Blut im Urin: Rechtzeitige Untersuchung könnte Leben retten

Sichtbares Blut im Urin ist ein ernst zu nehmendes Warnzeichen. Foto: GladkovPhoto – stock.adobe.com

Laut einer neuen Studie stirbt jeder zehnte Notfallpatient mit sichtbarem Blut im Urin innerhalb von drei Monaten nach der Vorstellung in der Notaufnahme. Die WASHOUT-Studie ergab, dass eine Untersuchung innerhalb von 48 Stunden dieses Risiko verringern kann.

Die Studie wurde am 16.03.2026 auf dem 41. Kongress der European Association of Urology (EAU) in London vorgestellt. Die Mediziner um Studienleiterin Nikita Bhatt, Fachärztin für Urologie am St. Vincent’s University Hospital in Dublin, fanden aufgrund von globalen Daten heraus, dass innerhalb von 48 Stunden nach Einlieferung in die Notaufnahme eine Computertomographie oder Zystoskopie zur Untersuchung der Blase erfolgen sollte, um die weiteren Schritte festzulegen.

Die Studie analysierte Daten von über 8500 Personen aus 380 Krankenhäusern weltweit und verfolgte deren Krankheitsverlauf über 90 Tage nach ihrer Einlieferung in die Notaufnahme aufgrund von Blut im Urin. Dabei wurden auch andere Faktoren berücksichtigt, die die Ergebnisse beeinflusst haben könnten, darunter Alter, Gebrechlichkeit und andere Grunderkrankungen.

Jeder vierte Patient hatte Krebs

Etwa jeder vierte Patient, der mit sichtbarem Blut im Urin in die Notaufnahme kam, litt an einer Krebserkrankung, am häufigsten an Blasenkrebs, Patienten, die keine Untersuchungen oder eine angemessene Behandlung erhielten, hatten ein um 2,5 % höheres Sterberisiko innerhalb der nächsten drei Monate als Patienten, die diese erhielten. Sie verbrachten zudem mehr Zeit im Krankenhaus und wurden mit höherer Wahrscheinlichkeit innerhalb von drei Monaten mit demselben Problem erneut aufgenommen.

Laut der WASHOUT-Studie erhält weltweit nur etwa die Hälfte (53 %) der Patienten eine Untersuchung und ein Drittel (35 %) wird operiert. Die übrigen werden nach Hause entlassen oder stationär aufgenommen, um den Verlauf ihrer Symptome zu beobachten.

Bei Patienten mit einer bestehenden Krebserkrankung wurde die Diagnose im Durchschnitt innerhalb eines Tages gestellt, wenn innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Aufnahme Untersuchungen durchgeführt wurden. Patienten, die ohne Untersuchungen entlassen wurden, mussten hingegen deutlich länger warten; die Diagnose dauerte im Durchschnitt drei Wochen.

Klinische Leitlinien in Vorbereitung

Grund für die unterschiedliche Behandlung ist nach Ansicht der Forscher das Fehlen von Leitlinien, die auf evidenzbasierten Behandlungsmethoden beruhen. Das Forschungsteam arbeitet nun daran, seine Ergebnisse in klinische Leitlinien einfließen zu lassen, um Krankenhausmitarbeitern die bestmögliche Behandlung dieser Patienten zu ermöglichen.

„Dies ist die größte Studie, die untersucht, wie wir Patienten behandeln sollten, die mit Blut im Urin in die Notaufnahme kommen. Es ist ein häufiges Problem, von dem Tausende Menschen weltweit betroffen sind, und diese Patienten sind in der Regel sehr krank. Doch allzu oft fallen sie durchs Raster, weil die Ursache nicht offensichtlich ist“, kritisiert Studienleiterin Bhatt. „Unsere Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, dass Ärzte die notwendigen Schritte unternehmen, um die Ursache des Problems zu ermitteln.“

Prof. Joost Boormans, Mitglied des Wissenschaftlichen Kongressbüros der EAU und Urologe am Erasmus University Medical Center Rotterdam, erklärte: „Diese wichtige Studie verdeutlicht das Ausmaß des Problems, das Blut im Urin in Notfällen darstellt. Es ist schwierig, eindeutige Schlussfolgerungen zu spezifischen Erkrankungen zu ziehen, da Blut im Urin viele Ursachen haben kann, darunter auch Krebs, und die Patientengruppe sehr heterogen ist. Diese Studie zeigt jedoch, dass zeitnahe Untersuchungen die Diagnose beschleunigen und das Risiko von Wiedereinweisungen und langen Krankenhausaufenthalten verringern können. Als Urologen in der Notfallversorgung sollten wir uns dieser Zahlen bewusst sein und mehr dafür tun, bei Menschen mit Blut im Urin eine sofortige Diagnose zu stellen, um unser Gesundheitssystem zu entlasten und unseren Patienten die bestmöglichen Behandlungsergebnisse zu ermöglichen.“

(ms)