Bei Hodenkrebspatienten frühzeitig kardiovaskuläre Risikofaktoren beachten

Bei Hodenkrebspatienten ist es ratsam, auf kardiovaskuläre Risikofaktoren zu achten. Foto: Alexander Raths – stock.adobe.com

Eine aktuelle Studie im „Journal of Clinical Oncology“ zeigt auf, wie wichtig es ist, bei Hodenkrebspatienten kardiovaskuläre Risikofaktoren zu identifizieren und, falls erforderlich, frühzeitig auf eine Lebensstiländerung hinzuwirken.

Die Autorengruppe um Jourik A. Gietema von der Universität Groningen (Niederlande) hat kardiometabolische Risikofaktoren und die Lebensqualität (QoL) bei Hodenkrebsüberlebenden untersucht. Ihr Ziel ist es, durch diese Erkenntnisse Präventionsstrategien für kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) zu ermöglichen.

Dazu nutzten sie die Daten einer multizentrischen Kohorte mit 4748 Patienten im Alter von 12 bis 50 Jahren, die zwischen 1976 und 2007 behandelt wurden. In dieser Kohorte bestimmten sie die Inzidenz von koronarer Herzkrankheit, Myokardinfarkt und Herzinsuffizienz. Patienten, die CVD entwickelt hatten, und eine Zufallsstichprobe aus der Kohorte (Teilkohorte) erhielten einen Fragebogen zu kardiometabolischen Risikofaktoren und zur Lebensqualität. Eine Untergruppe von Respondern in der Unterkohorte wurde zusätzlich einer klinischen Bewertung von kardiovaskulären Risikofaktoren unterzogen.

Höheres Risiko bei platinhaltiger Chemotherapie

Nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 16 Jahren hatten 272 Patienten eine CVD entwickelt. Im Vergleich zur reinen Orchiektomie war die Cisplatin-Kombinations-Chemotherapie mit einem erhöhten CVD-Risiko verbunden (Hazard Ratio [HR] 1,9; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,1–3,1). Ein höheres kardiovaskuläres Risiko hatten Patienten, die zum Zeitpunkt der Diagnose fettleibig oder Raucher waren (HR 4,6; 95%-KI 2,0–10,0 bzw. HR 1,7; 95% KI 1,1–2,4), ein Raynaud-Syndrom entwickelten (HR 1,9; 95%-KI 1,1–3,6), eine Dyslipidämie aufwiesen (HR, 2,8; 95%-KI, 1,6–4,7) oder eine positive CVD-Familienanamnese hatten (HR 2,9; 95%-KI 1,7–4,9). Es berichteten mehr Hodenkrebsüberlebende mit CVD über eine schlechtere QoL in körperlichen Domänen als Überlebende, die keine CVD entwickelten. Von 304 Hodenkrebsüberlebenden, die einer klinischen Untersuchung auf kardiovaskuläre Risikofaktoren unterzogen wurden (mittleres Alter bei der Untersuchung: 51 Jahre), hatten 86 Prozent Dyslipidämie, 50 Prozent Bluthochdruck und 35 Prozent ein metabolisches Syndrom, unabhängig von der Behandlung.

Die Studie bestätigt, dass kardiovaskuläre Ereignisse bei Hodenkrebsüberlebenden die Lebensqualität beeinträchtigen. Viele dieser Patienten hatten unentdeckte kardiovaskuläre Risikofaktoren. „Wir befürworten eine frühzeitige Anpassung des Lebensstils und eine lebenslange Nachsorge mit niedrigschwelliger Behandlung kardiovaskulärer Risikofaktoren, insbesondere bei adipösen und rauchenden Patienten, die mit einer platinbasierten Chemotherapie behandelt werden“, schließen die Autoren.

(ms)