Berufspolitisches Seminar des BVA: „Wenn wir es nicht tun, wer dann?“

Daniel Pleger Vorstandvorsitzender des BVA auf dem Berufspolitischen Seminar der diesjährigen AAD.Foto:©Schulz/Biermann Medizin

Das diesjährige berufspolitische Seminar des Berufsverbandes der Augenärztinnen und Augenärzte Deutschlands (BVA) stand unter dem Motto „Workshop zur Karriereplanung“. Die Veranstaltung richtete sich gezielt an den augenärztlichen Nachwuchs – und war zugleich eine Informationsveranstaltung in eigener Sache: Sie sollte verdeutlichen, warum berufspolitisches Engagement für jede Augenärztin und jeden Augenarzt von Bedeutung sein sollte.

Der BVA-Vorsitzende Daniel Pleger eröffnete das Seminar mit einer grundlegenden Frage: Warum ist berufspolitisches Engagement eigentlich so essenziell? Im Verlauf der Veranstaltung schilderten zahlreiche aktive Mandatsträger ihren persönlichen Weg in und mit der Berufspolitik – mit ganz eigenen Erfahrungen und Erlebnisse. Ihre Berichte machten deutlich, warum es für Augenärztinnen und Augenärzte – unabhängig davon, ob sie in Praxis oder Klinik arbeiten, ob angestellt oder selbstständig – wichtig ist, sich für berufspolitische Themen zu interessieren und sich auch aktiv einzubringen.

„Um gute Rahmenbedingungen zu haben, muss man selbst für diese Rahmenbedingungen sorgen. Wir haben das Privileg, dies über unseren Berufsverband tun zu können“, betonte Pleger. „Denn außer uns macht das keiner.“

Auch der Geschäftsführer des BVA, Christian Gante, unterstrich die Bedeutung des Verbandes. In einem „Dschungel aus Institutionen und Organisationen“, die Ärzten vorschreiben wollen, wie sie ihre Arbeit zu erledigen haben, sei der BVA die einzige Institution, in der Augenärztinnen und Augenärzte tatsächlich die Möglichkeit hätten, mitzuwirken und etwas zu bewegen. „Wenn wir unsere Arbeit nicht aktiv selbst mitbestimmen, dann bestimmen die anderen“, so Gante.

Klinik und Berufsverband – kein Widerspruch

Oft werde angenommen, dass der Berufsverband in erster Linie für niedergelassene Augenärzte relevant sei. Das dem nicht so ist und auch Klinikärztinnen und -ärzte vom BVA profitieren können, erläuterten Dr. Myriam Böhm, Delegierte des Verbandes, und Prof. Hans Hoerauf, wissenschaftliches Vorstandsmitglied und Direktor der Augenklinik der Universitätsmedizin Göttingen.

Böhm betonte, dass sich der Verband mit zahlreichen Themen befasse, die auch oder sogar gerade für Assistenzärzte in der Klinik von großer Bedeutung seien, wie etwa das Thema Weiterbildung. So habe sie zusammen mit einer Kollegin im Ressort Assistenzärzte an der Idee und Initiierung des BVA-Facharztrepetitoriums mitgewirkt. Ziel des Repertoriums ist eine bundesweite strukturierte Vorbereitung auf die augenheilkundliche Facharztprüfung zu gewährleisten, um die Unterschiede in der Weiterbildung zwischen den Kliniken auszugleichen. Zudem engagiere sich der Verband mit zahlreichen Kursangeboten gezielt für die junge Ärztinnen und Ärzte.

Der BVA setzt sich sehr für die Interessen der Kliniken ein, wie Hoerauf betonte. Zudem haben sich die Schnittmengen zwischen Kliniken und Praxen in den vergangenen Jahren deutlich vergrößert, erklärte er. Ob Abrechnungsfragen bei unter anderen ambulanten Operationen, Leitlinien, Stellungnahmen, elektronische Patientenakte, Telemedizin oder auch in der Weiterbildung, das ist für beide Bereiche relevant. Hoerauf ist der Meinung, dass man das gemeinsam gestalten müsse, wenn alle profitieren wollen.

Warum auch Angestellte profitieren

Dass sich eine Mitgliedschaft im Berufsverband auch für angestellte Augenärztinnen und Augenärzte lohnt, erläuterten Vorstandsmitglied Dr. Inger Lüdeke und Dr. Christoph-Bernward Brattig beide tätig im BVA-Ressort Angestellte Augenärztinnen und Augenärzte.

Brattig zeigte anhand einer Grafik, dass die Angestellten inzwischen eine sehr große Gruppe innerhalb der Facharztgemeinschaft darstellen und somit auch in der Berufspolitik eine wichtige Rolle spielen. Das Ressort wurde gegründet, um sich gezielt für die Anliegen dieser Gruppe einzusetzen. Brattig berichtete zudem von einer vom BVA in Zusammenarbeit mit Omnivision durchgeführten Umfrage unter jungen Augenärzten. Diese zeigt, dass für sie vor allem die Arbeitsbedingungen von zentraler Bedeutung sind. Aber gute Arbeitsbedingungen entstehen nicht von allein, wie Brattig betonte. „Sie sind kein Zufall, sondern brauchen eine Interessenvertretung.“

Der Berufsverband unterstützt angestellte Augenärzte unter anderem durch Informationen zu strukturellen Rahmenbedingungen, berichtete Lüdeke. Hier etwa über das Verbandsmagazin „Der Augenarzt“ oder natürlich auch durch direkte Beratung. Im Verbandsmagazin gebe es eigens dafür auch eine Rubrik, die sich mit den aktuellen an das Ressort herangetragene Fragen beschäftigt. Dabei gehe es um ganz praktische Fragen des Berufsalltags: Wie führt man ein Personalgespräch? Welche Nebentätigkeiten sind erlaubt? Oder wie funktioniert die Abrechnung? Und da gute Arbeitsbedingungen kein Zufall sind, braucht es eine starke Interessensvertretung und diese kann aus Sicht Lüdekes eben nur von den Augenärzten selbst kommen.

Praxisgründung Wissensvorsprung durch BVA-Mitgliedschaft

Auch bei der Niederlassung kann eine BVA-Mitgliedschaft viele Vorteile bringen. Dr. Nikolai Gross und Dr. Phillip Schwarz schilderten anhand ihrer unterschiedlichen Wege in die eigene Praxis, welchen Wissensvorsprung und welche Unterstützung der Verband in dieser Phase bieten kann.

Orientierung für Assistenzärztinnen und Assistenzärzte

Wie der BVA bereits während der Weiterbildung bei der Karriereplanung hilft, erklärten die Assistentenbeauftragten des Ressorts Weiterbildung Dr. Phillip Bachmann und Dr. Marian Kiel. Der Verband verschaffe jungen Kolleginnen und Kollegen nicht nur einen besseren Überblick über berufliche Perspektiven und biete umfangreiche Informationsangebote zur Niederlassung, sondern auch viele praktische Kurse zur Weiterbildung und sogar gar einen Überblick über den lokalen Stellenmarkt. Der BVA habe ein Angebot für jeden, wie Kiel betonte.

Ansprechpartner auf Landesebene

Auch auf regionaler Ebene stehen Ansprechpartner bereit. Die Landesvorsitzenden Dr. Bernhard Bambas (Schleswig-Holstein) und Vorstandvorsitzender Dr. Clemens Flamm (Hamburg) verstehen sich als erste Anlaufstelle für berufspolitische Fragen in ihren Bundesländern. Sie bieten Unterstützung, geben Orientierung oder vermitteln bei Bedarf Kontakte. Aber erfolgreiche Verbandsarbeit ist Teamarbeit: „Nur im Team können wir erfolgreich sein“, wie Flamm ergänzte.

(sas/BIERMANN)