Bedürfnisorientiertes Angebot für Kinder und Jugendliche: Psychiatrische Behandlung kommt ins häusliche Umfeld

Team der StäB für Kinder und Jugendliche am Zentrum für Seelische Gesundheit des Helios Park-Klinikums Leipzig. (Foto: © Helios Kliniken) GmbH

Das Helios Park-Klinikum Leipzig reagiert auf das steigende Aufkommen von Ängsten und Vermeidungsverhalten bei Kindern und Jugendlichen mit einem neuen Angebot: Im Rahmen der stationsäquivalenten psychiatrischen Behandlung (StäB) betreuen die Ärzte und Therapeuten die jungen Menschen in ihrem Zuhause.

Gerät die kindliche Seele aus dem Gleichgewicht, kann sich das auf verschiedene Weise äußern: Ängste oder Zwangsstörungen, Aggressionen, Interaktionsschwierigkeiten, aber auch Vermeidungsverhalten wie eine Ablehnung des Schulbesuchs sind typische Indikationen für die Notwendigkeit einer psychiatrischen Behandlung. Ein längerer Klinikaufenthalt erscheint in diesen Situationen häufig nicht hilfreich – teilweise wird er von den Patienten oder ihren Familien sogar abgelehnt. Um den Kindern und Jugendlichen dennoch helfen zu können, ermöglicht das Team der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Helios Park-Klinikum Leipzig nun auch eine Behandlung, die ausschließlich über Hausbesuche organisiert wird – die sogenannte stationsäquivalente Behandlung (StäB).

„In den letzten Jahren beobachten wir eine deutlich zunehmende Tendenz von Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. In der psychiatrischen Behandlung dieser Altersgruppe ist es besonders wichtig, das gesamte familiäre System zu betrachten. Bei den täglichen Hausbesuchen bekommen wir einen viel intensiveren Eindruck davon, wie sich die Familienmitglieder untereinander verhalten und wie sich dieses Verhalten im Laufe der Behandlung verändert. Auch die Wohnumgebung, die Nutzung elektronischer Medien oder Details wie die Interaktion mit Haustieren können wichtige Aspekte sein, die man erst im häuslichen Umfeld wirklich miterlebt“, beschreibt Dr. Michael Kroll, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Helios Park-Klinikum Leipzig.

Die täglich stattfindenden Hausbesuche dauern jeweils 20 bis 60 Minuten. Wie diese Besuche gestaltet werden, entscheidet das Team aus Medizinern, Psychologen, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern anhand der jeweiligen Patientenhistorie: Während bei manchen das therapeutische Gespräch der beste Weg ist, üben andere mit den Kindern und Jugendlichen, sich schwierigen Situationen zu stellen und geben ihnen das Handwerkszeug für den Umgang mit ihren Ängsten mit. Auch die medikamentöse Einstellung kann ein hilfreicher Weg sein. Während der Therapie stehen die Mitarbeiter des StäB-Teams in kontinuierlichem Austausch mit anderen involvierten Stellen wie dem Kinderarzt oder -psychologen, der Schule, dem Jugendamt und teilweise auch den behandelnden Ärzten der Eltern.

Neben der Kinder- und Jugendpsychiatrie sind am Standort Leipzig ebenfalls die Kleinkindbehandlung für Patienten unter sechs Jahren, die Transitionspsychiatrie für Patienten von 18 bis 25 Jahren und die Suchtklinik (Teen Spirit Island) angesiedelt. Durch die Zusammenarbeit mit diesen Fachbereichen kann das StäB-Team ein breites Spektrum an Therapieangeboten abdecken. Ob die stationsäquivalente Behandlung für eine Familie der richtige Weg ist, entscheidet sie gemeinsam mit dem behandelnden Arzt.