.

Die von Bayer erworbenen Unternehmen, Noria und PSMA Therapeutics, verfügen über exklusive weltweite Rechte auf Technologien, die von Weill Cornell Medicine (New York, NY, USA) und der Johns Hopkins University (Baltimore, MD, USA) lizenziert wurden. Noria wurde von Dr. John Babich, Leiter für Radiopharmazeutische Wissenschaften in der Radiologie bei Weill Cornell Medicine, gegründet.

Zielgerichtete Alpha-Therapien bei Bayer

Zielgerichtete Alpha-Therapien sind eine neu entstehende Klasse der Radionuklidtherapie für verschiedene Tumoren. Sie transportieren Alphastrahlung direkt zu Tumoren im Körper, entweder über ihre knochensuchende Eigenschaft (Radium-223) oder indem sie Alpha-Radionuklide wie Actinium-225 oder Thorium-227 mit spezifischen Zielmolekülen kombinieren. Im Vergleich zur Betastrahlung hat Alphastrahlung einen höheren linearen Energietransfer und eine kürzere Reichweite. Durch Alphastrahlen induzierte DNA-Doppelstrangbrüche werden den Tumorzellen schwer zu reparierende Schäden zugefügt.

Mit seiner firmeneigenen Plattform für zielgerichtete Thoriumkonjugate (Targeted Thorium Conjugates, TTC) entwickelt Bayer eine Reihe von Wirkstoffkandidaten mit Potenzial für die Behandlung mehrerer Krebsarten, die mit verfügbaren Behandlungsoptionen derzeit nicht ausreichend therapiert werden können. PSMA-TTC, das einen auf das Prostata-spezifische Membranantigen (PSMA) ausgerichteten Antikörper mit Thorium-227 kombiniert, ist ein fortgeschrittenes TTC-Projekt bei Bayer. Es befindet sich momentan in der klinischen Phase I bei Patienten mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom. PSMA ist auf der Oberfläche von Prostatakrebszellen stark exprimiert und hat sich als validiertes Zielprotein für Präzisionsmedikamente gegen Krebs erwiesen.

Mit der jetzigen Akquisition erweitert Bayer sein bestehendes TAT-Entwicklungsportfolio um eine Actinium-markierte Alpha-Therapie, die gegen PSMA gerichtet ist. Es ist geplant, diese als neuartige Behandlungsoption für Prostatakrebs in unterschiedlichen Stadien zu entwickeln.

(Bayer/ms)