Bilanz nach den ersten acht Monaten: UKL ist angekommen im neuen Zeitalter der Zelltherapie31. Januar 2020 Der erste Patient am UKL erhält im Juni 2019 sein in einem Speziallabor behandeltes Zellmaterial per Infusion zurück. Ein bedeutender Moment für Prof. Uwe Platzbecker (im Hintergrund, Mitte). Foto: © Stefan Straube / UKL Für Prof. Uwe Platzbecker, Direktor der Medizinischen Klinik I und Leiter des Bereichs Hämatologie und Zelltherapie, war es „ein wichtiger Meilenstein“ – die erste Anwendung der Gentherapie „Kymriah“ bei einem Patienten am Universitätsklinikum Leipzig im Juni 2019. Zum Weltkrebstag 2020 am 4. Februar zieht der UKL-Mediziner eine erste Bilanz: „Die neue Zelltherapie ist am UKL angekommen.“ Das Leipziger Klinikum sei zudem eine der ersten deutschen Kliniken, in denen bereits zwei der zugelassenen „lebenden Medikamente“ zum Einsatz kommen. Nach mehr als einem halben Jahr sei das Verfahren im besten Sinn zur Routine geworden, erklärt Platzbecker. Die Abläufe seien eingespielt, sein Team habe die nötigen Erfahrungen gesammelt: „Wir erhalten Zuweisungen aus regionalen und überregionalen Kliniken“, so der UKL-Experte. Aktuell sei sogar eine Patientin aus Indien in Behandlung.Bald werden es zehn Patienten sein, derzeit pro Monat mindestens einer. Mittlerweile können sie nicht nur mit der Gentherapie „Kymriah“ behandelt werden, sondern auch mit „Yescarta“, einer weiteren zugelassenen CAR-T-Zelltherapie für fast deckungsgleiche Indikationen. CAR-T steht für „Chimeric Antigen Receptor T-Zell-Therapie“, da kein Antikörper die Krebszelle bindet und zerstört, sondern die Immunzelle, also die T-Zelle selbst. „Als eine der ersten Kliniken in Deutschland haben wir die Voraussetzungen geschaffen, beide ‚lebenden Medikamente‘, wie sie auch genannt werden, anzuwenden“, erklärt Platzbecker. „Das ist mir sehr wichtig, zeigt und würdigt es doch die hohe Qualität meiner Mitarbeiter und die der klinischen Versorgung im Ganzen und macht stolz“, so der Leipziger Mediziner. Wie so oft in der hämatologischen Onkologie sind die Erfahrungen nach den ersten Behandlungen grundsätzlich positiv, doch dies nicht uneingeschränkt: „Insgesamt konstatieren wir eine gute Verträglichkeit der Medikamente. Doch leider hat nicht jeder Patient von der Behandlung profitieren können“, sagt Platzbecker. Man dürfe nicht vergessen, dass die Therapien erst zum Einsatz kommen, wenn die Erkrankung sehr weit fortgeschritten ist und sich bei Lymphdrüsenkrebs auch während einer solchen Behandlung Mechanismen entwickeln, um sich dem Immunsystem zu entziehen, erläutert er. Eine der Konsequenzen aus dem ersten halben Jahr ist, dass nun im Rahmen von Studien der Einsatz der Therapie bereits in früheren Stadien der Erkrankung getestet wird. „Weiterhin planen wir gemeinsame Forschungsprojekte mit dem Leipziger Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI)“ führt Platzbecker aus. So wollen die Ärzte und Wissenschaftler unter anderem die Lebensdauer der CAR-T-Zellen im Blut verfolgen. Neben einem Speziallabor in den USA ist es im Übrigen auch das IZI, an dem die „lebenden Medikamente“ für die UKL-Patienten hergestellt werden. Geleitet wird die Einrichtung von Prof. Ulrike Köhl, die in Personalunion auch das Institut für Klinische Immunologie am UKL führt.
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