Blasenkrebs: Reduzierte BCG-Dosis führt zu mehr Rezidiven13. August 2020 Die BCG-Vakzine. Foto: ursule – stock.adobe.com Die Reduktion der Anzahl von Blaseninstillationen mit Bacillus Calmette-Guérin (BCG) zur Behandlung von hochgradigem nicht muskelinvasiven Blasenkrebs (HG-NMIBC) erwies sich in einer Studie als unvorteilhaft: Die Rezidivrate war verglichen mit der Standardbehandlung höher. In der Phase-III-Studie NIMBUS haben Urologen aus Jena und Nijmegen (Niederlande) untersucht, ob ein reduziertes Schema von BCG-Instillationen ausreicht, um die Patienten zu behandeln. Die Studie wurde abgebrochen, da sich das neue Schema schon früh als unterlegen erwies. Erstautor Prof. Marc-Oliver Grimm vom Universitätsklinikum Jena stellte die Ergebnisse beim virtuellen Kongress der European Association of Urology (EAU) im Juli vor. Im Studienarm mit dem üblichen Dosierschema (standard frequency arm, SFA) wurden insgesamt 15 Instillationen: verabreicht: je eine wöchentlich über sechs Wochen, dann im dritten, sechsten und zwölften Folgemonat jeweils in der ersten, zweiten und dritten Woche. Die Patienten mit reduziertem Schema (reduced frequency arm, RFA) erhielten nur neun Dosen: je eine in den Wochen 1, 2 und 6, dann im dritten, sechsten und zwölften Folgemonat jeweils in der ersten und dritten Woche. 92 Prozent der SFA-Patienten erhielten eine erneute transurethrale Resektion der Blase (Re-TUR-B). Die Intention-to-treat-Analyse ergab eine deutliche Differenz zwischen den beiden Therapiearmen: Im RFA-Arm erlitten 27 Prozent der Patienten ein Rezidiv, unter dem SFA-Patienten waren es nur zwölf Prozent (HR 0,40; einseitiges 97,5%-Konfidenzintervall [KI] 0,68). Die geschätzte Rezidivrate nach zwölf und 24 Monaten betrug im SFA-Arm elf beziehungsweise 15 Prozent. Vergleich mit anderen Kohorten In einer Post-hoc-Analyse verglichen die Autoren die Rezidivrate im SFA-Arm mit den Raten der Kohorten aus den Risikomodellen der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) und des Club Urologico Espanol de Tratamiento Oncologico (CUETO). Dabei erwiesen sich die Rezidivraten bestimmter Risikogruppen in der NIMBUS-Stufe als deutlich geringer: So betrug die Rezidivrate nach einem Jahr bei NIMBUS-Patienten mit EORTC-Score 1-4 (n=100) 10,34 (95%-KI 3,48-17,20) Prozent gegenüber 24 (21-26) Prozent in der EORTC-Kohorte; ähnlich klar war der Unterschied bei EORTC 7-9. Noch deutlicher fiel der Unterschied bei Hochrisikopatienten nach CUETO aus: Unter den NIMBUS-Patienten mit CUETO-Score 7-9 (n=47) erlitten 5,26 (95%-KI -1,84 bis 12,36) nach einem Jahr ein Rezidiv, bei den CUETO-Patienten waren es 25,36 (19,56-31,16) Prozent. Die Autoren vermuten, dass diese Unterschiede an der routinemäßig durchgeführten Re-TUR-B vor BCG-Gabe liegen könnten. BCG-Engpässe bestehen weiter Dr. Benjamin Pradere, Associate Editor der EAU-Weiterbildungsplattform “UroOnco” bescheinigte dieser Studie “höchste Bedeutung in dieser komplizierten Zeit des BCG-Engpasses”. Damit meint er die Versorgungsprobleme mit dem Immuntherepeutikum, die im Jahr 2011 begannen, als die Produktionsstätte von Sanofi Pasteur in Toronto, Kanada, wegen erheblicher Hygieneprobleme geschlossen werden musste. Bis heute hat sich die weltweite BCG-Versorgung nicht vollständig erholt, zumal 75 Prozent der Produktion auf den Schultern zweier Hersteller lasten, von denen Sanofi Pasteur einer war. Die Firma Medac aus Wedel bei Hamburg hat sich der BCG-Produktion weiterhin verschrieben und will in die Anlagen investieren. Dies hat allerdings zunächst einen erneuten Lieferengpass zur Folge, wie das Unternehmen im Dezember 2019 mitteilte. Noch bis Ende 2021 sollen die Versorgungsschwierigkeiten voraussichtlich andauern. (ms)
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