Besserer Schutz vor vererbbarem Krebs1. März 2021 PD Dr. Anke Bergmann, Dr. Johanna Tecklenburg und Prof. Dr. Brigitte Schlegelberger. Foto: © Karin Kaiser / MHH. MHH-Projekt will genetische Beratung und Diagnostik bundesweit ausbauen – Innovationsfonds fördert OnkoRisk NET mit 2,5 Millionen Euro. Wenn Krebs in der Familie liegt, ist die Verunsicherung groß. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) will die Versorgung von Betroffenen mit einem neuen Ansatz verbessern. „Dazu werden wir das Projekt OnkoRisk NET starten, das flächendeckend den von einem Tumorrisikosyndrom Betroffenen eine humangenetische Beratung und Diagnostik bieten soll“, sagt Prof. Brigitte Schlegelberger, Leiterin des Instituts für Humangenetik der MHH. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses fördert das Projekt „OnkoRisk NET – Kooperationsnetzwerk zur wohnortnahen Versorgung von Patienten und Familien mit einem genetischen Tumorrisikosyndrom“ unter Federführung der MHH mit rund 2,5 Millionen Euro.In Deutschland erkranken jährlich fast eine halbe Million Menschen an Krebs. Mindestens fünf bis zehn Prozent dieser Tumorerkrankungen haben eine erbliche Ursache und treten als Tumorrisikosyndrom auf. Verantwortlich sind krankheitsverursachende Genveränderungen, die innerhalb der Familie vererbt werden können und zu einer familiären Häufung charakteristischer Tumorerkrankungen und Erkrankungen in jungem Lebensalter führen. Im Rahmen von genetischer Beratung und Diagnostik kann die Diagnose eines Tumorrisikosyndroms gesichert werden. Die Diagnose ermöglicht eine personalisierte Prävention und Therapie und die Identifikation weiterer betroffener Familienmitglieder. In Deutschland fehlt dafür insbesondere im ländlichen Raum ein flächendeckender Zugang zur humangenetischen Patientenversorgung.Betroffene und Familien profitieren von der Diagnose„Wir sehen bei Krebspatientinnen und -patienten sowie ihren Familien einen großen Bedarf zur Abklärung einer möglichen erblichen Ursache der Erkrankung“, sagt Dr. Johanna Tecklenburg vom Institut für Humangenetik der MHH, die das Projekt auf den Weg gebracht hat. „Wir wissen zudem aus Studien und aus eigener Erfahrung, dass Patientinnen und Patienten nicht nur von präventiven Maßnahmen und Therapieoptionen, sondern auch auf psychosozialer Ebene von genetischer Beratung enorm profitieren.“ PD Dr. Anke Bergmann ergänzt: „Es war uns ein Herzensanliegen, hier ein innovatives Konzept zu entwickeln, mit dem die Versorgung von Patientinnen, Patienten und Familien mit einem Tumorrisikosyndrom in enger Zusammenarbeit mit Onkologinnen und Onkologen vor Ort verbessert werden kann.“Telemedizin und strukturierte BehandlungspfadeMit dem Projekt OnkoRisk NET soll ein Kooperationsnetzwerk aus niedergelassenen Onkologen sowie Fachärzten für Humangenetik in den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen geschaffen werden. Mit strukturierten Behandlungspfaden, Unterstützung bei der Indikationsstellung und Befundinterpretation und telemedizinischer genetischer Beratung sollen der Zugang zu genetischer Beratung, Diagnostik und risikoadaptierter Prävention bei genetischen Tumorrisikosyndromen in strukturschwachen Regionen gesichert werden.„Kaum ein Fach erlebt aktuell einen derart rasanten Technologie-, Wissens- und Bedeutungszuwachs, wie es in der Humangenetik der Fall ist. Umso wichtiger ist es Versorgungskonzepte wie OnkoRiskNET zu entwickeln, die mit dieser Entwicklung Schritt halten und auch in Zukunft eine flächendeckende humangenetische Versorgung sichern“, sagt Schlegelberger. Das Projekt startet im Juli 2021 und wird über vier Jahre mit insgesamt rund 2,5 Millionen Euro aus Mitteln des Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses unterstützt. Projektbeteiligte sind neben dem MHH-Institut für Humangenetik auch das Institut für Medizinische Genetik des Universitätsklinikums Dresden, die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, die Landesverbände Niedersachsen und Sachsen des Berufsverbandes der Hämatologen und Onkologen sowie die AOK Niedersachsen.
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