Behandlung von Lungenkrebs in den USA: Immer noch große Unterschiede

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In den vergangenen Jahrzehnten hat es in der Behandlung von Lungenkrebs grundlegende Verbesserungen gegeben. Laut Forschenden der US-amerikanischen Yale University hat sich aber eines kaum verändert: die Frage, wer eine kurative Behandlung erhält.

„In den vergangenen 30 Jahren haben wir enorme Fortschritte im grundlegenden Verständnis von Lungenkrebs und in der Entwicklung neuer Behandlungsstrategien erzielt“, betont Prof. Cary Gross von der Yale School of Medicine (YSM) und Hauptautor der Studie. „Mit der Erweiterung der Behandlungsmöglichkeiten ist es immer wichtiger geworden zu verstehen, wie diese Fortschritte in der Patientenversorgung umgesetzt werden.“

Für die Studie werteten die Wissenschaftler die Behandlungsmuster von mehr als 28.000 Medicare-Versicherten aus, bei denen zwischen 2005 und 2019 Nichtkleinzelliger Lungenkrebs im Frühstadium diagnostiziert worden war. Sie stellten fest, dass schwarze Patienten deutlich seltener als weiße eine kurative Behandlung erhielten – eine Diskrepanz, die seit den frühen 1990er-Jahren mit nur minimaler Verbesserung fortbesteht.

„In den vergangenen 20 bis 30 Jahren hat die Aufmerksamkeit für Ungleichheiten in der Krebsversorgung deutlich zugenommen“, erläutert Dr. Olivia Lynch, Postdoktorandin im National Clinician Scholars Program der YSM und Erstautorin der Studie. „Deshalb stellten wir uns die Frage: Hat sich die Verteilung der Behandlungen auf bestimmte Patientengruppen verbessert?“

Unterschiede nach Hautfarbe ‒ immer noch

Obwohl die Anwendung kurativer Therapien insgesamt im Laufe der Zeit zugenommen hat, erhielten schwarze Patienten mit Lungenkrebs diese weiterhin deutlich seltener. Dies treffe insbesondere bei Operationen zu, berichtet Lynch. Wichtig ist, dass sich die Studie auf Medicare-Versicherte konzentrierte – also Patienten mit einer Krankenversicherung. Dieses Studiendesign ermöglichte es den Forschenden, eine fehlende Krankenversicherung als Hauptursache für die Ungleichheit auszuschließen.

„Die Ergebnisse deuten auf tieferliegende Probleme beim Zugang zu Versorgung hin, vor allem beim Zugang zu Operateuren und chirurgischen Leistungen“, merkt Lynch an.

Die Ergebnisse verdeutlichen zudem, wie neue Medizintechnologien Ungleichheiten unbeabsichtigt verschärfen können. So untersuchten die Wissenschaftler die Anwendung der stereotaktischen Körperbestrahlung (SBRT), die ab Anfang der 2010er-Jahre weite Verbreitung fand. Bei Einführung des Verfahrens erhielten schwarze Patienten mit Lungenkrebs deutlich seltener eine SBRT als weiße – eine Diskrepanz, die erst Jahre später geringer wurde.

Für Lynch wirft dieses Muster dringende Fragen zur Umsetzung medizinischer Innovationen auf. „Wenn man Heilmittel gegen Krebs entwickelt, diese aber nicht alle Bedürftigen erreichen, dann hat man sein Ziel verfehlt“, stellt sie klar.

Diskrepanzen offenbar schon früh im Behandlungsprozess

Die Studie verdeutlicht nicht nur Versorgungslücken, sondern hilft auch dabei, die Ursachen dieser Unterschiede zu identifizieren. Schwarze Patienten, die sich einer Operation unterzogen, erhielten genauso häufig wie weiße den leitlinienkonformen Eingriff. Dies deutet laut den Forschenden darauf hin, dass diese Diskrepanzen bereits früher im Behandlungsprozess auftreten, noch bevor die Patienten den Operationssaal erreichen.

Letztendlich hofft Lynch, dass die Ergebnisse die Diskussion über die Dokumentation von Ungleichheiten hinausführen und dazu beitragen, diese an ihren Ursachen zu beheben. „Trotz aller Bemühungen und Aufmerksamkeit haben wir uns nicht so stark verbessert, wie wir es hätten tun sollen“, sagt sie. „Im nächsten Schritt müssen wir uns fragen, warum – und was wir anders machen werden.“

(ac)

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