Bayerns erste Hochschul-Doktorin: In Coburg erforschte sie Dehydration

Prof. Dr. Stefan Kalkhof, Prof. Dr. Janosch Hildebrand, Laura Wester, Prof. Dr. Janin Henkel-Oberländer, Prof. Dr. Gerd-Uwe Flechsig. (© Natalie Schalk/Hochschule Coburg)

Laura Wester aus Nordrhein-Westfalen ist die Erste, die in Bayern einen Doktortitel an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) erwirbt. Sie erforschte an der Hochschule Coburg, wie sich Dehydration auf menschliche Hautzellen und Blutplasma auswirkt. Es geht darum, einen Biomarker zu finden, mit dem sich Flüssigkeitsmangel bei älteren Menschen frühzeitig und unkompliziert feststellen lässt.

Wenn das Wetter normal ist und er sich nicht übermäßig verausgabt, benötigt ein durchschnittlicher Mensch etwa zwei bis 2,5 Liter Wasser pro Tag. Wester streckt spontan den Schokoriegel in die Luft, den sie als Notfallproviant mitgebracht hat: „Aber wenn wir Nahrung verstoffwechseln, entsteht auch Oxidationswasser.“ Deshalb reicht es, 1,5 Liter zu trinken. Die meisten Menschen regulieren ihren körpereigenen Wasserhaushalt instinktiv richtig, aber bei älteren Menschen ist Dehydration, also die Austrocknung des Körpers, ein verbreitetes Problem. Und das liegt nicht nur daran, dass sie zu wenig trinken, weil das Durstgefühl im Alter abnimmt.

Wester erklärt, dass der Körper sich verändert und im Alter weniger Flüssigkeitsreserven speichert. Ältere Menschen nehmen auch häufig Medikamente, die harntreibend wirken, außerdem verstärken verschiedene Krankheiten die Dehydration. „Die multiplen Einflussfaktoren erschweren die Diagnose“, sagt Wester. Sie ist die Erste, die im Promotionszentrum Analytics4Health der Hochschule Coburg auf diese Weise ihre Doktorarbeit verteidigt. Und sie ist die Erste in Bayern, die ihren Doktortitel von einer Hochschule für angewandte Wissenschaften verliehen bekommt.

2018 startete sie im Institut für Bioanalytik der Hochschule Coburg ihre Suche nach den Geheimnissen der Wasserregulierung im menschlichen Körper. Sie wollte herausfinden, wie die Mechanismen in menschlichen Hautzellen und im Blutplasma funktionieren, wie sie sich verändern und ob es einen Biomarker gibt, der eine Dehydration frühzeitig anzeigt.

Ein auffälliges Protein

„Identification of Mechanisms and Adaption to Osmoregulation in Human Skin Cells and Blood Plasma“ ist der Titel ihrer Doktorarbeit. Dank der Zusammenarbeit mit dem Sana Klinikum Coburg konnte Wester Daten oberfränkischer Patientinnen und Patienten stellvertretend für die Bevölkerung ab 65 Jahren als Referenzpopulation nutzen. Sie wurden mit Hilfe einer so genannten „Bioelektrischen Impedanz-Vectoranalyse“ nach ihrem Hydratations-Status unterteilt. Bei einer Gruppe chronisch dehydrierter Menschen analysierte die Forscherin die Proteine im Blutplasma.

Dabei stellte sie einen Zusammenhang zwischen Dehydration und verminderter Blutgerinnung und Wundheilung fest. Sie fand heraus, dass Dehydration Stress in speziellen Zellen in der Oberhaut (Epidermis), den so genannten Keratinozyten, auslöst. Im Labor setzte sie die Zellkulturen zusätzlichem Stress beispielsweise durch UV-Licht aus und so fand sie es: Ein Eiweiß, ein Protein namens H2AX, wird bei Dehydration und UV-Licht stark beeinträchtigt. Es ist ein früher Ansatz, um zukünftig Biomarker für Dehydration zu bestimmen. „Ideal wäre eine Bestimmung wie bei einem Diabetes-Armsensor, der kontinuierlich und leicht messbar den Blutzuckerspiegel erfasst“, erklärt Wester bei der Disputation.