Blasenkrebs: Wirkstoffe mit therapeutischem Effekt identifiziert11. April 2022 Bild: © SciePro – stock.adobe.com Bei einem Screening von hunderten chemischen Substanzen auf Zellkulturen, die unterschiedliche Stadien und Unterarten von Blasenkrebs repräsentieren, konnten mehrere vielversprechende Wirkstoffe mit inhibitorischen Effekten identifiziert werden. Dabei zeigte ein zur Behandlung von Leukämie bei Kindern eingesetzter Wirkstoff gute Wirksamkeit bei zwei bestimmten Blasenkrebsarten. Die an der MedUni Wien entstandene Studie wurde aktuell im Journal “European Urology” veröffentlicht. Eine kooperative Studiengruppe an der Universitätsklinik für Urologie um Prof. Shahrokh Shariat und Prof. Walter Berger am Zentrum für Krebsforschung der MedUni Wien führte in Kooperation mit dem CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (Arbeitsgruppe Dr. Stefan Kubicek) ein Screening diverser Wirkstoffe durch. Dabei wurden die Effekte von über 1700 chemischen Substanzen auf 23 kommerziell erwerbliche Zelllinien untersucht, die unterschiedliche Stadien und Unterarten von Blasenkrebs repräsentieren. Die Wissenschaftler konnten mehr als 470 Substanzen mit inhibitorischen Effekten identifizieren. Darunter befand sich eine Vielzahl von Wirkstoffen, die bereits bei Tumoren eingesetzt werden, aber beispielsweise auch Medikamente gegen Malaria, parasitäre Erkrankungen und verschiedene psychische Störungen. Leukämie-Medikament gibt Hoffnung bei Urothelkarzinom und sarkomatoidem Karzinom Eine dieser Substanzen, Clofarabin, ein Antimetabolit, der momentan als Behandlung für Leukämie bei Kindern eingesetzt wird, wurde eingehender untersucht. Dazu entwickelten die Forschenden Modelle aus Patientenmaterial, die verschiedene Arten von Blasenkrebs repräsentieren. Neben “konventionellen” Urothelkarzinomen gelang es auch, ein “sarkomatoides Karzinom” im Tiermodell zu etablieren. Dies ist eine seltene Unterart von Blasenkrebs, für die es momentan keine wirksamen Chemotherapien gibt. „Wir konnten feststellen, dass Clofarabin bei Mäusen mit konventionellem Urothelkarzinom eine komplette Remission bewirkt, während es in den Tieren mit sarkomatoiden Karzinomen zu einem massiven, nachhaltigen Schrumpfen der Tumore führt, ohne ersichtliche Nebenwirkungen zu verursachen“, beschreibt Erstautorin Dr. Iris Ertl von der Universitätsklinik für Urologie die Ergebnisse. Einsatz in klinischen Studien zur Behandlung von metastasierendem Blasenkrebs Nächste Schritte werden klinische Studien sein, bei denen Patienten mit metastasiertem Blasenkrebs, die aus verschiedenen Gründen keine Cisplatin-basierte Therapie bekommen können, vor der radikalen Zystektomie Clofarabin erhalten werden. Dazu Shariat: „Unsere Entdeckung wurde durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem CeMM und dem Institut für Krebsforschung ermöglicht. Wir freuen uns sehr darauf, mit unseren Partnern weiter daran zu arbeiten, unsere Ergebnisse in den klinischen Alltag zu integrieren“.
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