BEPPO: Studie zu Bewegungstherapie für krebskranke Kinder startet28. September 2026 Lange Krankenhausaufenthalte führen dazu, dass Kinder mit Krebserkrankung körperlich wenig aktiv sind. (Foto: © New Africa – stock.adobe.com) An der Uniklinik Köln beginnen in diesen Tagen die ersten Kinder- und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung mit dem neuen Bewegungsprogramm „BEPPO“. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Essen wird damit erstmals bundesweit und strukturiert vor allem die Umsetzbarkeit von Sport- und Bewegungstherapie bei krebskranken Kindern und Jugendlichen im klinischen Alltag untersucht. Eine Krebserkrankung im Kindes- und Jugendalter bedeutet oft monatelange Klinikaufenthalte, belastende Therapien und deutlich weniger körperliche Aktivität. Der damit einhergehende Bewegungsmangel wirkt sich nicht nur auf Muskelkraft und Fitness aus, sondern kann auch den Verlauf der onkologischen Therapie selbst beeinflussen. Eine Auswertung von mehr als 12.000 Studien hat gezeigt, dass individuell angepasste Bewegungsprogramme sicher durchführbar sind und insbesondere Muskelkraft, körperliche Funktion und Ausdauer verbessern können. Empfohlen werden altersgerechte, regelmäßige Ausdauer- und Krafttrainingsangebote unter fachlicher Anleitung – längere Inaktivität soll möglichst vermieden werden. Trotz der vielen wissenschaftlichen Hinweise auf ihre positiven Effekte ist Bewegungstherapie aktuell kein fester Bestandteil der kinderonkologischen Regelversorgung in Deutschland und wird nur in Ausnahmefällen von Krankenkassen erstattet. Problem: Die bisherige Studienlage war häufig auf kleine Fallzahlen beschränkt, methodisch uneinheitlich und nicht ausreichend in den klinischen Alltag eingebettet. Hier setzt BEPPO (Evaluation Bewegungs- und sporttherapeutischer Interventionen unter medizinischer Therapie in der pädiatrischen Onkologie) an: Das Bewegungsprogramm arbeitet mit standardisierten Messinstrumenten und integriert die Intervention direkt in die reale Versorgungspraxis. Bewegungstherapie soll Teil der Regelversorgung werden „Bewegung ist weit mehr als ein netter Zusatz zur medizinischen Therapie – die wissenschaftliche Evidenz zeigt zunehmend, dass Bewegung Fatigue lindern, die Mobilität erhalten und Kindern sowie Jugendlichen ein Stück Autonomie und Normalität zurückgeben kann“, erklärt Prof. Freerk T. Baumann, Leiter der AG Bewegungsmedizin im Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) der Uniklinik Köln und – gemeinsam mit PD Dr. Miriam Götte (Universitätsmedizin Essen) – Projektleiter von BEPPO. „Mit dieser Studie wollen wir erstmals belastbar zeigen, dass ein strukturiertes Bewegungsprogramm der aktuellen Regelversorgung überlegen ist. Gelingt uns dieser Nachweis, wäre das ein entscheidender Schritt hin zu einer Versorgung, die junge Krebspatientinnen und -patienten nicht nur medizinisch, sondern auch körperlich und psychisch stärkt – und langfristig sogar Folgekosten durch Spätfolgen senken könnte.“ Prof. Thorsten Simon, Leiter der Kinderonkologie an der Uniklinik Köln, ergänzt: „Bewegungsangebote haben in unserem Zentrum mittlerweile einen festen Platz, sie werden allerdings bislang ausschließlich durch unseren Förderverein finanziert. Unser gemeinsames Ziel ist es daher, diese wichtigen Therapiemaßnahmen dauerhaft in der Regelversorgung zu verankern“. Stationär, ambulant und videobasiert zu mehr Bewegung An BEPPO sollen deutschlandweit 346 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren an 13 kinderonkologischen Zentren in Deutschland mitmachen. Die Teilnehmenden der Interventionsgruppe erhalten unmittelbar nach der Diagnosestellung ein sechsmonatiges Bewegungsprogramm, das stationäre Einheiten im Krankenhaus, ambulante Angebote sowie digital begleitete Trainingseinheiten zu Hause kombiniert. So werden die jungen Patienten sowohl während der Klinikaufenthalte als auch im häuslichen Umfeld kontinuierlich unterstützt. Ergänzt werden diese Einheiten durch vier familienorientierte Bewegungsberatungen, um die Beziehung zwischen Therapeuten und den Teilnehmenden zu stärken und Barrieren für Bewegung gemeinsam zu überwinden. Verglichen wird das Programm mit einer Kontrollgruppe, die die jeweiligen standortspezifischen Bewegungs- und Versorgungsangebote erhalten. Bestätigt die Studie den erhofften Nutzen und die Umsetzbarkeit, soll das Bewegungskonzept in die kinderonkologische Regelversorgung überführt werden – als feste Ergänzung zur medizinischen Therapie und im Sinne der S2k-Leitlinie „Bewegungsförderung und Bewegungstherapie in der pädiatrischen Onkologie“. Damit könnte BEPPO langfristig dazu beitragen, dass Bewegungstherapie bundesweit zum festen Bestandteil der Behandlung krebskranker Kinder und Jugendlicher wird. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) fördert das Vorhaben seit Oktober 2025 mit rund 7,3 Millionen Euro über eine Laufzeit von 3,5 Jahren. Projektpartner sind die Krankenkassen AOK Rheinland/Hamburg, BARMER, DAK-Gesundheit und Techniker Krankenkasse
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