Belegarztwesen: Neue Ideen für ein bewährtes Konzept12. Dezember 2018 Ministerialdirektor Ulrich Orlowski vom Bundesgesundheitsministerium sieht die Zukunft des Belegarztwesens weniger im Einzelkämpfertum als vielmehr in neuen Behandlungsstrukturen. Foto: gol / 2018 Das bewährte Versorgungskonzept des Belegarztes wird trotz momentan schwieriger Lage Zukunft haben – wie genau es in Zukunft ausgestaltet wird, muss debattiert werden. Dies ist das Fazit eines berufspolitischen Abends bei den 22. Salzhäuser Gesprächen urologischer Belegärzte in Lüneburg. Dort diskutierten am 23.11.2018 etwa 80 Ärzte über die Zukunft des Belegarztwesens. Teilnehmer waren Dr. Ulrich Orlowski vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), Prof Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen, Daniel Cardinal von der Techniker Krankenkasse und Dr. Bernhard Gibis, KBV. Der Belegarzt sei „Arzt des Vertrauens“, so etwas wie der „medizinische Freund, der hilft, den Patienten im intersektoralen Raum zwischen der ambulanten und der stationären Welt zu führen und zu schützen“, formulierte einleitend der 1. Vorsitzende des Bundesverbandes der Belegärzte (BdB) und Gastgeber der Salzhäuser Gespräche, Dr. Andreas W. Schneider. Trotz dieser enorm positiven Wahrnehmung sei die Lage des Belegarztwesens „insgesamt düster“: Es stehe die wichtige Fragestellung im Raum, wie die bewährte, rechtssichere und ressourcensparende Versorgungsform des in die Jahre gekommenen Prinzips der bettenführenden Facharztpraxis in ein zukunftssicheres neues System überführt werden kann. Projekte zur Überwindung der Mauern KBV-Vertreter Gibis, Leiter des Dezernats Ärztliche Leistungen und Versorgungsstruktur bei der Körperschaft, beklagte eine „Mauer durch das deutsche Gesundheitswesen“. Aus Krankenkassensicht stellte Cardinal fest, dass das Belegarztwesen momentan „weder Königsweg noch idealtypische Versorgungsform“ sei. Er schlug mögliche „Hybrid-DRGs“ vor mit dem Ziel einer „einheitlichen kollektivvertraglichen Regelung, gegebenenfalls mit der Möglichkeit, Selektiverträge abzuschließen“, wozu ein Pilotprojekt in Thüringen erste positive Signale ergeben habe. Die Leistungserbringung kann dann „ambulant, tagesklinisch oder stationär erfolgen – die medizinische Notwendigkeit entscheidet“. Weiterentwicklung des „tradierten Belegarztmodells“ Wie Orlowski, Leiter der Abteilung Gesundheitsversorgung und Krankenversicherung im BMG, berichtete, entwickelt bereits eine Bund-/Länder- Arbeitsgruppe unter Beteiligung der Regierungsfraktionen Vorschläge bis 2020 für die Weiterentwicklung des stationären und ambulanten Systems zu einer sektorenübergreifenden Versorgung in Hinblick auf Bedarfsplanung, Zulassung, Honorierung, Kodierung und Kooperation der Gesundheitsberufe. Orlowski betonte, dass auf dem Weg einer Weiterentwicklung des „tradierten Belegarztmodells“ die faire und ausreichende Vergütung der Belegärzte sicher eine Rolle spiele; daher sei auch zu überlegen, ob „der EBM tatsächlich der richtige Ansatz für die Kalkulation der stationären Vergütung des Belegarztes“ ist. Grundsätzlich, so Orlowski, stelle sich die Frage, ob der sektorenübergreifende Ansatz nicht viel grundsätzlicher diskutiert werden muss als eine „Weiterentwicklung der spezialfachärztlichen Versorgung im Sinne eines abgespeckten Öffnungsmodells“. Studie analysiert liberales und reguliertes Modell Gesundheitsökonom Wasem stellte Ergebnisauszüge seiner Studie „Belegärztliche Versorgung: Historie, Entwicklungsdeterminanten und Weiterentwicklungsoptionen“ vor, die im Auftrag der KBV erstellt wurde: Die Interviewstudie seines Instituts mündet in der systematischen Analyse zweier Optionen für das Belegarztwesen: eines „liberalen“ und eines „regulierten“ Modells. Wasem legte dar, dass das „liberale Modell“ auf der „Annahme basiert, dass wenige grundsätzliche Vorgaben manifest“ seien und „die konkrete Ausgestaltung der belegärztlichen Tätigkeit weitgehend durch die individuellen Vertragspartner erfolgen kann“. Das von Wasem ebenfalls im Detail analysierte „regulierte Modell“ geht davon aus, dass es neben angemessenen ökonomischen Anreizen für die Marktteilnehmer im Gesundheitssystem weiterer gezielter Planungs- und Steuerungsmaßnahmen bedarf, um versorgungspolitische Ziele zu erreichen. Hierzu könne das reformierte Belegarztsystem einen Beitrag leisten. Die Studie geht im Detail auf Kriterien wie Versorgungsqualität, Behandlungskoordination, Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Realisierbarkeit ein. In einer anschließenden Diskussionsrunde unter Moderation des Medizinjournalisten Thomas Hegemann tauschten die Teilnehmer Einschätzungen zu Wasems Modellentwürfen aus. Ministerialdirektor Orlowski sieht die Zukunft der Belegärzte keinesfalls im „Einzelkämpfertum, vielmehr in neuen Behandlungsstrukturen, die die Bund-Länder-Kommission entwickeln soll“. Gastgeber Schneider fasste schließlich zusammen: „Es besteht ein allgemeiner Konsens, dass das Belegarztwesen weiterbesehen wird, aber es hat in jedem Fall einen Wandel vor sich.“ Die abnehmende „Ressource Arzt“ bei gleichzeitig zunehmendem Einfluss des demographischen Wandels werde den Handlungsbedarf jetzt deutlich erhöhen. (BdB/ms)
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