Biologikatherapie bei Asthma: Chronische Einnahme von PPIs mit häufigeren Exazerbationen assoziiert21. Oktober 2026 Abbildung: Mahmoud-Ahmed/pixabay.com Speziell bei Personen, die aufgrund von Asthma eine biologische Therapie erhalten, und zudem dauerhaft Protonenpumpeninhibitoren (PPIs) einnehmen, sollte sorgfältig geprüft werden, ob die letztgenannte Behandlung überhaupt weiterhin nötig ist, wenn kein eindeutiger Hinweis auf ein Magengeschwür vorliegt. Dies geht aus einer Studie hervor, die gerade auf der vom American College of Chest Physicians veranstalteten Jahrestagung CHEST 2026 (18.–21.10. Phoenix/USA) vorgestellt wurde. Darin PPIs bei Patienten mit schwer behandelbarem Asthma, die mit Biologika behandelt werden, mit einer Zunahme von Asthma-Exazerbationen, dem Einsatz systemischer Corticosteroide, Atemwegsinfektionen sowie einer häufigeren Inanspruchnahme medizinischer Versorgungsleistungen einhergeht. Retrospektiver Vergleich der Outcomes bei PPI-Anwendern und Nicht-Anwendern Auf dem Kongress berichteten die Forschenden über ihre retrospektive Kohortenstudie mit Propensity-Score-Matching, für die sie Daten aus dem TriNetX US Collaborative Network genutzt hatten. Dabei handelt es sich um einen Verbund von 65 Gesundheitseinrichtungen. Die Studie umfasste Erwachsene mit Asthma, die in den Jahren 2014 bis 2025 eine Biologikatherapie erhalten hatten. Patienten mit gesicherten, Ulkus-bedingten Indikationen für eine PPI-Therapie wurden von der Analyse ausgeschlossen, um eine rein empirische (nicht durch ein Ulkus begründete) PPI-Anwendung zu isolieren. Die Forschenden verglichen PPI-Anwender mit Nicht-Anwendern und werteten deren Outcomes für den Zeitraum von Tag 1 bis 365 nach der ersten Verschreibung (Index-Verschreibung) aus. Nützlich bei manchen Asthmapatienten, Assoziation mit unerwünschten Ereignissen bei anderen Bei einer kleinen Untergruppe von Asthmapatienten – insbesondere bei solchen mit nächtlichen Symptomen und gleichzeitigem Reflux – erwiesen sich PPIs als in begrenztem Ausmaß als nützlich. Allerdings gebe es, so die Autoren, zunehmend Hinweise darauf, dass eine langfristige PPI-Einnahme mit infektiösen und systemischen unerwünschten Ereignissen in Verbindung steht. Gegenstand der aktuell vorgestellten Untersuchung war daher die Sicherheit einer chronischen PPI-Einnahme bei Patienten mit schwer behandelbarem Asthma unter Biologikatherapie, ohne dass bei ihnen gesicherte, Ulkus-bedingte Indikationen vorlagen. Nach dem Propensity-Score-Matching verblieben in beiden Kohorten jeweils 1228 Patienten mit vergleichbaren Ausgangsmerkmalen. Die in die Studie eingeschlossenen Patienten wurden ein Jahr lang nachbeobachtet. Dabei erwies sich eine chronische PPI-Einnahme als mit signifikant höheren Raten an Asthma-Exazerbationen (31,9% vs. 22,6%; Odds Ratio [OR] 1,60) assoziiert. Ein signifikanter Zusammenhang zeigte sich außerdem mit dem Einsatz systemischer Corticosteroide (72% vs. 40%; OR 3,88), mit Atemwegsinfektionen (8,4% vs. 2,3%; OR 3,83), mit Aufnahmen auf eine Intensivstation (4,3% vs. 1,2%; OR 3,65) sowie mit dem Aufsuchen einer Notaufnahme (15,6% vs. 8,4%; OR 2,00). In Bezug auf die Mortalität insgesamt ergab sich zwischen den untersuchten Gruppen kein signifikanter Unterschied. Gabe von PPIs immer wieder neu bewerten „Ärzte sollten die Notwendigkeit einer chronischen PPI-Therapie bei mit Biologika behandelten Asthmapatienten ohne eindeutige Indikation für ein Ulkus sorgfältig neu bewerten“, betonte daher Dr. Joshua Le, Assistenzarzt für Innere Medizin sowie Pulmonologie und Intensivmedizin am Allegheny Health Network in Pittsburgh (USA) und einer der Autoren der Arbeit, die auf der CHEST-Konferenz vorgestellt wurde. „Bei der fortgesetzten chronischen Anwendung von PPIs handelt es sich häufig um ein Versäumnis: Dann wird die Therapie über die anfängliche kurzfristige Indikation hinaus weitergeführt, obwohl die Symptome abgeklungen sind oder kein objektiver Bedarf besteht. Eine proaktive Abgleichung der Medikamente, eine klare Dokumentation der Indikation und strukturierte Strategien zur Reduzierung der Medikamenteneinnahme können eine unnötige Langzeitexposition verringern und dazu beitragen, vermeidbare Erkrankungen in dieser vulnerablen Patientengruppe zu mindern.“ Die präsentierten Forschungsergebnisse deuten damit darauf hin, dass eine langfristige Säurehemmung einen modifizierbaren Risikofaktor bei mit Biologika behandelten Patienten mit schwer behandelbarem Asthma darstellen kann. Dieser Zusammenhang könnte durch eine Veränderung des Mikrobioms und eine erhöhte Anfälligkeit für Atemwegserreger vermittelt werden, vermuten die Autoren. (ac/BIERMANN)
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