Bewegung, die Gehirn und Körper trainiert, hilft bei ADHS-Symptomen16. April 2026 Ein 12-wöchiges integriertes kognitiv-motorisches Trainingsprogramm konnte die Kernsymptome von ADHS reduzieren. (Symbolbild: © koldunova/stock.adobe.com) Eine 12-wöchige Kombination aus Bewegung und kognitiven Aufgaben verbessert Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit bei Kindern mit ADHS stärker als reines Ausdauertraining und könnte eine sichere, praxisnahe Alternative oder Ergänzung zur medikamentösen Therapie darstellen. Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) können von Bewegung profitieren, die sowohl den Körper als auch das Gehirn fordert. Eine randomisierte klinische Studie zeigte, dass ein 12-wöchiges integriertes kognitiv-motorisches Trainingsprogramm die Kernsymptome von ADHS reduzierte und gleichzeitig wichtige exekutive Funktionen, insbesondere Inhibitionskontrolle und unmittelbares Arbeitsgedächtnis, verbesserte. Auch klassisches aerobes Training verringerte Unaufmerksamkeit sowie Hyperaktivität/Impulsivität, während das kombinierte Training breitere kognitive Vorteile und höhere Zufriedenheit bei Eltern erzielte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass strukturierte Bewegung in Verbindung mit kognitiven Anforderungen eine sichere, praxisnahe und motivierende nicht-medikamentöse Strategie zur Bewältigung ADHS-bedingter Schwierigkeiten im Alltag von Kindern darstellen könnte. Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine der häufigsten neurologischen Entwicklungsstörungen im Kindesalter und ist nicht nur durch Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität gekennzeichnet, sondern auch durch Schwächen in exekutiven Funktionen wie Impulskontrolle, Arbeitsgedächtnis und kognitiver Flexibilität. Medikamente sind nach wie vor die primäre Behandlungsmethode, jedoch sprechen manche Kinder schlecht darauf an, leiden unter Nebenwirkungen oder haben Schwierigkeiten mit der langfristigen Therapietreue. Bewegung hat sich als vielversprechende nicht-medikamentöse Option erwiesen, doch die meisten Programme konzentrieren sich auf Ausdauertraining und vernachlässigen die motorischen und kognitiven Herausforderungen, mit denen viele Kinder mit ADHS gleichzeitig konfrontiert sind. Angesichts dieser Herausforderungen ist vertiefte Forschung zu Bewegungsansätzen erforderlich, die Kognition und Bewegung gleichzeitig trainieren. Studie: integriertes kognitiv-motorisches vs aerobes Training Die Studie von Forschern der Pädagogischen Universität Peking, der Sportuniversität Peking, des Rehabilitationskrankenhauses Xuzhou (angeschlossen an die Medizinische Universität Xuzhou) und des Sechsten Krankenhauses der Universität Peking wurde im „World Journal of Pediatrics“ veröffentlicht. Sie zeigt, dass ein 12-wöchiges integriertes kognitiv-motorisches Bewegungsprogramm die Kernsymptome von ADHS bei Kindern reduzierte und stärkere Verbesserungen der Impulskontrolle und des Kurzzeitgedächtnisses bewirkte als Ausdauertraining allein. Dies deutet auf eine vielversprechende nicht-medikamentöse Strategie für ein umfassenderes ADHS-Management hin. In dieser multizentrischen Studie wurden 107 Kinder mit ADHS im Alter von 6 bis 10 Jahren drei Gruppen zugeteilt: integriertes kognitiv-motorisches Training, aerobes Training oder Kontrollgruppe (Warteliste). Beide Trainingsgruppen absolvierten drei 45-minütige Einheiten pro Woche. Das integrierte Programm kombinierte Lauf-, Objektkontroll-, Gleichgewichts- und Feinmotorikaufgaben mit kognitiven Herausforderungen wie Stop-Go-Signalen, Umkehrbefehlen, mehrstufigen Bewegungssequenzen und Regelwechseln, um Inhibition, Arbeitsgedächtnis und kognitive Flexibilität gezielt zu trainieren. Die aerobe Gruppe absolvierte moderat intensive Laufband- oder Fahrradergometer-Einheiten bei gleicher Frequenz und Dauer. Die ADHS-Symptome wurden mit der SNAP-IV-Skala erfasst, exekutive Funktionen mittels Stroop-Test, Rey–Osterrieth Complex Figure Test und Trail Making Test gemessen. Unterschiede im Effekt auf Stroop-Test und Arbeitsgedächtnis Beide Trainingsformen reduzierten signifikant Unaufmerksamkeit sowie Hyperaktivität/Impulsivität im Vergleich zur Kontrollgruppe. Das integrierte Programm führte jedoch zu einer stärkeren Verringerung der Stroop-Farb-Wort-Interferenzzeit als aerobes Training und Kontrolle und übertraf beide Gruppen auch im unmittelbaren Arbeitsgedächtnis. Die Trainingsgruppen verbesserten zudem die kognitive Flexibilität, während keine unerwünschten Ereignisse auftraten. Die Studie legt nahe, dass Bewegung bei Kindern mit ADHS nicht immer gleich wirkt. Wenn Bewegung mit Aufgaben kombiniert wird, die das Erinnern von Regeln, das Unterdrücken von Reaktionen und schnelle Anpassung erfordern, kann das Training die mentalen Systeme, die die Selbstkontrolle unterstützen, direkter stärken. Die Forscher vermuten, dass dieses Format mit hoher kognitiver Belastung erklären könnte, warum integriertes kognitiv-motorisches Training über herkömmliche Aerobic-Übungen hinaus zusätzliche Vorteile bot, insbesondere in Bezug auf die Impulskontrolle und das unmittelbare Gedächtnis, die für das tägliche Funktionieren in Schule und Familie zentral sind. Praxisrelevanz und Perspektiven Die Ergebnisse liefern ein praxisnahes Modell, das für Schulen, Kliniken und Gemeindeprogramme adaptiert werden könnte. Statt Bewegung lediglich als generelles Energieventil zu nutzen, könnten Pädagogen und Therapeuten strukturierte Spielformen entwickeln, die gezielt Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Verhaltenskontrolle während der Bewegung trainieren. Die Intervention war sicher, praktikabel und bei Eltern gut angenommen und könnte sowohl als wertvolle Ergänzung zu medikamentöser Therapie dienen als auch eine Alternative für Familien darstellen, die nicht-pharmakologische Unterstützung suchen. Darüber hinaus eröffnet die Studie Perspektiven für künftige Forschungen zu Langzeiteffekten und neuronalen Mechanismen, einschließlich der Frage, wie integriertes Training neuronale Schaltkreise für Aufmerksamkeit und exekutive Kontrolle verändert. (lj/BIERMANN) Das könnte Sie zum Thema ADHS auch interessieren: Diabetes und ADHS: Wenn der Alltag zur doppelten Herausforderung wird ADHS-Symptome bei Erwachsenen lassen sich mit digitaler Anwendung verringern
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