Blasen- und Nerventumoren: Urin- und Blutproben können bei Diagnose und Behandlung helfen3. September 2021 Tumor-Biopsien aus Körperflüssigkeiten – die Zukunft? Foto: ©Szakaly – stock.adobe.com Mittels Blut- und Urintests könnten Tumoren des Urogenital- und des Nervensystems künftig schneller und weniger invasiv diagnostiziert und überwacht werden. Dies zeigen zwei von der Washington University School of Medicine in St. Louis (USA) geleitete Studien. Die Arbeiten beschreiben das Potenzial von Flüssigbiopsien, das Tumorwachstum bei zwei sehr unterschiedlichen Krebsarten zu identifizieren und zu verfolgen: Blasenkrebs und periphere Nerventumoren. Beide Studien sind in der Ausgabe von “PLoS Medicine” vom 31.08.2021 erschienen. Die Sonderausgabe der Zeitschrift widmet sich dem Thema Flüssigbiopsie. „Unsere Studien zeigen Möglichkeiten, wie sich das Krebsmanagement mit Flüssigbiopsien, mit denen sich Tumoren in verschiedenen Stadien der Krankheit genau diagnostizieren und überwachen lassen, verbessern könnte“, sagte Dr. Aadel A. Chaudhuri, Hochschuldozent für Radioonkologie und leitender Autor beider Artikel. „Wenn eine Urinbiopsie bei Blasenkrebs feststellen kann, ob die frühe Chemotherapie den Tumor vollständig eradiziert hat, könnte dies einigen Patienten helfen, eine größere Operation zur Entfernung der Blase zu vermeiden“, sagte er. „Und wenn wir bei Neurofibromatose Typ 1 (NF1) zwischen kanzerösen und präkanzerösen Tumoren unterscheiden können, öffnen wir die Tür zur Krebsfrüherkennung bei erblichen Erkrankungen, die Menschen für die Entwicklung von Krebs prädisponieren.“ Wann kann eine Zystektomie nach Chemotherapie entfallen? Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs unterziehen sich typischerweise einer Chemotherapie, um den Tumor zu verkleinern, gefolgt von einer Operation, um die Blase zu entfernen. Leider gibt es heute keine Möglichkeit, festzustellen, bei welchen Patienten möglicherweise keine Zystektomie erforderlich ist. Die Urinbiopsie, die Chaudhuri und seine Kollegen durchgeführt haben, könnte in Zukunft eine Möglichkeit sein, festzustellen, bei welchen Patienten die Zystektomie sicher vermieden werden kann. In der Studie analysierten die Forschenden DNA im Urin von gesunden Menschen und Patienten mit Blasenkrebs, die mit einer Chemotherapie behandelt wurden. Nach der Chemotherapie, aber vor der Operation zur Entfernung der Blase, konnten die Wissenschaftler im Urin von Krebspatienten potenziell verbliebene Tumor-DNA identifizieren, die ansonsten unbemerkt geblieben wäre. Alle Patienten wurden operiert, um die Blase zu entfernen. Die Forscher fanden Tumor-DNA im Urin von Patienten, deren Blase nach der Chemotherapie noch Tumorreste aufwies. Im Gegensatz dazu wiesen die Patienten, die auf die Chemotherapie ein komplettes Ansprechen zeigten, im Urin vor der Operation keine Tumor-DNA auf. Obwohl der Test noch nicht empfindlich genug ist, um Behandlungsentscheidungen zu steuern, ebnet die Studie laut Chaudhuri den Weg für eine weitere Verfeinerung des Tests mit dem Ziel, Patienten zu identifizieren, die ihre Blase nach der Chemotherapie behalten können. Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Neurofibromen Patienten mit NF1 sind prädisponiert für die Entwicklung von Krebs, und periphere Nervenscheidentumore sind die häufigste Todesursache bei solchen Patienten. Diese Karzinome stammen in der Regel von gutartigen Tumoren ab, und es ist oft schwierig, zwischen den gut- und bösartigen Formen dieser Tumoren zu unterscheiden. Chaudhuri hat zusammen mit Dr. Angela Hirbe, Direktorin des NF-Klinikprogramms für Erwachsene, und Dr. Jack Shern vom National Cancer Institute und vielen weiteren Kollegen eine Methode zur DNA-Analyse in einer Blutprobe entwickelt, die zwischen gesunden Personen, NF1-Patienten mit gutartigen Tumoren und NF1-Patienten mit malignen peripheren Nervenscheidentumoren unterscheiden kann. Die DNA-Analyse korrelierte auch damit, wie gut die Patienten auf die Behandlung ansprachen. In Zukunft könnte die Flüssigbiopsie Ärzten dabei helfen, zu bestimmen, wann gutartige Tumore bei NF1-Patienten bösartig werden, und so die Früherkennung und frühe Behandlung von Patienten mit hohem Krebsrisiko verbessern. (Washington University School of Medicine, 01.09.2021 / sf/ms) Publikationen: Chauhan PS et al. Urine tumor DNA detection of minimal residual disease in muscle-invasive bladder cancer treated with curative-intent radical cystectomy: A cohort study.https://doi.org/10.1371/journal.pmed.1003732 JSzymanski JJ et al. Cell-free DNA ultra-low-pass whole genome sequencing to distinguish malignant peripheral nerve sheath tumor (MPNST) from its benign precursor lesion: A cross-sectional studyhttps://doi.org/10.1371/journal.pmed.1003734
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