Bewertung kutaner Nebenwirkungen onkologischer Therapien

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Forschende aus den USA fordern die Aktualisierung eines weit verbreiteten Systems zur Graduierung von Nebenwirkungen onkologischer Therapien. Die derzeitigen Kriterien könnten die Schwere kutaner Toxizitäten nicht zuverlässig abbilden.

In einem Beitrag im „JAMA Oncology“ skizzieren Dermatologen und Onkologen von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York (USA) zentrale Limitationen der Version 6.0 der Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE), des weltweit verwendeten Standardrahmens zur Erfassung unerwünschter Ereignisse in onkologischen Studien. Die Botschaft ist besonders relevant, da kutane Nebenwirkungen wie Exantheme und Pruritus mit der zunehmenden Anwendung von Immuntherapien und zielgerichteten Therapien immer häufiger werden.

Inkonsistente Dokumentation und eingeschränkte Vergleichbarkeit

Die Autoren argumentieren, dass das aktuelle System die Schweregrade zu eng an die Art der Behandlung koppelt, anstatt an die tatsächliche Beeinträchtigung der Patienten, was zu inkonsistenter Dokumentation und erschwerter Vergleichbarkeit zwischen Studien führen kann. „CTCAE spielt eine zentrale Rolle bei der Bewertung onkologischer Therapien, aber für kutane Toxizitäten bildet das aktuelle Rahmenwerk nicht vollständig ab, wie Dermatologen diese Krankheitsbilder heute diagnostizieren und behandeln“, sagt Dr. Nicholas Gulati. „Wenn der Schweregrad über den therapeutischen Ansatz statt über die Symptomatik oder Ausdehnung der Erkrankung definiert wird, riskieren wir Fehleinstufungen von Nebenwirkungen und eine zusätzliche Variabilität zwischen Institutionen.“

Obwohl die Version 6.0 der CTCAE einige Verbesserungen eingeführt hat, darunter stärker patientenorientierte Kriterien für bestimmte Entitäten, definieren viele Kategorien den Schweregrad weiterhin anhand des Bedarfs an, oder der Art von, Therapieeskalation (z.B. topische versus orale versus intravenöse Therapie). Nach Auffassung der Autoren steht dieser Ansatz nicht im Einklang mit der modernen dermatologischen Praxis. Neuere Therapien, einschließlich subkutan applizierter Biologika, werden mittlerweile routinemäßig eingesetzt und oft früh im Krankheitsverlauf initiiert – das aktuelle Graduierungssystem bildet diese Optionen jedoch nicht adäquat ab.

In der Konsequenz kann derselbe kutane Befund je nach Behandlungsort oder involviertem Fachgebiet unterschiedlich graduiert werden, was die Ergebnisdarstellung in klinischen Studien und regulatorische Entscheidungen erschwert.

Patientenberichtete Symptomlast im Vordergrund

Zur Lösung dieser Probleme schlägt das Mount-Sinai-Team einen alternativen Graduierungsansatz vor, der die Schwere losgelöst von der Therapieart erfasst und stattdessen die patientenberichtete Symptomlast (z.B. Pruritus, Schmerzen, Schlafstörungen), die Beeinträchtigung der Alltagsaktivitäten und der Lebensqualität sowie das Ausmaß des Hautbefalls (z.B. lokalisiert vs. disseminiert) in den Vordergrund stellt. Dieses Modell ist darauf ausgerichtet, unabhängig vom Versorgungskontext oder von Verordnungsmustern zu konsistenteren und klinisch relevanteren Beurteilungen zu führen. „Unser Ziel ist ein System, das besser abbildet, was Patienten tatsächlich erleben“, sagt Gulati. „Durch den Fokus auf Symptomatik und Lebensqualität können wir sowohl die Genauigkeit der Berichterstattung als auch die klinische Relevanz der Daten verbessern.“

Da die CTCAE weltweit in onkologischen klinischen Studien verwendet wird, können Inkonsistenzen in der Graduierung beeinflussen, wie neue Therapien evaluiert, verglichen und letztlich zugelassen werden. Die Autoren betonen, dass eine Verbesserung dieses Rahmenwerks Quervergleiche zwischen Studien erleichtern, klinische Leitlinien informieren und reale Patientenerfahrungen besser abbilden könnte.

Der Beitrag plädiert zudem für eine engere Zusammenarbeit zwischen Dermatologen, Onkologen und dem National Cancer Institute bei zukünftigen Aktualisierungen der CTCAE, um sicherzustellen, dass das System mit den sich weiterentwickelnden Therapieansätzen Schritt hält. (ins)