DKK 2026 Blutbasierte Tests – die Zukunft von Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention17. Februar 2026 Ein zentrales Anwendungsbeispiel der LB ist die Analyse zirkulierender Nukleinsäuren, insbesondere von zellfreien Tumor-DNA Fragmenten im Blut (ctDNA). (Symbolbild: © Alexander/stock.adobe.com) Die Liquid Biopsy ermöglicht die minimalinvasive Analyse tumorassoziierter Biomarker im Blut und anderen Körperflüssigkeiten. Besonders die ctDNA-Diagnostik gewinnt für Therapieentscheidung, Monitoring und Rezidiverkennung zunehmend an Bedeutung. von Prof. Dr. Klaus Pantel und Dr. Isabel Heidrich Der Begriff der Liquid Biopsy (LB) umfasst die Analyse von zirkulierenden Tumorzellen (CTCs) und Tumorzellbestandteilen wie Desoxyribonukleinsäuren (ctDNA), mikroRNA, extrazellulären Vesikeln (EVs) oder tumorassoziierten Proteinen1. Die meisten Publikationen gibt es zu Blut als Ausgangsmaterial, aber die LB-Technologien können auch auf andere Körperflüssigkeiten wie Urin, Liquor, Speichel, Sputum oder Knochenmark-Aspirate angewendet werden2. Durch wiederholte Blutentnahmen kann die Tumorerkrankung somit ohne das Vorliegen von Tumorgewebe minimalinvasiv beobachtet werden1. Aktuelle LB-Studien befassen sich mit Biomarkern, die wertvolle Informationen zur Tumordiagnostik, zur Tumortherapie und zum Krankheitsverlauf liefern können. Darüber hinaus ermöglicht LB die frühzeitige Erkennung von Krebserkrankung und bietet damit ein Instrument für Präventionsstudien1. Die ctDNA-Analyse als Anwendungsfeld der LB Ein zentrales Anwendungsbeispiel der LB ist die Analyse zirkulierender Nukleinsäuren, insbesondere von zellfreien Tumor-DNA Fragmenten (cfDNA) im Blut. Einheitliche Standards für die Präanalytik und Analyse von Proben sind unerlässlich für die klinische Implementierung und die standortübergreifende Vergleichbarkeit von LB-Methoden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Auswahl eines geeigneten Assays für die jeweilige klinische Fragestellung. Multigen-Assays erweitern gegenüber Einzelgen-Assays das Spektrum der erfassbaren Tumoralterationen. Dabei unterscheiden sich tumor-informierte Ansätze, die patientenspezifische Mutationen verfolgen und insbesondere bei niedriger Tumorlast eine höhere Sensitivität bieten, von tumor-agnostischen Panel-Assays, die ohne vorherige Tumorcharakterisierung einsetzbar sind, jedoch im MRD-Setting eine geringere Sensitivität aufweisen. Die Assaywahl sollte daher an das klinische Ziel, die erwartete Tumorlast und die verfügbare Gewebequalität angepasst werden. Das Ergebnis aller DNA-basierten LB-Tests muss jedoch kritisch interpretiert werden, da mutierte Sequenzen von apoptotischen Leukozyten (sogen. CHIP-Mutationen) zu einem falsch-positiven Ergebnis führen können1. Neuere Arbeiten zeigen, dass neben Leukozyten auch andere Zelltypen, die histopathologisch unauffällig sind, krebs-assoziierte Mutationen beherbergen können3. Die Vorteile der LB im Vergleich zu herkömmlichen Methoden Minimalinvasive Verfahren wie die LB versprechen nicht nur eine Verbesserung der Compliance der Patienten im Rahmen von Früherkennungsprogrammen oder Nachsorge-Untersuchungen, sondern können auch zu einer Reduktion von Kosten im Vergleich zu herkömmlichen Methoden, wie beispielsweise bildgebenden Verfahren oder chirurgischen Eingriffen führen. Die LB ist ein minimalinvasiver Eingriff, wodurch die Komplikationen gering sind. Durch ein LB-Monitoring von Blutproben besteht die Möglichkeit, die Veränderungen des Tumors sowie die Tumorheterogenität in Echtzeit abzubilden, Resistenzen einzelner Tumorentitäten gegenüber Therapiemaßnahmen zu erkennen und neue Therapieansätze zu entwickeln4. Früherkennung von Rezidiven mittels LB Für die tertiäre Prävention von Rezidiven ist es von Bedeutung, dass die Früherkennung von Rezidiven mithilfe der LB möglich ist, indem eine minimale residuale Krebserkrankung (MRD) post-operativ sowie im Verlaufe der Nachsorge blutbasiert mit sehr hoher Sensitivität detektiert werden kann5. So konnte gezeigt werden, dass Tumore verschiedener Entitäten bereits in frühen Stadien durch Apoptose, Nekrose oder aktive Sezernierung von ctDNA ins Blut abgeben, obwohl sich die Tumoren weder klinisch manifestiert haben noch in den klassischen bildgebenden Verfahren diagnostiziert werden können. Durch die LB könnten Therapiemaßnahmen gegen ein Rezidiv frühzeitig eingeleitet werden6. Eine Schlüsselfrage ist, welche Therapiemaßnahme am besten geeignet ist, um eine MRD zu beseitigen oder zu kontrollieren. Hierzu sind interventionelle Studien notwendig, in denen gezeigt werden kann, ob die „LB-guided“ Therapie zu einer verbesserten Lebensqualität und/oder zu einem längeren Überleben führt. Auch kann in solchen Studien untersucht werden, ob eine Deeskalation der Therapie keinen Nachteil für den Patienten nach sich zieht. Ebenso wichtig sind die Standardisierung und Qualitätskontrolle der eingesetzten Bluttests, wie sie in internationalen Netzwerken wie der ELBS derzeit umgesetzt werden7. Plenar-Sitzung „Die Zukunft von Krebsprävention und -früherkennung“ Freitag, 20.02. 08:00 bis 10:00 Uhr, Raum A4 Prof. Dr. Klaus Pantel ist Institutsdirektor am Institut für Tumorbiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und Vorsitzender der European Liquid Biopsy Society (ELBS). Dr. Isabel Heidrich ist Assistenzärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Referenzen 1. Alix-Panabières C et al. Advances in liquid biopsy: From exploration to practical application. Cancer Cell 2025;43(2):161–5. 2. Alix-Panabières C et al. Liquid Biopsy: From Discovery to Clinical Application. Cancer Discov 2021;11(4):858–73. 3. Nishimura T et al. Evolutionary histories of breast cancer and related clones. Nature. 2023;620(7974):607–14. 4. Pantel K et al. Minimal residual disease as a target for liquid biopsy in patients with solid tumours. Nat Rev Clin Oncol 2025;22(1):65–77. 5. Heidrich I et al. Liquid biopsy for monitoring of tumor dormancy and early detection of disease recurrence in solid tumors. Cancer Metastasis Rev 2023;42(1):161–82. 6. Heidrich I et al. Liquid biopsies: Potential and challenges. Int J Cancer 2021;148(3):528–45. 7. Pantel K et al. Fostering the implementation of liquid biopsy in clinical practice: meeting report 2024 of the European Liquid Biopsy Society (ELBS). J Exp Clin Cancer Res 2025;44(1):156.
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