Bessere Versorgung von Jugendlichen mit Adipositas6. Januar 2020 Foto: © terovesalainen, AdobeStock Rund 200.000 Jugendliche leiden in Deutschland an extremer Adipositas – eine körperliche aber auch psychische Belastung für die jungen PatientInnen. In der multizentrischen „JA“- Studie wurden nun erstmals Informationen für eine bessere Betreuung und Behandlung von Jugendlichen mit extremer Adipositas gesammelt und untersucht. Im Zuge der Studie, die von Prof. Martin Wabitsch, Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Ulm geleitet und koordiniert wurde, untersuchten die beteiligten ExpertInnen von 2012 bis 2019 431 junge Menschen mit extremer Adipositas in Deutschland. Aus den Ergebnissen entstand nun ein fundiertes und standardisiertes Betreuungs- und Behandlungskonzept sowie eine Checkliste mit Kriterien für einen chirurgischen Eingriff bei extrem adipösen Jugendlichen sowie ein Schulungsprogramm zur Vor- und Nachsorge. Die hohe Zahl der StudienteilnehmerInnen macht die Studie nach Ansicht der Forscher einzigartig, da sich die Rekrutierung von ProbandInnen dieser Patientengruppe schwierig gestaltet. „Gerade junge Erwachsene mit extremer Adipositas suchen meist nicht nach medizinischen Behandlungsmöglichkeiten. Sie fühlen sich diskriminiert und kämpfen in unserer Gesellschaft oft mit Stigmatisierung“, erklärte Studienleiter Wabitsch. „Wird eine extreme Adipositas im Jugendalter nicht behandelt, kann dies zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2, Depressionen oder orthopädischen Problemen führen“, ergänzte der Kinder- und Jugendarzt. Die Studie umfasste ein Drei-Phasen-Programm, in dem sich die jungen PatientInnen im ersten Schritt auf ihren körperlichen und psychischen Gesundheitszustand untersuchen lassen konnten. So konnte die weitere Betreuung festgelegt werden. Die zweite Phase bestand in einem drei- bis sechsmonatigen Gruppenprogramm, mit dem Ziel, die Lebensqualität und Krankheitsakzeptanz der PatientInnen zu verbessern. In der dritten und letzten Phase wurde den Jugendlichen dann eine individuelle Therapie angeboten, unter anderem auch ein bariatrisch-chirurgischer Eingriff, um eine langfristige Gewichtsreduktion erreichen zu können. Unterstützt wurde die „JA“-Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit rund vier Millionen Euro. Neben dem Universitätsklinikum Ulm waren die Berliner Charité, das Universitätsklinikum Leipzig, das LVR- Klinikum Essen sowie die Vestische Kinder- und Jugendklinik Dattel als Studienzentren an dem Projekt beteiligt. Die Ergebnisse sind nach Einschätzung der Forscher vor allem für Krankenkassen interessant, die nun auf der Grundlage der Studie besser entscheiden könnten, für welche Therapien PatientInnen Unterstützung bekommen sollten.
Mehr erfahren zu: "Extreme Tierarten als Schlüssel für Erkrankungen des Menschen" Extreme Tierarten als Schlüssel für Erkrankungen des Menschen Zahlreiche Tiere leben in extremen Umgebungen und haben ihren Stoffwechsel entsprechend angepasst. Wissenschaftler zeigen nun, dass sich aus diesem Wissen Lösungen entwickeln lassen könnten, die gegen Erkrankungen beim Menschen helfen. […]
Mehr erfahren zu: "DEGAM begrüßt Gesetzesinitiative zur Zuckersteuer" DEGAM begrüßt Gesetzesinitiative zur Zuckersteuer Schleswig-Holstein kündigte Pläne für eine bundesweite Zuckersteuer an. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) begrüßt die Initiative.
Mehr erfahren zu: "Osteoporose: Glätteunfälle als Warnsignal" Osteoporose: Glätteunfälle als Warnsignal Glätteunfälle sind im Winter eine häufige Ursache für Knochenbrüche – insbesondere bei älteren Menschen. Frakturen können auch ein erstes Anzeichen für eine bislang unerkannte Osteoporose sein, warnt die Deutsche Gesellschaft […]