Bewerbung aus Sachsen um Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit

Foto: ©by Anja Greiner Adam – stock.adobe.com

Wie steht es um die psychische Gesundheit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen? WissenschaftlerInnen der TU und des Uniklinikums Dresden wollen Antworten auf diese Frage finden und Therapieansätze entwickeln. Gemeinsam mit Forschern aus Leipzig haben sie sich deshalb als Standort für das Deutsche Zentrum für Psychische Gesundheit beworben.

Die Adoleszenz und das junge Erwachsenenalter der 15- bis 25-Jährigen gilt als kritische Phase der psychologischen Reifung, die Auswirkungen auf das lebenslange Wohlbefinden hat. Gleichzeitig birgt diese Dekade ein erhebliches Risiko, psychische Störungen zu entwickeln. Dreiviertel aller später diagnostizierten psychischen Erkrankungen haben ihren Ursprung in dieser Altersspanne. „Dieser für die weitere Entwicklung bedeutsamen Lebensperiode wurde bisher in der Forschung zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt“, erklärt Prof. Michael Bauer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Dresden.

Bauer, zugleich Sprecher des mit Leipzig gemeinsam gegründeten Konsortiums Mental Health Dresden-Leipzig, möchte dies ändern. Partner des Forschungsverbundes sind neben zwölf psychiatrischen Kliniken aus Sachsen auch das Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, beide in Leipzig, sowie das Robert-Koch-Institut in Berlin.

Während die Leipziger Kollegen die mit psychischen Erkrankungen verbundene Stigmatisierung und Behandlungsbarriere in der Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen in den Fokus nehmen wollen, „werden wir uns in Dresden mehr der Grundlagenforschung und Translation der Ergebnisse in die klinische Praxis widmen“, sagt Bauer. „Wir wollen die kognitiven und neuronalen Mechanismen der Krankheitsentstehung verstehen. Auf deren Basis sollen Methoden zur verbesserten Früherkennung entwickelt und wirksame Therapieansätze ausgearbeitet werden. Hierfür nutzen wir insbesondere die modernen digitalen Möglichkeiten. Der neurowissenschaftliche Anteil unserer Arbeit, bei der wir uns die Gehirne der jungen Menschen über verschiedene technische Verfahrenswege genau ansehen können, wird dabei groß sein“, fügt der Sprecher des Konsortiums an.

Im Juli dieses Jahres hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Ausschreibung für das Deutsche Zentrum Psychischer Gesundheit veröffentlicht. Ziel der Zentren ist es, beste Forschungsbedingungen zu schaffen, um Volkskrankheiten wirkungsvoll zu bekämpfen. Dass dabei fachliche Kompetenzen gebündelt werden, ist ein zentraler Punkt der Ausschreibung. Bislang gibt es solche Zentren u.a. für die Lungenforschung, neurodegenerative Erkrankungen, Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen.

Erhält das sächsische Konsortium den Zuschlag, bleiben sechs Monate Zeit, ein Konzept für die gemeinsame Arbeit an den ausgewählten Standorten zu erarbeiten. 2021 soll die Entscheidung fallen, welche Standorte künftig zum Deutschen Zentrum für psychische Gesundheit gehören. Bundesweit haben voraussichtlich sechs bis acht Forschungsstandorte eine Chance. Unterstützt wird die Bewerbung von der TU Dresden, der Universität Leipzig und vom Sächsischen Wissenschaftsministerium.